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Mittwoch, 30. November 2022

Salve, o Regina - Affetti nella musica sacra del seicento

Willkommene Repertoireergänzungen


Label/Verlag: Stradivarius
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die CD bietet höchst willkommene Begegnungen mit wenig bekannten Meisterwerken italienischer Kirchenmusik des Settecento.

Im frühen 17. Jahrhundert kam es in Italien zu einer bis dahin unvorstellbaren Subjektivierung der Kirchenmusik. Die neue Kunstform der Monodie und der differenzierten Affektausdeutung drangen in die Kirche; bezeichnend, geradezu paradigmatisch für den neuen Geist ist Monteverdis Solomotette ‚Salve, o regina‘ – aus der marianischen Antiphon ‚Salve regina‘ wird ein affektgeladener Ruf einer einsamen armen Seele ‚Salve, o regina‘. Die modernen Werke erfordern nun auch vokale Virtuosität und haben so im Vergleich zur objektivierenden Renaissancemusik einen fast schon exhibitionistisch subjektiven Zug. Gerade die von der Gegenreformation eifrig geförderte Marienfrömmigkeit hat ebenso wunderbare wie eigenwillige musikalische Blüten hervorgebracht.

Seltene Kostbarkeiten und rare Repertoireperlen

Die Sopranistin Claudine Ansermet und der Lautenist Paolo Cherici auf Erzlaute und Theorbe präsentieren eine spannende Werkauswahl von geistlichen Monodien des 17. Jahrhunderts, garniert mit Solostücken für Lauteninstrumente. Die CD bietet einen willkommenen Mix aus wenig Bekanntem und gänzlich Unbekanntem. Am ehesten zu hören sind die Stücke von Monteverdi, auch wenn sie in der Popularität weit hinter der Marienvesper liegen. Als musikhistorische Denkwürdigkeit recht bekannt ist zum Beispiel ‚Iam moriar mi fili‘ – die geistliche Kontrafaktur des berühmten ‚Lamento d’Arianna‘. Auch vom ‚Salve, o regina‘ aus der ‚Selva morale‘ gibt es eine erkleckliche Anzahl von Einspielungen. Das ‚Stabat mater‘ von Giovanni Felice Sances werden Insider vielleicht durch eine fulminante Einspielung mit Marco Beasley und dem Ensemble Accordone kennen – wirklich seltene Repertoireperlen sind aber die Kompositionen von Merula, Legrenzi, Cherici (ein Vorfahr des Interpreten?), Kapsberger und Monferrato. Diese Stücke sind eine Ausgrabung wert! Was für ein herrliches, hypnotisierendes geistliches Wiegenlied ist zum Beispiel Tarquinio Merulas ‚Hor ch’e il tempo di dormire‘, welche ekstatische Ausdruckskraft erreicht Giovanni Girolamo Kapsberger in ‚Ave, o sanctissima Maria‘!

Stimmliche Flexibilität

Claudine Ansermet verfügt über eine sehr flexible, schön, aber nicht sehr charakteristisch timbrierte helle Sopranstimme. Die exzessiven Verzierungen der Musik bewältigt sie annähernd mühelos, aber ihrer Interpretation mangelt es für mein Gefühl etwas an Feuer und Intensität. Manchmal stößt sie mit ihrer beschränkten dynamischen Palette an ihre Grenzen, muss forcieren und Vibrato einsetzen. Dennoch gelingt ihr insgesamt eine glaubwürdige und berührende Interpretation. Vor allem vermag sie sich mit ihrer Flexibilität auf die vielfach kleinräumig wechselnden Tempi und Affekte einzustellen. Paolo Cherici ist ihr ein sensibler, kongenialer Partner, der eigene Akzente setzt und den Continuopartner durch differenzierte Gestaltungsmittel belebt. In den gut gewählten Solostücken beweist er seine Stilkompetenz und seine Fähigkeit zu hochsensibler Affektausdeutung.

Die CD bietet höchst willkommene Begegnungen mit wenig bekannten Meisterwerken italienischer Kirchenmusik des Settecento. Leider ist das Booklet nur englisch, italienisch und französisch. Künstlerbiographien fehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Salve, o Regina: Affetti nella musica sacra del seicento

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Stradivarius
1
24.11.2006
79:16
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
8011570336545
STR 33654


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Cherici, Sebastiano
Kapsberger, Johannes Hieronymus
Legrenzi, Giovanni
Merula, Tarquinio
Monferrato, Natale
Monteverdi, Claudio
Piccinini, Alessandro
Sances, Giovanni Felice


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Interpret(en):Ansermet, Claudine
Cherici, Paolo


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Stradivarius

Das 1988 gegründete Label STRADIVARIUS hat sich auf dem internationalen Markt als unabhängige Schallplattenfirma durchgesetzt, die vor allem auf zwei musikalische Gattungen spezialisiert ist: klassisch - aus der Renaissance und dem Barock - (mit der Reihe Dulcimer) und zeitgenössisch (mit der Reihe Times Future). Diese programmatische Entscheidung kommt aus dem Willen, eine ganz bestimmte und bezeichnende Rolle im heutigen Schallplattenumfeld zu spielen. Insbesondere hat STRADIVARIUS immer das Ziel verfolgt, den Vorrang italienischen Komponisten und Interpreten zu geben, um die bemerkenswertesten italienischen Kulturdarsteller auf aller Welt kennenlernen zu lassen.

In einem weiten Bereich ist STRADIVARIUS tätig: geistige, säkulare, Vokal-, Instrumental-, Solo-, Kammer- und Orchestermusik. Es gibt viele Beispiele seltener Registrieren, die als außerordentliche Kunstwerke weltweit betrachtet werden, wie zum Beispiel die Serie Un homme de concert, die die Zusammenarbeit mit dem berühmten Sviatoslav Richter offiziell festgelegt hat.

Was das zeitgenössische Repertoire betrifft, ist STRADIVARIUS im Laufe der Jahre, dank der Reihe Times Future, ein Bezugspunkt geworden, indem sie Werke von Franco Donatoni, Salvatore Sciarrino, Bruno Maderna, Goffredo Petrassi, Ivan Fedele, Luis De Pablo, Toshio Hosokawa und viele andere veröffentlicht hat.

Bruno Canino, René Clemencic, Alan Curtis, Emilia Fadini, Monica Huggett, Lucas Pfaff, Arturo Tamayo, Maggio Musicale Fiorentino, Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, Orchestra Verdi di Milano, Orchestre Philarmonique de Radio France, Orquesta y Coro de Madrid: Sie sind nur einige der Musiker und Formationen, die CDs für STRADIVARIUS aufgenommen haben.

Mit der Zeit ist das Bedürfnis entstanden, den Verlegervorschlag weiter zu diversifizieren; dadurch sind wichtige Reihen geboren, und zwar Guitar Collection (unter der Leitung von Frédéric Zigante), Ricordi Oggi (Ergebnis der Zusammenarbeit unter Stradivarius, dem Ricordi Universal Verlag und den Erben des Malers Emilio Tadini) und Milano Musica Festival (in Zusammenarbeit mit Milano Musica und RAI Radio3). Letzte in zeitlicher Reihenfolge ist die Landscape Serie, mit der STRADIVARIUS ihre Bereitschaft beweist, innovative Projekte zu verwirklichen.


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