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Montag, 23. Mai 2022

Gadenstätter, Clemens - Comic Sense

Breitgetreten


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


,Comic sense’ nannte Clemens Gadenstätter seine im Auftrag einer österreichischen Bank verfasste einstündige Komposition. Damit bezieht er sich auf ,Comics’, Bildergeschichten, die ursprünglich komische Inhalte hatten, doch ist diese Grenze längst gesprengt. Gadenstätter geht es ausdrücklich um Witz und Komik.

Comic ohne Geschichte

Sind Comics Kunst? Eine notwendige Bedingung für Kunst ist das ,Ins-Werk-Setzen von Wahrheit’ (Heidegger). Also kann ein Comic Kunst sein, wenn der Autor eine Wahrheit zeigt. Gadenstätter orientiert sich am Comic, versucht mit ,Comic sense’ die Ästhetik eines Comics in Klang umzusetzen. Das in drei ,Staffeln’ unterteilte Stück, das in der Großform irgendwo zwischen Klavierkonzert und Suite liegt, hat den Formrhythmus eines Comics. Kurzatmig folgen Klangbilder aufeinander. Die ,Bilder’ sind wie mit einem ,Rahmen’ getrennt. Innerhalb eines Bildes passieren diverse, gern wiederholte Klangereignisse (,Boing’). Im Gegensatz zu Comics, die, selbst wenn sie nur aus drei Bildern gezeichnet sind, noch eine Geschichte erzählen, kann ich hier nichts Stringentes erkennen, weder im Ganzen, noch innerhalb einer Staffel. Stringent ist lediglich die monotone Abfolge der Bilder.

Was ist komisch?

Auch der Ausdruck ist monoton. In den ersten zwei Minuten kann man die schrägen (auch elektronischen) Klänge noch komisch nennen, nach drei Minuten hat man das Prinzip verstanden und nach fünf Minuten weiß man, dass nichts Neues mehr kommt. Die übrigen fünfundfünfzig Minuten sind ein unbeabsichtigter Hinweis auf die Relativität der musikalischen Zeit. Wann ist etwas komisch? Ich kenne dieses große Geheimnis nicht, aber es muss einen Gegenstand geben. Jedenfalls sind die großen Komödien eigentlich Tragödien, etwa ,Der zerbrochene Krug’ von Kleist oder ,Der Menschenfeind’ von Moliere. Dieses Prinzip gilt auch im Comic. Donald Duck ist ebenso wie Ritter Runkel eine immer scheiternde Gestalt. ,Comic sense’ ist absolute Musik. Was ist Gegenstand des Stückes? ,Ich wollte es anders machen und die musikalischen Zusammenhänge gegen den Strich bürsten.’, so Gadenstätter. Das ganze Stück ist gegen den eigenen Strich gebürstet. Da ist nichts mehr, gegen das gebürstet werden kann.

Wo ist die Wahrheit?

Welche Wahrheit zeigt uns ,Comic sense’? Nun ist es, ganz besonders in der Musik, schwierig, diese Frage zu beantworten. Aber die Wahrheit zeigt sich im Werk. Ist es die Erkenntnis, dass zeitgenössische Musik nicht komisch ist? Ist es die Bürste? Das sind reine Negationen, sonst nichts. Darauf kann man kein einstündiges Stück bauen. Wenn sich Gadenstätter zeitlich etwas eingeschränkt hätte, wäre es ein gut instrumentiertes, kleines, komisches Stück geworden, quirlig interpretiert von Klangforum Wien unter Mark Forster, aufgenommen, vielleicht neben anderen Stücken, in der von Kairos gewohnten ausgezeichneten Qualität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gadenstätter, Clemens: Comic Sense

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Kairos
1
19.01.2005
59:16
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
9120010280184
KAI0012452


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Gadenstätter, Clemens


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Dirigent(en):Foster, Mark
Orchester/Ensemble:Klangforum Wien
Interpret(en):Müller, Florian


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Kairos

Der unwiderstehliche Klang der Neuen Musik.


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