> > > Weber, Carl Maria: Die drei Pintos
Montag, 6. Dezember 2021

Weber, Carl Maria - Die drei Pintos

‘Weber und Mahler’ oder ‘Mahler und Weber’?


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neben seinen drei großen Opern ‘Der Freischütz’, ‘Euryanthe’ und ‘Oberon’ hat Carl Maria von Weber noch eine handvoll weiterer Kompositionen für die Theaterbühne verfasst. Unter diesen befindet sich mit ‘Die drei Pintos’ ein Fragment, an dem er unmittelbar nach seinem Freischützerfolg arbeitete, es letztlich aber wegen anderer Werke zurückstellte und so nie vollendete. Nach seinem Tod strebte Webers Witwe eine Vollendung der Oper an. Neben Webers früherem Schüler Julius Benedict war auch der große Giacomo Meyerbeer im Gespräch, mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraut zu werden. Doch es dauerte fast 60 Jahre, bis ein ganz anderer junger aufstrebender Komponist von Webers Enkel Carl mit der Vollendung beauftragt wurde: Gustav Mahler. Dieser war gerade als Assistent von Arthur Nikisch an der Leipziger Oper verpflichtet worden und auf dem besten Weg, sich einen Namen zu machen. Mit großem Feingefühl näherte er sich jener Aufgabe und so wurden am 20. Januar 1888 ‘Die drei Pintos’ mit beachtlichem Erfolg in Leipzig (unter Mahlers Leitung) uraufgeführt.

Allein musikgeschichtlich ist diese Oper höchst interessant, denn es ist erstaunlich, wie gut es Mahler gelang, sich in Webers Musik einzufühlen und dabei seinen eigenen Stil zu schulen. Die Frage ‘Weber oder Mahler?’ steht so im Zentrum des Hörens, denn es ist in der Tat schwierig zuzuordnen, welcher Teil von welchem Komponisten stärker geprägt wurde. Leider gibt es nicht viele Aufnahmen dieses Werkes und so muss man schon allein deshalb dem Label Naxos dankbar sein, dass ein Mitschnitt jüngeren Datums hier veröffentlicht wurde. Hört man allerdings in die Aufführung rein, die im Rahmen des Wexford Festival Opera 2003 stattfand, so beschleichen einen leise Zweifel ob der Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens: Die Qualität von Tontechnik und musikalischer Darbietung ist ziemlich bescheiden bis miserabel! Als erstes springt die schlechte Aufnahmequalität ins Ohr. Orchester und Sänger sind wechselnd laut und leise zu hören und zahlreiche Nebengeräusche fallen störend auf. Das Verhältnis zwischen Gesang und Begleitung stimmt eigentlich nie und so ist es nahezu unmöglich einen vernünftigen Höreindruck der ‘Kooperation’ Webers und Mahlers zu erhaschen.

Mehr als nur ärgerlich!

Die durchweg mittelmäßigen Sänger geben sich zwar alle Mühe, doch letztlich verhindert die Technik einen detaillierten und differenzierteren Eindruck ihrer Gesangsleistung. Deutlich hörbar sind jedoch die musikalischen Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Orchester und Sängern und im Ensemble selber, was den Hörgenuss weiter schmälert. Dass die Oper in deutscher Sprache vorgetragen wird, kann man aufgrund der schlechten Textverständlichkeit nur erahnen und wer der Handlung genauer folgen möchte, muss ins Internet gehen, um dort das vollständige Libretto herunterzuladen. So kommt es trotz des interessanten musikalischen Gegenstands der Aufnahme leider zu keinem Positiverlebnis während des Hörens. Im Gegenteil: Der beständige Ärger ob der Unzulänglichkeiten der Veröffentlichung sorgt sogar dafür, dass man sich zwingen muss, der Oper bis zum Schluss zu folgen und so bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass eine hochwertigere Aufnahme der Weber/Mahler Oper irgendwann bei einem anderen Label erscheinen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Ballmeier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weber, Carl Maria: Die drei Pintos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
20.09.2004
Medium:
EAN:

CD
0730099614221


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Weber, Carl Maria von


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Dirigent(en):Arrivabeni, Paolo
Orchester/Ensemble:National Philharmonic Orchestra of Belarus
Interpret(en):Furlong, Peter
Jenis, Ales
Campbell, Sinead
Kempster, Stewart
Holzer, Robert
Shaw, Eric
Marilley, Sophie
Zechmeister, Barbara
Svab, Alessandro


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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