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Dienstag, 9. August 2022

Pärt, Arvo - Berliner Messe

Schlichtheit und Fasslichkeit


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Pärts ‚Berliner Messe’ wird oft in Verbindung mit der franko-flämischen Schule der Renaissance gebracht.

Arvo Pärt gehört mittlerweile zu den etablierten zeitgenössischen Komponisten, dessen Werke sich auf zahlreichen Tonträgern wiederfinden. Das, was die Musik Pärts im Vergleich zu vielen anderen modernen Kompositionen auszeichnet, ist ihre Schlichtheit und Fasslichkeit. Der Kompositionsstil des estnischen Tonkünstlers, den er selbst ‚Tintinnabuli’ (abgeleitet von dem lateinischen Begriff für ‚Glöckchen’) nennt, ist harmonisch wie auch melodisch sehr einfach gehalten. Die Musik lebt von ihrer Dynamik und dem Zusammenspiel von Stille und Klang.

In der Tradition des Tridentinums

Pärts ‚Berliner Messe’ wird oft in Verbindung mit der franko-flämischen Schule der Renaissance gebracht, deren Vertreter für ihre zahlreiche Vertonungen des christlichen Messordinariums bekannt waren. Doch die ‚Berliner Messe’ ist mehr noch den Reformen des tridentinischen Konzils der katholischen Kirche aus dem 16. Jahrhundert verpflichtet. Während dieses Konzils wurde die Forderung laut nach mehr Textverständlichkeit und einer Abkehr von komplexen kontrapunktischen Kompositionen des franko-flämischen Stils hin zu kürzeren syllabisch-akkordischen Werken. Das Prinzip der Einfachheit und der Nachvollziehbarkeit des Textes ist auch in Pärts ‚Berliner Messe’ verwirklicht. Die Messe ist geprägt durch große Transparenz und wenig Effekte, wozu die Elora Festival Singers durch ihre nüchterne Interpretation zusätzlich beitragen. Im Vergleich zu der Aufnahme des Estonian Philharmonic Chamber Choir (Ecm Records 1999) haben die Produzenten bei dieser Aufnahme nur geringfügigen Wert auf einen hallbeladenen Raumklang der Kirche gelegt. Stattdessen klingt die Naxos-Produktion sehr nüchtern und trocken.

Gute Textverständlichkeit

Der Psalm ‚Cantate Domino’ ist der Messe vorangestellt und fungiert als eine Art Introduktion zu dem folgenden größeren Werk. Bei diesem Psalm, der durch eine schlichte Melodieführung geprägt ist, erweist sich der Chor bereits sehr intonationssicher, was erfreulicherweise bis zum Ende der Aufnahme anhält. Ab dem ‚Kyrie’ der ‚Berliner Messe’ fällt jedoch auf, dass die Elora Festival Singers nicht ganz das Klangvolumen des oben erwähnten estnischen Chors erreichen und auch neben dem Moskauer Choir of the Academy of Choral Art (Capriccio 2004) recht blass wirkt. Die beiden osteuropäischen Chöre wirken sehr viel dynamischer im Vergleich zu den kanadischen Interpreten unter der Leitung Noel Edisons. Dies macht sich vor allem in den dunkel und mystisch wirkenden ‚Veni Sancte Spiritus’ und ‚Santus’ negativ bemerkbar, die leider wenig des tragisch-melancholischen Gestus zu vermitteln vermögen. Nimmt man allerdings Textverständlichkeit und Transparenz als Maßstab, wirken die Elora Festival Singers sehr überzeugend, was vor allem in den textreicheren Passagen wie dem ‚Gloria’ und dem ‚Credo’ sich sehr positiv auswirkt.

Besinnlicher Klang

In den folgenden Einzelwerken ‚De profundis’, ‚Summa’, ‚Beatitudes’ sowie dem abschließenden ‚Magnificat’ setzt sich die Tendenz zu einem besinnlichen und klaren, aber wenig dynamischen Klang fort. So sind beispielsweise das Crescendo von ‚Beatitudes’ und die Wechsel zwischen Solo und Tutti beim ‚Magnificat’ nicht ganz so ausgeprägt wie beim Estonian Philharmonic Chamber Choir (Virgin 2004). Die Konzilsväter in Trient hätten aber ihre helle Freude an den von weltlichem Pomp und Übermaß befreiten Werken gehabt. Wer  große Ausdruckskraft und Mystik bevorzugt, wird von dieser Aufnahme eher enttäuscht sein. Derjenige, der ein besinnliche und schlichte Interpretation zu schätzen weiß, wird dagegen bestens bedient. Das zweisprachige Booklet (englisch, deutsch) bietet ausreichend Informationen zu Künstler und Werken und beinhaltet die kompletten Texte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pärt, Arvo: Berliner Messe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
30.08.2004
Medium:
EAN:

SACD
0747313105267


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Pärt, Arvo


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Dirigent(en):Edison, Noel
Orchester/Ensemble:Elora Festival Orchestra
Interpret(en):Petrenko, Jurgen


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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