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Montag, 27. Mai 2019

Mussorgsky, Modest - Boris Godunov

Boris im Kino


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


1954 drehte man in der Sowjetunion an einem Film, der so ganz in die Ideologie des Systems passte, der Verherrlichung der eigenen Kultur diente und dazu flächendeckende Indoktrinierung und Erziehung der Massen garantierte. Kosten und Mühen wurden nicht gescheut, um eine der beliebtesten russischen Opern auf Zelluloid zu bringen. Kein allein russisches Phänomen, rang man auch in Italien mehr oder weniger erfolgreich um cineastische Aufarbeitungen des heimischen Opernrepertoires.
Unterschiede gibt es aber schon zwischen den Ansätzen. 1951 z.B. war in Italien eine Filmversion der Aida (Verdi) mit Stars des italienischen Kinos wie Sophia Loren zu sehen, die auf die Tonaufnahme etablierter Gesangsgrößen wie Tebaldi, Stignani, Campora pantomimisch tätig wurden. Kapitalistischer Tribut an Starwesen und Schönheitskult? In der UdSSR arbeitete die opernerfahrene Vera Strojeva ähnlich wie später Karajan (im ebenfalls kapitalistischen Österreich) mit Sängern, die auf ihre eigene – zuvor erstellte – Audioeinspielung agierten. Anders war dies in der Zeit technisch nicht machbar.

Großes Kino

Dafür bot Strojeva alle Möglichkeiten der poststalinistischen Filmindustrie auf. Aufwendige Studiolandschaften, Freiluftaufnahmen, intime Interieurs und der Charme der Originalschauplätze setzte sie in dramatische Beleuchtung und eine durch das Verfahren Magicolor ermöglichte, harmonische Farbpalette. In guter eisensteinscher Tradition stilisierte Strojeva das Volk in vereinheitlichenden Massenszenen zu einem expressiven Kollektiv nach kommunistischem Geschmack. In den suggestiv inszenierten Aufmärschen der Mächtigen schimmert der Einfluss Leni Riefenstahls auf und erinnert an die Austauschbarkeit der totalitären Systeme. Dennoch ist die filmische Arbeit Strojevas trotz manches ideologischen Winks mit dem Zaunpfahl von großer und bleibender künstlerischer Qualität. Mit den detailreichen Kostümen und der absoluten Verpflichtung an den (Sowjetischen) Realismus erreicht der Film etwas, was auf der Bühne schwierig ist: die überzeugende Schilderung eines Milieus, Prachtentfaltung und die Ausreizung aller optischen und historischen Details, ohne die Grenze des Kitsch zu überschreiten.

Leuchtend

Auch musikalisch bietet der Film einiges. Wer die 1948er Aufnahme des Boris mit Pigorov kennt, weiß jedoch, über welche Möglichkeiten der Sänger in jener Zeit verfügte. 1954 war seine beste Zeit bereits vorbei. Trotzdem weiß er auch hier noch mit einem berückenden Timbre, delikaten Abstufungen und einer leuchtenden Technik für sich einzunehmen. Auch der legendäre Kozlovsky als Einfaltspinsel und Nelepp als Prätendent hatten 1948 noch bessere Zeiten, erhalten im Film jedoch Gelegenheit ihrer gültigen Interpretation ein Gesicht zu verleihen. Der Chor, das Ballett und das Orchester des Bolschoi unter Vassily Nebolsin steigen immer wieder zu mitreißenden Höchstleistungen auf und setzen das akustische Profil zu den packenden Bildern.

Selbstverständlich?

In wirklich hervorragender Qualität wird der Film nun vom Label VAI auf DVD angeboten. Wer des Russischen nicht mächtig ist, kann jedoch lediglich auf die Hilfe englischer Untertitel zurückgreifen. Ein wirkliches Minus ist die leider standardmäßig unsorgfältige Arbeit der VAI an Hülle und Einlegezettel – zu einem Booklet etwa hat es wieder einmal nicht gereicht. Weder die Kürzungen, noch die Besonderheiten der Szenenfolge werden genannt. Angaben dazu, welche der verschiedenen Fassungen der Oper der Aufnahme zugrunde liegen, fehlen völlig. Eine vollständige Liste der Sänger sucht man vergebens. Sollte nicht wenigstens dies selbstverständlich sein?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mussorgsky, Modest: Boris Godunov

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
22.11.2004
EAN:

0089948425397


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Mussorgsky, Modest


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Dirigent(en):Nebolsin, Vassily
Orchester/Ensemble:Orchestra of the Bolshoi Theatre
Interpret(en):Khanaev, N.
Nelepp, G.
Mikhailov, Maxim
Pirogov, A.
Avdeyeva, L.
Kozlovsky, I.
Krivchenva, A.


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VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


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