> > > Sounds like Christmas: works of Corelli, Vivaldi, Bach, Händel & Mauersberger
Samstag, 10. April 2021

Sounds like Christmas - works of Corelli, Vivaldi, Bach, Händel & Mauersberger

Weihnachtliches Wechselbad


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie schmal der Grat von der hohen Kunst zum Kitsch sein kann, namentlich auf dem Gebiet der Weihnachtsmusik, wie wichtig außerdem ein klares, dramaturgisch durchdachtes Programmkonzept ist, das führt uns diese DVD vor Augen und Ohren. Da treffen sich eine Mezzosopranistin mit einer herrlichen Stimme und einer sehr natürlichen Ausstrahlung, eines der weltbesten Barockorchester, ein weltbekannter Jazztrompeter mit seiner Formation und ein Quintett von fünf Männerstimmen, das durch außerordentliche Homogenität und hohe Musikalität entzückt, im ehrwürdigen ehemaligen Kloster Schulpforta zu einem musikalisch-weihnachtlichen Stelldichein; was dabei herauskommt, ist ein Wechselbad wie das Programm: Weihnachtslieder aus aller Welt, mal einstimmig und unbegleitet, dann auch mal verjazzt, dann vom Männerquintett dargeboten, Corellis ‚Concerto fatto per la notte di Natale‘ und Vivaldis Concerto ‚Il riposo‘, eine Arie aus Bachs Weihnachtsoratorium, eine weitere aus einer Bach-Kantate, eine Arie aus dem Messias von Händel.

Hervorragende Einzelleistungen, fehlende Kohärenz

Bei allem Respekt vor dem großen Einsatz der musikalischen Protagonistinnen und Protragonisten: Diese DVD hinterlässt mich einigermaßen ratlos. Zu unterschiedlich scheinen mir die Einzelresultate: Zugegeben, Angelika Kirchschlager beeindruckt sehr, sie schrammt aber auch mehrfach hart am Kitsch vorbei. Manchmal tappt sie für mein Empfinden sogar punktgenau in die ‚Kitsch-Falle‘. Viele werden diese Meinung nicht teilen, aber ich finde es unpassend, wenn eine ausgebildete Opernsängerin einstimmig und unbegleitet Lieder wie ‚Vom Himmel hoch‘ und ‚Es ist ein Ros entsprungen‘ darbietet, denn so sehr sich Frau Kirchschlager auch um Natürlichkeit im Ausdruck bemüht, für mich klingt das doch immer sehr artifiziell. Deswegen sind die stärksten Momente der Aufnahme auch die Bach- und Händel-Arien. Die zwei Bach-Stücke davon (‚Bereite dich Zion‘ und ‚Schlummert ein, ihr matten Augen‘) kann man allerdings schon auf Kirchschlagers zu Recht hoch gelobtem Bach-Arienrecital mit dem Venice Baroque Orchestra hören, das 2002 bei Sony erschienen ist. Auf der vorliegenden DVD ist das hervorragend disponierte, höchst engagierte Freiburger Barockorchester unter Gottfried van der Goltz zu hören, das nicht nur in den Arien mit ausgefeilten Interpretationen das Gehör erfreut, sondern auch hochkalibrige Wiedergaben der Concerti von Vivaldi und Corelli liefert.

Angekündigte Höhepunkte finden nicht statt

Wenig Freude habe ich auch auf den im dürftigen Begleittext groß angekündigten ‚Höhepunkte‘, in denen Angelika Kirchschlager und Tomasz Stanko im Duett Weihnachtslieder in neuer Deutung zum besten geben. Was dabei herauskommt, ist nämlich keine wirkliche Kreuzung und Verschmelzung verschiedener Musikstile, sondern die beiden Musiker singen bzw. spielen über weite Strecken einfach aneinander vorbei. Jeder liefert für sich gesehen Überzeugendes, Stimmiges, aber in der Mischung kommt keine Harmonie zustande. Gleiches kann von der ganzen DVD gesagt werden: Einzeln betrachtet sind die Interpretationen von Angelika Kirchschlager, dem Freiburger Barockorchester und der Jazzformation stimmig; auch das Ensemble ‚armacord‘ erfreut durch Wohlklang und interessante Arrangements (sehr schön, ganz ohne den Eindruck von Künstlichkeit gelungen: ‚Maria durch ein‘ Dornwald ging‘); insgesamt fehlt dem musikalischen Gipfeltreffen aber der rote Faden. Die Zusammenstellung wirkt höchst inhomogen und wenig durchdacht. Ich will niemandem etwas unterstellen, schon gar nicht der von mir sehr geschätzten Angelika Kirchschlager, aber ich fürchte, dass bei dem auf dieser DVD akustisch festgehaltenen musikalischen Zusammentreffen die Plattenfirma ein gehöriges Wort mitgeredet hat – so recht will sich nämlich die weihnachtliche Harmonie nicht einzustellen, alles macht einen sehr pasticciohaften, zusammengewürfelten Eindruck, bei soliden Einzelleistungen.

Zurückhaltende Bildregie

Die Bildregie übt sich in nobler Zurückhaltung, rückt primär die im an sich schon stimmungsvollen Kirchenraum des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Schulpforta verteilten Interpreten in den Vordergrund. Dazu gibt es dezente winterliche Impressionen und Bilder von einem Weihnachtsmarkt. Der Begleittext ist knapp und qualitativ dürftig; Künstlerbiographien sucht man im Booklet und auf der DVD vergeblich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sounds like Christmas: works of Corelli, Vivaldi, Bach, Händel & Mauersberger

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
20.09.2004
Medium:
EAN:

DVD
0880242521293


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Bach, Johann Sebastian
Corelli, Arcangelo
Händel, Georg Friedrich
Mauersberger, Erhard
Vivaldi, Antonio


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Dirigent(en):Goltz, Gottfried von der
Orchester/Ensemble:Freiburger Barockorchester
Interpret(en):Kirchschlager, Angelika
Stanko, Tomasz


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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