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Donnerstag, 29. September 2022

Beethoven, Ludwig van - Symphonies 7, 8, 9

Aufgeraut


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Produktion kann als ein weiteres interessantes Beispiel der hohen Interpretationskunst Michael Gielens gelten, die hoffentlich nicht nur lokales Interesse hervorruft.

Mit der Produktion der Siebten, Achten und Neunten Sinfonie Ludwig van Beethovens liegt nun der ganze Zyklus der Sinfonien mit Michael Gielen und dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auf DVD vor. Ebenso wie die beiden vorangegangen Editionen wird einem hier ein vitaler, ruppiger Beethoven vorgestellt, konturenscharf und kantig. Michael Gielen erregte vor einigen Jahrzehnten mit seiner individuellen Beethoven-Lesart noch Aufsehen und sogar Widerstand, war er doch einer der ersten, die die originalen Metronomangaben des Komponisten ernst nahmen. Mittlerweile wurde er von den Kollegen der historisch informierten Aufführungspraxis rechts überholt. Mit originalem Instrumentarium (oder wenigstens mit Nachbauten alter Instrumente) gehen diese an den Start, die originalen Tempoangaben genau befolgend.

Doch nachdem sich einige Vertreter der sogenannten historischen Aufführungspraxis langsam wieder von dem anfänglichen Ideal eines rauen, kernigen Klangs zugunsten des gewohnten Schönklangs verabschiedet haben, bleibt Gielen bei seinen Vorstellungen von der adäquaten Umsetzung von Musik. Gielen will nicht nur Unterhaltung bieten oder Musik zum Tranquilizer, bequem nach getaner Arbeit in einer Klassig-Lounge konsumiert, verkommen lassen. Musik ist ihm ein Stück Realität, Ausdruck, vielleicht auch Appell. Dies zeigt sich etwa an der wohl durchdachten Programmgestaltung, wenn etwa Beethovens Neunte Sinfonie d-Moll op. 125 neben Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“ steht: Gedanken der Aufklärung und des Idealismus stehen neben deren bzw. dessen pervertierter Kehrseite in Form von Judenverfolgung und –vernichtung. Damit stellt Gielen musikalische Werke nicht nur in einen geistesgeschichtlichen, sondern in einen politischen Kontext.

Voller Elan

Gielens Klangideal, sowie auch seine Interpretationshaltung werden an den Mitschnitten der letzten drei Sinfonien Beethovens unmittelbar erfahrbar. Gielen schlägt in der Siebten Sinfonie A-Dur op. 92 nicht nur ein flottes Tempo an, sondern gestaltet den Orchesterklang konturenreich, mit Ecken und Kanten. Das stellt nicht nur die Anforderung an den Hörer, sich mit der Klanglichkeit auseinander zu setzen, sondern betont zudem die kompositorische Faktur. Stimmeinsätze werden pointiert gestaltet, Phrasierungen ausdrucksstark, doch nie eingängig musiziert. Die Rauheit der Klangoberfläche zeigt sich am besten in der Reprise des Eingangssatzes der Neunten Sinfonie. Gielen lässt die Pauke hier unerbittlich dreinschlagen; stampfend und keuchend wirkt diese Passage, die anderswo zwar akzentuiert und scharf klingt, doch fast nie so aufregend musiziert wird wie hier.

Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg spielt mit hoher Spannung, detailgenau, präzise. Die Direktiven Gielens, durch klarste Schlagtechnik unterstützt, werden in einen lebendigen und differenziert gestalteten Orchesterklang umgesetzt. Die kontrapunktische Faktur des Scherzos der Neunten Sinfonie wird von Gielen derart transparent offen gelegt, dass das eher bedächtige Tempo durch Detailreichtum und Dichte entschädigt wird. Die Interpretationen der drei Sinfonien atmen geistvolle Durchdringung der Partitur wie auch emotionalen Ausdruck. Beides vereint Gielen – auch wenn seine Mimik oft nur ersteres verrät.

Klanglich ist die Produktion des SWR gut gelungen. Auch wenn das Konzerthaus Freiburg nicht über eine hervorragende Akustik verfügt, so schafft es Gielen doch, den Orchesterklang nicht nur trennscharf und transparent erscheinen zu lassen, sondern im Tutti auch schillernd und voluminös. Die Produktion kann als ein weiteres interessantes Beispiel der hohen Interpretationskunst Michael Gielens gelten, die hoffentlich nicht nur lokales Interesse hervorruft.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Symphonies 7, 8, 9

Label:
Anzahl Medien:
EuroArts
1
Medium:

DVD


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Beethoven, Ludwig van


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Dirigent(en):Gielen, Michael
Orchester/Ensemble:SWR Sinfonieorchester Baden-Baden
Interpret(en):Behle, Renate
Naef, Yvonne
Winslade, Glenn
Müller-Brachmann, Hanno


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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