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Mittwoch, 20. September 2017

Strawinsky, Igor - A National Film Board of Canada Release

Aus einer anderen Zeit


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‘Stravinsky’ ist ein Film aus einer anderen Zeit. Gedreht in 1965 und lediglich in den 90ern subtil modifiziert. Einer Zeit, als man noch keine ‘emotionalen’ Ergänzungen im Titel benötigte, um einen Film zu bewerben. Einer Zeit, als sich die Handlung vor der Kamera frei entfalten durfte und nicht ständig jemand ‘Cut!’ oder ‘Action!’ dazwischen rief. Aus einer Zeit also, deren Werke anhand der Kriterien des kommerziellen Kinos kaum mehr gemessen werden können und die selbst so manchem ehrenwerten Journalisten ein Gähnen in die Mundwinkel zaubern mag. Und dennoch ist er ein faszinierendes Dokument.

Denn ‘Stravinsky’ ist auch ein Film über eine andere Zeit. Man erkennt das schon an den Umgangsformen, formaler und respektvoller als heute, am ruhigen und ungehetzten Konversationston. Es war weniger das Blitzlichtgewitter der Boulevardfotografen, welches die über achtzig-jährige Eminenz umgab, sondern eine schwere, Ehrfurcht gebietende Aura. Ganz so wie die kurze Stille zwischen dem Ende der Orchesterprobe und den ersten Takten eines Konzerts. Da passt es, dass die Bilder der Dokumentation von einer Aufnahme der Psalmensymphonie in Toronto eingerahmt werden, welche Stravinsky eigenhändig leitet. ‘Are we ready?’ fragt der Maestro, hält kurz inne und sinniert: ‘Not yet’, nur um sich rasch die Ärmel hochzukrempeln. Sein lebendiger, konzentrierter Stil ist selbst in hohem Alter noch erkennbar, die Fähigkeit, die Essenz der Musik in den sparsamen Bewegungen seiner Hände und Arme zum Ausdruck zu bringen. ‘No rehearsing, just playing through’ lautet der einfache Auftrag und alle, denen die Schnipselarbeit der modernen klassischen Studioarbeit ein Gräuel ist, werden hier befreit aufatmen: Bis auf wenige kritische Stellen wird das Werk einfach am Stück durchgespielt, fast fehlerfrei und nahe an der Perfektion. Man muss sich ein wenig gedulden, ehe der Film sich von dieser Szenerie entfernt und selbst dann bleibt er rein faktisch an der Oberfläche.
Doch liegt das vollkommen in seiner Intention: Dies ist keine Biographie, sondern ein Portrait, nach damaligen Maßstäben fast unerhört modern und über weite Strecken komplett auf Moderation und Explikation verzichtend. Die Kamera folgt dem alten Mann auf eine Schiffsreise in Deutschland und bittet viele seiner Freunde und Wegbegleiter zu Wort. Lediglich kurze historische Sentenzen und wenige eingestreute Fotos dokumentieren seine persönliche Geschichte, seine Liebe fürs Ballett, seine armutsbedingte Flucht aus Russland und seinen rasanten Aufstieg an die Weltspitze. Auf alles Weitere wird verzichtet. Zu recht: All dies ließe sich leichtens in der einschlägigen Literatur nachlesen, doch nirgendwo sonst kommt man dem Stravinsky so nahe, der auf der Fähre ‘I’m never seasick – I’m seadrunk!’ murmelt und noch einen ordentlichen Schluck Vodka nimmt. Ein Treffen mit seinem Freund Nabokov (…) in einem Pariser Hotelzimmer gerät zu einem amüsanten und gleichzeitig beinah anrührenden Treffen zweier älterer Männer, die viel gesehen und viel zu erzählen haben. Man scherzt mit den Kameraleuten, die kein Französisch verstehen, trinkt ein paar gute Klare aus einem gemeinsamen Glas, tauscht Anekdoten und Aktuelles aus. Die Kamera läuft und läuft und man wollte, sie möge da einfach stehen bleiben und den beiden weiter zusehen und zuhören.

Doch war das eben eine andere Zeit. Da, wo das Private anfing, hatte sich das Fernsehen auszuklinken und die Objektive neugieriger Pressevertreter blieben vor der Tür, statt für 24 Stunden am Tag jeden Schritt und Tritt zu dokumentieren. Es war auch eine Zeit, in der es keine DVDs, keine ‘Behind the Scenes’ oder Untertitel gab, die man nach Belieben ein- und ausblenden konnte – weswegen diese konsequenterweise auf dieser Veröffentlichung fehlen.
Und sogar das mutet hier beinahe sympathisch an.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Features:




Kritik von tocafi,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strawinsky, Igor: A National Film Board of Canada Release

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
22.11.2004
EAN:
0089948429098

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Strawinsky, Igor


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VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


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