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Freitag, 25. September 2020

Menotti, Gian-Carlo - The Consul

Italiano in America


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gian-Carlo Menotti kam mit 17 Jahren aus Italien in die Vereinigten Staaten und wurde schließlich Opernkomponist. Und wen könnte es wundern - seine Opern klingen auch genau so, wie man vermuten möchte. In ihrer Musik mischen sich Elemente des Broadway-Musicals mit dem Pathos italienischer Opern. Aber auch die deutsche Musik ist nicht spurlos an Menotti vorbeigegangen, der zeitlebens italienischer Staatsbürger blieb, aber englischsprachige Stoffe verarbeitete. Erfolgreich waren seine Opern vor allem in Amerika, auf dem Alten Kontinent konnten sie sich nie so recht etablieren. Das mag sich aus der Zwischenstellung erklären, die seine Opern einnehmen. Einerseits eindeutig rückwärtsgewandt sind sie der Musiksprache des Verismo zu einer Zeit verhaftet, als dieser in Italien längst nicht mehr maßgeblich war. Streckenweise erinnert Menotti sogar an sein Vorbild Puccini, erreicht jedoch nie dessen lyrische Qualität und Tiefe.
Aber auch neuere Töne mischen sich in den Stil Menottis. Die Offenheit für moderne Strömungen zeigt sich vor allem in den häufigen Wechseln stilistischer Mittel. Gerade in The Consul, seinem ersten abendfüllenden Werk, arbeitet Menotti mit allen Abstufungen zwischen ariosen Passagen, rezitativem Parlando, Sprechgesang, gesprochenen Worten und sogar Schreien, reizt orchestrale Einwürfe, schwelgenden Geigenklang und die Möglichkeiten seines reduziert-trockenen, stellenweise fahlen Orchesterapparates aus. Dennoch erscheint seine Musiksprache nicht als etwas originäres, neues, was ihm von seiten der Kritik den Vorwurf des Eklektizismus einbrachte.

Over the Top

Mit einer neuen DVD bietet das Label VAI die Möglichkeit, das in Europas trotz seiner Erfolges in den 50er Jahren heute wenig beachtete Erstlingswerk kennenzulernen. Vor allem das Thema, das Menotti selbst wählte und in ein stellenweise überschwülstiges Libretto umsetzte, ist von Interesse. Im Zentrum der Handlung steht Magda Sorel und der aussichtslose Kampf, den die politisch Verfolgte für Ihre Familie im Wartezimmer eines Konsulats gegen die unsichtbaren Mächte der Bürokratie führt. Angeregt wurde Menotti zu diesem Thema durch die Ereignisse der 30er und 40er Jahre in Europa und den Schilderungen jüdischer Freunde, die vergebens in den Konsulaten demokratischer Länder um Hilfe und Ausreisemöglichkeit gefleht hatten – ein Umstand, über den bis heute gern der Mantel des Schweigens gebreitet wird.
Für Europäer mit gutem englischen Sprachgefühl mag der stellenweise ins pathetisch-melodramatische abgleitende Tonfall des Librettos schwierig sein. Trotz seines hehren Anliegens weißt das Textbuch einige Schwächen auf und ist, um im Englischen zu verbleiben oftmals ‚over the top’.

Vokale Schwächen

Wirklich wertvoll ist die DVD vor allem deshalb, weil sie eine Fernsehproduktion des Jahres 1960 von Jean Dalrymple vorstellt, die auf einen Großteil der originalen Uraufführungs-Besetzung zurückgreifen konnte, mit der The Consul über den Broadway ging. Damit bekommt man einen direkten Eindruck von den ursprünglichen Intentionen Menottis; vor allem auch deswegen, weil hier eine der wenigen Einspielungen der 1950er Originalversion ohne spätere Änderungen vorliegt. Interessant ist aber die Qualität der Produktion und ihre nicht zu übersehenden Schwächen. Zunächst einmal erstaunen die – man möchte fast sagen – amateurhaften Details in Kostüm und Personenregie, Maske und Studiobauten. Die Perücke der Mutter mit weißem Dutt, um nur ein Beispiel zu nennen, wirkt zu dem jungen Gesicht Evelyn Sachs’ wie ein Karnevalskostüm. Aber auch vokale Mängel sind nicht von der Hand zu weisen. Zwar ist Patricia Neway in der Hauptrolle unstrittig expressiv und mitreißend – demgegenüber steht aber die intensive stimmliche Spannung, die nicht allein ein Widerschein der Anspannung in der Figur ist. Patricia Neway kämpft mit vokalen Grenzen und erreicht nie lyrische bzw. harmonisch klingende Momente.
Ähnliches muss von Evelyn Sachs gesagt werden, die für ihr junges Alter eine sehr angestrengte und ungesunde Technik aufweißt. In dieser Hinsicht ist aber auch allein Maria Marlo eine wohltuende Ausnahme, die als Fremde kultviertes und gleichzeitig expressives Singen vorführt. Schauspielerisch erreicht neben Neway vor allem die Sekretärin von Regina Sarfaty ein hohes Niveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Menotti, Gian-Carlo: The Consul

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
22.11.2004
Medium:
EAN:

DVD
0089948426691


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Menotti, Gian Carlo


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Interpret(en):Ludgin, Chester
Merriman, Dan
Kelley, Norman
Marlo, Maria
Voketaitis, Arnold
Sarfaty, Regina
Lishner, Leon
Sachs, Evelyn
Neway, Patricia
DiGerlando, Maria


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VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


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