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Donnerstag, 9. Dezember 2021

Rheinberger, Joseph - Complete Organ Works Vol.11

Einmalig kompetent


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Spätwerken ist die neueste Folge von Rudolf Innigs und MDGs Rheinberger-Mammutprojekt gewidmet. Wieder besteht das Programm aus Orgelsonaten auf der einen Seite und einem Zyklus ‚kleinerer‘ Stücke – in diesem Fall handelt es sich um die ‚Zwölf Trios‘ op. 189. An Sonaten bringt Innig diesmal Nr. 17 und Nr. 18 zu Gehör, zwei höchst bedeutende Werke der Orgelliteratur des späten 19. Jahrhunderts, expressiv und kunstvoll in der satztechnischen Arbeit, formal überzeugend und auf der Höhe ihrer Zeit stehend. Josef Gabriel Rheinberger ist einer von den Komponisten, deren umfangreiches kompositorisches Oeuvre immer noch nur bruchstückhaft bekannt ist.

Meilensteine der romantischen Orgelliteratur

Obwohl sie Meilensteine der ‚romantischen‘ Orgelliteratur darstellen, sind die Orgelsonaten nur selten zu hören; zum Teil kann das mit den doch enormen Anforderungen an den Interpreten erklärt werden. Populäres Potential haben außerdem nur einige einzelne Sätze, wie etwa die ‚Idylle‘, der 3. Satz der 18. Sonate. Ansonsten sind die Kompositionen äußerst anspruchsvoll und erfordern konzentriertes Hören. Die Trios sind vielleicht nicht als genuine Konzertliteratur anzusprechen, sondern mehr für die Unterrichtspraxis bestimmt; auch die Tonsprache ist hier klassizistischer, abgeklärter als in den moderneren Sonaten. Dennoch sind auch die Trios durchaus hörenswert und sollten in den Konzertprogrammen stärkere Beachtung finden.

Innig hat sein Instrument für Rheinbergers Spätwerke gefunden

Die hier akustisch präsentierten Werke Rheinbergers verlangen nach einem Instrument, das eine breite Palette dynamischer und klanglicher Abstufungen erlaubt. Die von der Schweizer Firma Kuhn AG gebaute Orgel der Stadtkirche St. Anton in Zürich ist ein solches Medium. Rudolf Innig gibt sich in seinem Einführungstext überzeugt, in der Zürcher Orgel das ideale Instrument für Rheinbergers Spätwerke gefunden zu haben; tatsächlich ist die Mischung aus mächtigem Klang und zarten, quasi romantischen, oft dunkleren Klangfarben sehr gut geeignet. Trotz des dichten Stimmgewebes bleibt die Durchhörbarkeit gewahrt.

Innig – das Maß aller Dinge bei Rheinberger

Rudolf Innig hat sich im Laufe seiner lange währenden Beschäftigung mit Rheinberger eine nahezu unanfechtbare Kompetenz angeeignet, die ihn zum Maß aller Dinge auf diesem Gebiet macht. Mit der neuen Einspielung stellt er seine Souveränität erneut eindrucksvoll unter Beweis. Spannend, fein abgestuft ist seine Interpretation in den Sonaten, glasklar in den Trios. Spieltechnische Hürden scheint Innig nicht zu kennen. Die Registrierung überzeugt; die Aufnahme hat Referenzcharakter.
Die rundum hervorragende Präsentation der MDG-Rheinberger-Serie habe ich schon mehrfach gelobt; ich will es gerne wieder tun. Die Orgel wird detailliert vorgestellt, die Registrierung taktgenau angegeben, Rudolf Innigs Begleittext zeugt von einmaliger Rheinberger-Kompetenz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rheinberger, Joseph: Complete Organ Works Vol.11

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
MDG
1
22.11.2004
73:45
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
760623090122
MDG 317 0901-2


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Rheinberger, Joseph


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Interpret(en):Innig, Rudolf


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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