> > > Berkeley, Sir Lennox & Michael: Piano Concerto - Four Poems of St. Teresa of Ávila
Dienstag, 7. April 2020

Berkeley, Sir Lennox & Michael - Piano Concerto - Four Poems of St. Teresa of Ávila

Familie Berkeley, Teil 5


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bereits mit der fünften CD widmet sich das Label Chandos der Komponisten-Familie Berkeley – Lennox (1903 – 89) und seinem Sohn Michael (geb. 1948). Der Vater studierte wie so viele seiner Zeitgenossen bei Nadia Boulanger in Paris, wo er Einflüsse von Poulenc, Fauré und Strawinsky aufnahm. Nach wie vor hat sein Schaffen in Großbritannien und im Ausland einen schweren Stand; einige seiner Landsleute rümpfen die Nase ob seiner angeblich ´französierten´ Werke, auf dem Kontinent stach ihn der jüngere und begabtere Britten aus. Michael Berkeley, Schüler eben jenes Britten und Richard Rodney Bennetts, hat es da etwas leichter: seit der Uraufführung seiner Oper ´Baa Baa Black Sheep´ nach Kipling 1993 gehört er zu den führenden zeitgenössischen Tonsetzern auf der Insel. Von ihm erklingt das ´Gethsemane Fragment´ (1990) für Orchester und das in Form eines Doppel-konzertes angelegte Werk ´Tristessa´ für Englischhorn, Bratsche und Orchester, uraufgeführt 2003. Lennox ist mit seinem Klavierkonzert op. 28 und den ´Four Poems´ der heiligen Teresa von Ávila op. 27 vertreten. Die Solisten sind Catherine Wyn-Rogers (Alt), Celia Craig (Englischhorn), Steven Burnard (Bratsche) und Howard Shelley (Klavier); das BBC National Orchestra of Wales wird von Richard Hickox geleitet.

Aus den späten vierziger Jahren

Das Klavierkonzert schrieb Lennox Berkeley für den Pianisten Colin Horsley, der es 1948 uraufführte. Die traditionellen drei Sätze weisen einen unbeschwerten, an Ravel und Mozart orientierten Tonfall auf, der erste Satz enthält zudem eine virtuose Kadenz für den Solisten. Howard Shelley, ein mit britischen Klavierkonzerten bestens vertrauter Pianist, trifft den lyrisch-heiteren Ton des Werkes genau, ohne dabei ins Oberflächliche abzugleiten. Von der Kadenz abgesehen, ist der erste Satz nicht mit pianistischen Bravour-Passagen überfüllt; Berkeley wollte offensichtlich kein reines Virtuosen-Konzert schreiben. Dementsprechend gibt Hickox dem Orchester viel Raum, Shelley betrachtet sich als ´primus inter pares´ und versucht nicht, sich gewaltsam in den Vordergrund zu spielen. So lassen sich die Verhältnisse auch im zweiten Satz charakterisieren, der erwartungsgemäß mit zahlreichen Melodien aufwartet, die gelegentlich etwas banal wirken. Erneut erweist sich Shelley als vornehm zurückhaltender Pianist, der sich mit dem Orchester zu einer Einheit ergänzt. Im Finale darf er endlich auch ein wenig glänzen, aber das Orchester spricht nach wie vor ein Wort mit. Die gelungene Interpretation ändert nichts an der Tatsache, daß das Klavierkonzert im nationalen Vergleich eher zweitklassig ist und nicht mit den Konzerten von Britten, Tippett oder Bliss konkurrieren kann. Eine Bereicherung des Repertoires stellt es aber mit Sicherheit dar.
Die vier vertonten Gedichte der heiligen Teresa von Ávila für Alt und Streichorchester darf man hingegen zu den besten Werken von Lennox Berkeley rechnen. Die berühmte Altistin Kathleen Ferrier hatte das Werk in ihrem Repertoire. Catherine Wyn-Rogers muss sich mit ihrer Interpretation nicht verstecken, sie singt klar verständlich und betont den emotionalen Gehalt der Texte. Die Streicher des walisischen Orchesters werden von Hickox zu einer dezenten Begleitung angehalten.

Neues und Neuestes von Michael Berkeley

Die beiden Werke von Michael Berkeley unterscheiden sich deutlich von der Musik seines Vaters. Das ´Gethsemane Fragment´, das hier in der Ersteinspielung vorliegt, zeugt von einer avantgardistischen Tonsprache, die nur noch ganz vereinzelt romantische Klänge aufweist. Dem Orchester gelingt es mühelos, für die schroffen, herben Streicherklänge des Fragmentes den passenden Tonfall zu finden; bisweilen erinnert die scheinbare Anarchie des Werkes an entsprechende Passagen bei Schostakowitsch.
Mit ´Tristessa´ schrieb Michael Berkeley ein konzertähnliches Werk für zwei Instrumente, für die Konzerte auch im 20. Jahrhundert dünn gesät sind: Englischhorn und Viola. In Celia Craig und Steven Burnard hat dieser 22-minütige Klagegesang zwei fähige Interpreten gefunden, die die dunkle Klangfarbe ihrer Instrumente bestens zur Geltung bringen können. Verglichen mit dem ´Gethsemane Fragment´ scheint sich Berkeleys Tonfall etwas gemäßigt zu haben, die wüsten Ausbrüche sind seltener geworden. Munter und virtuos korrespondieren die beiden Solisten miteinander und mit dem Orchester, wobei – angesichts des Titels wenig überraschend – eine düstere, beinahe depressive Stimmung vorherrscht. Craig überzeugt dabei am Ende mehr als Burnard, dessen Part viele undankbare Stellen aufweist.
Die Idee von Chandos, konsequent Werke von Vater und Sohn miteinander zu koppeln, bringt neben der hohen Vielfalt zwar ein gewisses Qualitätsgefälle mit sich. Aber dem entdeckungsfreudigen Hörer wird hier einiges geboten: Die Interpretationen sind durchgehend hochwertig, der Klang ist gut und das Booklet besonders ausführlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Berkeley, Sir Lennox & Michael: Piano Concerto - Four Poems of St. Teresa of Ávila

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
01.04.2012
Medium:
EAN:

CD
0095115126523


Cover vergössern

Berkeley, Michael
Berkeley, Sir Lennox


Cover vergössern

Dirigent(en):Hickox, Richard
Hatfield, Lesley
Orchester/Ensemble:BBC National Orchestra of Wales
Interpret(en):Wyn-Rogers, Catherine
Craig, Celia
Burnard, Steven
Shelley, Howard


Cover vergössern

Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Chandos:

  • Zur Kritik... Ein anderes Amerika: Aaron Coplands 3. Symphonie und drei weitere Orchesterwerke in einer verdienstvollen, wenn auch nur soliden Einspielung. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Mit tiefer Inbrunst: Ein wichtiger Beitrag zur Elgar-Diskografie aus berufener Quelle. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Fern von Frankreich: Tempesta di Mare versucht sich an französischen Opernsuiten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Chandos...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Michael Loos:

  • Zur Kritik... Komponierender Dirigent oder dirigierender Komponist?: Obwohl José Serebrier auf dieser CD auch dirigiert, steht er doch vor allem als Komponist im Vordergrund. Besonders überzeugen kann hierbei sein Flötenkonzert. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Cello-Klagegesänge: Diese drei Werke für Violoncello und Orchester aus der Feder von Mieczyslaw Weinberg befinden sich bei Raphael Wallfisch und Lukasz Borowicz in den besten Händen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Verpflichtung und Lebensaufgabe: Schon lange Zeit widmet sich Raphael Wallfisch selten gespieltem Cello-Repertoire. Auf der vorliegenden CD gelingen ihm dabei erstklassige Interpretationen von Konzerten jüdischer Komponisten, die von der NS-Diktatur ins Exil gezwungen wurden. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Michael Loos...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Komponierender Dirigent oder dirigierender Komponist?: Obwohl José Serebrier auf dieser CD auch dirigiert, steht er doch vor allem als Komponist im Vordergrund. Besonders überzeugen kann hierbei sein Flötenkonzert. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Passion erzählt: Passionen zwischen Schütz und Bach? Ja, die gab es. Johann Theile mit einem sehr schönen Beispiel für Entwicklungen und Tendenzen. Weser-Renaissance Bremen und Manfred Cordes setzen ihre Reihe mit Musik aus Wolfenbüttel gelungen fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Am Puls der deutschen Romantik: Friedrich Schneider (1786-1853) galt zeitweise als einer der führenden deutschen Oratorien- wie auch Orchesterkomponisten. Dreißig Jahre wirkte er in Dessau. Das dortige Orchester schenkt ihm mit dieser Aufnahme eine eindrucksvolle Visitenkarte. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ferruccio Busoni: Sonata for Violin & Pianoforte op.36a - Allegro giacoso

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich