> > > Rachmaninoff, Sergej: The Piano Concertos - Paganini Rhapsody
Dienstag, 9. August 2022

Rachmaninoff, Sergej - The Piano Concertos - Paganini Rhapsody

Ohne Schwulst und Pathos


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach der vielbeachteten und preisgekrönten Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte von Camille Saint Saëns, nahm sich der Pianist Stephen Hough diesmal gemeinsam mit Andrew Litton und dem Dallas Symphony Orchestra die Konzerte Rachmaninows vor. Die Live-Einspielung(!) der vier Klavierkonzerte des russischen Komponisten inklusive der ,Rhapsodie über ein Thema von Paganini' (ohne Publikum eingespielt), die bei Hyperion erschien; ist ein neuerlicher Beweis für die außerordentliche Fingerfertigkeit des britischen Pianisten.

Vorbild Rachmaninow

Zurecht beklagt Hough in seinem Vorwort zu den Aufnahmen den Umstand, dass bei neueren Darbietungen der Klavierkonzerte häufig ein zu langsames Tempo gewählt wird. Vergleicht man die von Rachmaninow unter Leopold Stokowsky und Eugene Ormandy selbst eingespielten Stücke (Naxos) mit denen von herausragenden Interpreten wie Svjatoslav Richter, Vladimir Ashkenazy oder gar dem Rachmaninow-Vertrauten Vladimir Horowitz, so fällt auf, dass die einzelnen Sätze allesamt deutlich länger sind. Äußerst lobenswert ist daher auch die Entscheidung von Hough, sich enger am Spiel des Komponisten zu orientieren und das Rubato bewusster einzusetzen. Die Parallelen zur Interpretation seines Vorbildes Rachmaninow sind bei Houghs Darbietung unverkennbar. Mit seiner Konsequenz und Zielstrebigkeit am Flügel befreit Hough die Werke von zu viel Schwulst und Pathos und verleiht ihnen viel Elan.

Eng am Original

Bereits beim ersten Klavierkonzert fällt auf, dass Pianist und Orchester die Tempi und Artikulationsbezeichnungen ebenso genau zu interpretieren versuchen, wie es Rachmaninow tat: nur da, wo espressivo, dolce oder cantabile vorgezeichnet ist, wird entsprechendes gespielt, der Rest wird mit äußerster Stringenz und in atemberaubendem Tempo dargeboten. Von den stürmischen Eingangstakten, die durch Griegs Klavierkonzert inspiriert wurden, an leisten sowohl Hough als auch das Dallas Symphony Orchestra außerordentliches. Lediglich die Solokadenz des ersten Satzes klingt etwas holprig. Hough schlägt hier ein sehr eigenwilliges tempo rubato an, das nicht besonders flüssig klingt und dadurch deutlich an Ausdruckskraft verliert. Allerdings sei vorweggenommen, dass diese Stelle die einzige auf den beiden CDs war, die ich als mäßig bezeichnen würde. Vor allem das Zusammenspiel von Orchester und Solist ist herausragend. Beide sind sehr präsent und ergänzen sich optimal. Der langsame zweite Satz ist ein Musterbeispiel dafür, dass sich angesichts der großen Ähnlichkeit beider Darbietungen die Protagonisten intensiv mit der Interpretationsweise Rachmaninows auseinandergesetzt haben. Im dritten Satz wird man förmlich mitgerissen vom leidenschaftlichen Spiel der Musiker. Man möchte geradezu in den tosenden Applaus mit einstimmen, der am Ende eines jeden Konzertes von den Mikrofonen eingefangen wurde.
Das anschließende vierte Klavierkonzert, das zum Spätwerk des Komponisten zählt, steht dem ersten um nichts nach. Zwar wirken beispielsweise Rachmaninow (mit Ormady) oder Ashkenazy (mit Previn) in den espressivo- und cantabile- Passagen etwas ausdrucksstärker, dennoch kann dies den ausgezeichneten Gesamteindruck nicht trüben. Folglich ist auch hier der Jubel des Publikums mehr als begründet, obwohl dieses Konzert seinerzeit aufgrund seiner unerwarteten Brüche und der für damalige Verhältnisse hektischen Rhythmik bei Publikum und Kritik glatt durchfiel. Ergänzt werden diese beiden weniger bekannten Klavierkonzerte Rachmaninows von der weitaus erfolgreicheren ,Rhapsodie über ein Thema von Paganini'. Dieses Werk zählt zu den sehr seltenen Kompositionen für Klavier und Orchester, die in Variationsform geschrieben sind. Dirigent Litton führt das Dallas Symphony und Stephen Hough souverän durch die ständig im Gestus wechselnden Variationsteile. Kantable Variationen mit weitausgreifender Melodik werden dabei ebenso gut bewältigt wie die kurzen, lakonisch anmutenden Teile.

Rubato in Maßen

Die zweite CD widmet sich den populärsten Klavierkonzerten (Nr.2 und Nr.3). Mit dem zweiten Klavierkonzert gelang Rachmaninow der internationale Durchbruch. Dieses Konzert ist weniger durch ausgedehnte Solopartien geprägt, die man von einem Klavierkonzert durchaus erwarten könnte, als durch seine farbige Harmonisierung und seinen melodischen Reichtum. Bei dem düsteren und tragenden Beginn verfällt Hough nicht der gleichen Unsitte wie Ashkenazy, die Takte unnötigerweise über das normale Maß hinaus zu dehnen und, obwohl nicht vorgezeichnet, gebrochene Akkorde zu spielen. Dagegen verzichtet Hough ebenso wie Rachmaninow auf derartige Effekte und hält sich strikt an die Vorgaben der Partitur. Im zweiten Satz, der sich zumeist zwischen pianissimo und mezzoforte abspielt begeistern Hough und das Dallas Symphony durch ihr zartes und einfühlsames Spiel, während sie das abschließenden Allegro scherzando wieder mit sehr viel Schwung meistern.
Anhand des dritten Klavierkonzertes kann man sehr gut erkennen, wie sich die Spielweise Rachmaninows zu der eines Ashkenazy (mit André Previn/ London Symphony Orchestra) oder eines Horowitz (mit Zubin Mehta/ New York Philharmonic) unterscheidet. Beide Pianisten verzögern beispielsweise das Tempo beim zweiten Allargando des ersten Satzes sehr. Im Gegensatz dazu diese spielte Rachmaninow sehr viel gradliniger und bestimmter. Andrew Litton und Stephen Hough wählten einen Mittelweg, der zwar mehr Rubato als bei Rachmaninoff aufweist, aber nicht ausschweifend wirkt. Ebendies trifft auch für die den zweiten und dritten Satz zu: Rubato erklingt durchaus, aber in Maßen.

Technische Brillanz

Die Einspielungen der Klavierkonzerte sowie der Rhapsodie bestechen durch Stephen Houghs technische Brillanz und ein hervorragendes Zusammenspiel mit dem Orchester. Eine außerordentliche Klangqualität sorgt für ein faszinierendes Live-Erlebnis, bei dem Nebengeräusche des Publikums während der Darbietung ausgeblendet wurden und nur der Schlussapplaus hörbar ist. Wie bei Live-Aufnahmen üblich, ist von den Mikrophonen mehr Raumklang eingefangen als bei Studioaufnahmen, dennoch klingen die Instrumente erstaunlich direkt. Die im Booklet enthaltenen Besprechungen zu jedem Werk sind gut recherchiert und bieten umfangreiche

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: The Piano Concertos - Paganini Rhapsody

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
2
22.11.2004
Medium:
EAN:

SACD
0034571575018


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Rachmaninoff, Sergej


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Dirigent(en):Litton, Andrew
Orchester/Ensemble:Dallas Symphony Orchestra
Interpret(en):Hough, Stephen


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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