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Sonntag, 22. September 2019

Bach, Johann Sebastian - Cantatas Vol.26

Geschmückte Seele


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Und weiter geht´s im Zyklus der Gesamtaufnahme aller Kantaten Johann Sebastian Bachs. Mittlerweile ist der japanische Cembalist, Organist und Dirigent Masaaki Suzuki schon bei Teil 26 angelangt und man kann – erfreulicherweise – nicht die geringsten Anzeichen von Ermüdung feststellen. Die vorliegende CD stellt uns Kantaten aus dem fast vollständigen Kantaten-Jahrgang (1724) vor. Hier sind die Kantaten ‘Herr Christ, der einge Gottessohn’ BWV 96, ‘Das neugeborne Kindelein’ BWV 122 und ‘Schmücke dich, o liebe Seele’ BWV 180 aufgenommen. Die Auswahl der Kantaten erscheint etwas heterogen, oft werden beispielsweise die Werke mit dem selten verwendeten Violoncello piccolo auf einer CD zusammengestellt oder Weihnachtskantaten (die auch eine Scheibe füllen, da Weihnachten aus drei Festtagen besteht), zu denen man die Kantate BWV 122 zählen darf, auch wenn sie für die Neujahrsfeier konzipiert war. Allerdings handelt es sich bei dieser Produktion um einen Teil des ehrgeizigen Projekts einer Gesamteinspielung und daher mag man bei der Kompilation der Kantaten keine so strengen und auf Konsistenz gerichteten Maßstäbe ansetzen.

Etwas abgeklärt

Auch wenn diese Kantaten nie langweilig wirken, so macht das Bach Collegium Japan hier doch stellenweise einen etwas zu abgeklärten Eindruck. Gerade der Eingangschor der Kantate ‘Das neugeborene Kindelein’ könnte man sich etwas lebhafter vorstellen. Masaaki Suzuki vermag meist, den Schwung seines ehemaligen Lehrers Ton Koopman, mit seinen noch feiner ausgearbeiteten Phrasierung zu verbinden. Doch stellenweise vermisst man doch die energisch zupackende Art Koopmans. Allerdings schafft es Suzuki demgegenüber, weitere Details der Partituren offen zu legen und den Satz sehr transparent zu gestalten. Seine Tempi sind – wie gewohnt – zügig, doch nie hektisch oder sportiv. Suzuki gibt seinen Musikern Zeit, Phrasen feinfühlig zu gestalten und Melodiebögen ruhig auszusingen. Dass dies nie in Richtung Langweile gleitet, erreicht der Dirigent durch eine sehr detaillierte und auf Ensemblebalance bedachte Klanggestaltung. So werden alle Stimmen nicht nur hörbar, sondern auch in ihre Stellung im musikalischen Satz deutlich, indem Melodien heraustreten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Die Solisten verwöhnen durch saubere Intonation, flexible Stimmbehandlung und eine unaffektierte, aber dennoch bewegende Interpretation der Texte. Die Sopranistin Yukari Nonoshita und der Tenor Makoto Sakurada scheinen mit der deutschen Aussprache nur geringe Probleme zu haben, denn wenn man nicht im Booklet lesen könnte, dass es sich um japanische Sänger handelt, hörte man dies kaum. Einen leichten Akzent weist hier schon der Altus Timothy Kenworthy-Brown auf, der auch stimmlich zuweilen einen etwas unausgeglichenen Eindruck macht. Stellenweise klingt sein Altus etwas gepresst, in tieferen Registern verliert seine Stimme deutlich an Glanz. Der Bassist Peter Kooij, auch bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Philippe Herreweghe, überzeugt hier über weiteste Strecken. Seine sonore, weiche Stimme scheint vor allem für lange Melodielinien geschaffen. Aber auch die reich verzierte Arie ‘O Menschen, die ihr tägliche sündigt’ gelingt ihm sehr gut, auch wenn hier deutlich wird, dass Kooijs Stärken eher in der Gestaltung von leiseren Passagen liegen. Mit hellem Klang und auch in den Höhen samt klingenden Sopran nimmt Yukari Nonoshita für sich ein. Der dritte Satz der Kantate ‘Schmücke dich, o liebe Seele’ gerät hier vor allem im Choralteil zu einer innigen Andacht.

Vorzügliches Ensemble

Das Bach Collegium Japan zeigt auch in dieser Aufnahme, dass es eines der ausgewogensten Ensembles im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis ist. Die Einzelstimmen fügen sich zu einem homogenen Orchesterklang, kein Instrument tritt über Gebühr in den Vordergrund. Masaaki Suzuki versteht es hervorragend, einen vollen Klang zu erzeugen, bei dem die einzelnen Stimmen hörbar bleiben. Technisch scheint dieses Ensemble keine Schwierigkeiten zu kennen, die Phrasierung wirkt wie aus einem Guss, dynamische Schattierungen werden detailliert herausgearbeitet. Wenn dies dann von der Aufnahmetechnik so getreu wiedergegeben wird wie bei dem Label BIS, bleiben keine Wünsche offen. Transparenz des Klanges, subtile dynamische Staffelung und ein reicher Ensembleklang bestechen hier. Auch wenn die Vokalparts stellenweise ein wenig zu nah nach vorne geholt wirken.
Wenn Masaaki Suzuki so weiter macht, kann man sich stets auf eine neue CD mit Bach-Kantaten freuen. Allerdings braucht man für die als Einzel-CDs erscheinende Gesamteinspielung viel Platz im Wohnzimmer.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Cantatas Vol.26

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BIS Records
1
15.12.2004
52:57
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
7318590014011
bis501401


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Bach, Johann Sebastian
 - Schmücke dich, o liebe Seele - BWV 180
 - Das neugeborne Kindelein - BWV 122
 - Herr Christ, der einge Gottessohn - BWV 96


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Dirigent(en):Suzuki, Masaaki
Orchester/Ensemble:Bach-Collegium Japan
Interpret(en):Nonoshita, Yukari
Kenworthy-Brown, Timothy
Sakurada, Makoto
Kooij, Peter


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"Diese Folge enthält drei Kantaten, die für die letzten Monate des Jahres 1726 geschrieben wurden. Sie waren Bestandteil des von Bach geplanten, dann aber nicht ausgeführten Plans, zu jedem Sonntag des Kirchenjahres eine Kantate über einen bekannten Choral zu schreiben. - Fono Forum kürte diese Serie zur „Edition des Jahres“; Le Monde de la Musique ernannte Folge 24 zum „Choc d?année“, und im Diapason erhielt diese Folge den Diapason d?Or. BBC Music Magazine wählte Folge 25 zur Disc of the Month."


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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