> > > Holmboe, Vagn: Concertos for Piano, Clarinet and Oboe
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Holmboe, Vagn - Concertos for Piano, Clarinet and Oboe

Hörenswertes von Holmboe


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der finnische Komponist Einar Englund wähnte sich Zeit seines Lebens im Schatten von Sibelius. In Dänemark mag dem der Schatten Carl Nielsens entsprechen, der die nachfolgenden Komponisten bedeckt. Ein Beispiel hierfür ist Vagn Holmboe (1909 – 96), dessen Werke außerhalb Dänemarks kaum bekannt sind. Holmboes umfangreiches Schaffen beruht auf den drei Schwerpunkten Symphonie, Streichquartett und Instrumentalkonzert; auch für Chor (mit und ohne Orchester) schrieb er viele Werke. Einen Einblick in das traditionsbezogene und gleichzeitig höchst originelle Schaffen Holmboes bietet diese CD mit drei Konzerten und einem Chorwerk: Noriko Ogawa ist die Solisten im Klavierkonzert op. 17, Martin Fröst spielt den Solopart im Klarinettenkonzert op. 21, das Oboenkonzert op. 37 wird von Gordon Hunt interpretiert. Owain Arwel Hughes leitet in allen drei Werken das Aalborg Symphony Orchestra. Ergänzt werden die zur Zeit des Zweiten Weltkrieges komponierten Konzerte durch das Chorwerk ´Beatus Parvo´ op. 117 nach dem 32. Psalm, hier singt der Chor der dänischen Nationaloper.

Das Klavierkonzert besteht aus zwei Sätzen – einem ´Molto moderato´ von 18 Minuten Dauer und einem deutlich kürzeren ´Molto allegro´. Aus der Perspektive des klassisch-romantischen Konzertes fehlt also der mittlere, meist langsame Satz. Auch im Klarinetten- und im Oboenkonzert griff Holmboe auf die Zweisätzigkeit zurück. Die harten, perkussiven Klänge des Klavierkonzertes erinnern bisweilen an Bartok, obwohl auch immer wieder Raum für lyrische Passagen ist. Die Instrumentation für Streichorchester und Pauken ist sparsam und durchsichtig, so daß der Solopart stets gut zur Geltung kommt. Ogawa versteht sich als zurückhaltende, feinnervige Interpretin, die auf übermäßigen Tastendonner verzichtet und so den poetischen Charakter des Werkes betont, vielleicht ein wenig überbetont. Das Orchester wird von Hughes solide zusammengehalten. Während der erste Satz noch gelegentliche Längen aufweist, ist der ´Molto allegro´- Schlusssatz ein unterhaltsamer Virtuosenritt für die jetzt auftrumpfende Solistin. Ohne Zweifel handelt es sich um eine gelungene Interpretation des Klavierkonzertes, das gattungstechnisch einen Spagat zwischen dem Klavierquintett und dem ´großen´ Klavierkonzert mit voll besetztem Orchester darstellt.

Das Klarinettenkonzert präsentiert sich deutlich kürzer, aber vor allem im ersten Satz mit mehr Pfiff. Fröst zieht hier alle Register seines Könnens und beeindruckt durch eine hochdifferenzierte Dynamik. Wiederum erlaubt es der durchsichtige Orchestersatz dem Solisten, seine Fähigkeiten voll auszuspielen. Anders als im Klavierkonzert verwendet Holmboe hier ein stärker besetztes Orchester. Der zweite Satz ist wiederum virtuos, bisweilen aber auch fröhlich und verspielt. In einer so ansprechenden Interpretation wie dieser durch Fröst und Hughes steht das Klarinettenkonzert Holmboes nicht weit hinter demjenigen Nielsens zurück. Abschließendes Werk dieser Konzert-Trilogie ist das Oboenkonzert, zeitlich in unmittelbarer Nähe zum berühmten Konzert von Richard Strauss entstanden. Das war es aber auch schon mit den Parallelen – Holmboe schrieb ein unbequemes, manchmal sperriges Werk, das sich für einen fähigen Solisten wie Hunt aber dennoch als dankbar erweist. Wie im Klarinettenkonzert ist der erste Satz etwa doppelt so lang wie der zweite, allerdings gibt es im Kopfsatz eine langsame Einleitung. Wie seine Kollegen Ogawa und Fröst kann sich auch Hunt als Solist auszeichnen; insgesamt hinterläßt das Klarinettenkonzert den überzeugendsten Eindruck.

´Beatus Parvo´, rund 30 Jahre nach den drei Konzerten entstanden, zeigt Holmboe von einer anderen Seite. Die Vergebungsthematik des 32. Psalms wird durch einen hellen, gelegentlich kargen Tonfall widergespiegelt, der Chor meistert die lateinischen Texte ohne Mühe. In den vier Sätzen ist das Orchester mehr als nur Begleiter des Chores, hat in kurzen Zwischenspielen Gelegenheit, sich in Szene zu setzen. Hughes hält die beiden Klangkörper souverän zusammen.
Diese CD beweist, wie viel die dänische Musik des 20. Jahrhunderts jenseits von Nielsen zu bieten hat. Holmboes enorme Vielseitigkeit und Produktivität machen ihn zu einem unbedingt hörenswerten Komponisten, vor allem das Klarinettenkonzert sei dem Hörer ans Herz gelegt. Klanglich gibt es keine Einschränkungen, zudem hat man sich beim schwedischen Label BIS erfreulicherweise auch um einen deutschen Booklettext gekümmert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Holmboe, Vagn: Concertos for Piano, Clarinet and Oboe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BIS Records
1
15.12.2004
78:06
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
7318590011768
bis501176


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Holmboe, Vagn
 - Konzert Nr. 1 für Klavier und Orchester op. 17 -
 - Konzert Nr. 3 für Klarinette und Orchester op. 21 -
 - Konzert Nr. 7 für Oboe und Orchester op. 37 -
 - Beatus Parvo für Chor und Orchester op. 117 -


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Dirigent(en):Hughes, Owain Arwell
Orchester/Ensemble:Aalborg Symphony Orchestra


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"Die Werke von Vagn Holmboe sind seit langem einer der Schwerpunkte bei BIS; mittlerweile sind 12 CDs mit Kompositionen des Dänen verfügbar. Neben der Symphonik galt Holmboes Liebe stets der Konzertform; nicht weniger als 21 Werke dieses Genres hat er - für unterschiedliche Besetzungen - geschaffen. Die drei hier veröffentlichten Konzerte hat er selbst als Kammerkonzerte bezeichnet."


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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