> > > Janácek, Leos: Suite & Idyll
Samstag, 25. Mai 2019

Janácek, Leos - Suite & Idyll

Nachbarschaftliches Streicherschaffen


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leoš Janáčeks Laufbahn als Komponist war das Gegenteil einer Blitzkarriere. Als er nach der Wiener Aufführung seiner Oper ´Jenufa´ 1918 über seine mährische Heimat hinaus bekannt wurde, war er bereits 64 Jahre alt. Im letzten Lebensjahrzehnt, wenn andere sich zur Ruhe setzen, hatte Janáček seine produktivste Phase: die Mehrzahl seiner Meisterwerke, darunter die ´Sinfonietta´, schrieb der Komponist nach jenem Wiener Durchbruch. Das heißt freilich nicht, das seine frühen Werke völlig belanglos sind; unter anderem für Streichorchester verfaßte er zwei originelle Kompositionen, die ´Suite´ (1877) und die ´Idylle´ (1878). Beide Werke bestehen aus einer relativ freien Folge von sechs (Suite) bzw. sieben (Idylle) Sätzen in meist zueinander kontrastierenden Tempi. Das Kammerorchester arcata Stuttgart hat die beiden Werke unter der Leitung von Patrick Strub eingespielt, dazu gesellen sich zwei Schöpfungen aus der Feder von Janáčeks ´Nachbar´ Dvořák: das ´Notturno´ op. 40 und zwei Walzer op. 54, ebenfalls Werke für Streichorchester.

Gleich im ersten Satz der Suite kann man dramatisches Potential erkennen, der spätere erfolgreiche Opernkomponist Janáček scheint sich hier schon anzukündigen. Trotz der Beschränkung auf Streichinstrumente handelt es sich um spannende, abwechslungsreiche Musik, die in den Mitgliedern des Kammerorchester engagierte Interpreten gefunden hat. Im zweiten Satz ertönen zarte, fast himmlische Klänge der Violinen im leisen pianissimo, das darauf folgende ´Andante con moto´ leitet zu einem ´Presto´-Abschnitt über, der sich für die Musiker als ausgesprochen dankbar erweist. Die gezielte Arbeit mit dynamischen und klanglichen Gegensätzen bestimmt weite Teile des Werkes; Strub überzeichnet diese Tendenz aber zu sehr, so daß die Suite in ihre Einzelteile zu zerfallen droht. Natürlich ist eine Suite schon an sich eine locker gefügte Form, in der keine hohe Einheitlichkeit besteht. Diese Interpretation läßt die Kontraste aber zu stark hervortreten, vor allem in den letzten beiden Sätzen. Rein technisch gibt es nichts auszusetzen, die Streicher spielen mit sicherer Intonation und Artikulation.

Für die ´Idylle´ gelten im wesentlichen die gleichen Kritikpunkte. Erfreulich, wenn durch die Koppelung dieser beiden Werke Janáčeks für Streichorchester die Vielseitigkeit des Komponisten nachgewiesen wird; Suite und Idylle sind trotz einiger Ähnlichkeiten individuelle Werke, keine Kopien voneinander. Weniger erfreulich hingegen die Tendenz dieser Einspielung, zweifelsohne vorhandene Gegensätze innerhalb eines Werkes stark zu überzeichnen. In Dvořáks ´Notturno´, einem charmanten einsätzigen Werk, kann das natürlich kaum passieren. Wie im Falle der beiden Walzer handelt es sich hier um nette Ergänzungen zu den Kompositionen Janáčeks. Sie haben allerdings noch nicht das hohe Niveau der späten Werke des Böhmen, etwa des Cellokonzertes oder der 9. Symphonie.
Zum Kennenlernen des frühen Janáček ist dies keine schlechte CD, die Interpretation dürfte aber nicht jedermanns Geschmack sein. Auch klanglich gibt es Einschränkungen, Celli und Bässe werden oft zugedeckt. Insbesondere von der Suite gibt es gelungenere Einspielungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Janácek, Leos: Suite & Idyll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
01.01.2005
61:13
2004
EAN:
BestellNr.:

881488402124
PH04021


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Dvorák, Antonín
 - Notturno, 2 Walzer -
Janácek, Leos
 - Suite & Idyll -


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Dirigent(en):Strub, Patrick
Orchester/Ensemble:Kammerorchester arcata Stuttgart


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"Zum Jubiläumsjahr der beiden Komponisten und zum Jubiläumsjahr des seit 20 Jahren bestehnden Kammerorchesters arcata Stuttgart eine frisch interpretierte Einspielung, die die Flexibilität dieses Kammerensembles unterstreicht."


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
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