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Samstag, 25. Juni 2022

Granados, Enrique - today playing his 1913 interpretations

Spiel wie von Geisterhand


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man kennt sie aus den Westernfilmen, die Klaviere in den Spelunken und Salons, deren Tasten wie von Geisterhand zu spielen beginnen – ohne Pianist, der sie bedient. Etwa das gleiche System darf sich der Hörer des vorliegenden Albums vorstellen: obwohl aus den heimischen Lautsprechern Klaviermusik ertönt, war ein Pianist für diese Aufnahme nicht zugegen gewesen. Bei Enrique Granados’ ’1913 interpretations’ handelt es sich um eine konservierte Einspielung des Komponisten selbst, die auf Tonrollen der Firma ‚M. Welte & Söhne’ aufgezeichnet worden war. Dem Label Tacet gaben die Welte-Mignon-Auzeichnungen Anlass zu einer neuen CD-Reihe.

Als Sensation gefeiert

Im Jahr 1904 sollte der Grundstein zum Siegeszug der patentierten Welte-Mignon-Technik gelegt werden. Ein von der gleichnamigen Firma entwickelter Apparat konnte mit Hilfe gelochter Papierrollen die Interpretationen der einzelnen Pianisten präzise und mit allen dynamischen Nuancen aufnehmen und authentisch wiedergeben. So renommierte Hersteller wie Steinway, Bechstein und Co ließen sich die Vorrichtungen – in mehreren Varianten – in ihre Instrumente einbauen. Der Boom dieser neuen Aufzeichnungsmöglichkeit dauerte etwa bis zum 1. Weltkrieg an. In den Folgejahren trug vor allem der veränderte Musikgeschmack dazu bei, dass das Welte-Mignon-Verfahren allmählich in Vergessenheit geriet.
Dank dieser aufwendigen Reproduktionsmechanik ist es heute möglich, einige Werke aus der Hand ihrer Schöpfers hören zu können. Auf einem modernen Steinway-Flügel hat sich jetzt Tacet den alten Tonrollen angenommen. Das Album ’1913 interpretations’ des gebürtigen Kataloniers Enrique Granados (1867-1916) enthält seine ‚Danzas españolas op. 37’ Nr. 5, 7 und 10, die ’Valses poéticos op. 10’, das ’Pièce de Scarlatti’ sowie jeweils den ersten Teil der ’Goyescas Nr. 1 – 4’.

Später Romantiker

Obwohl ein Komponist des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, blieb Enrique Granados in seinen Klavierwerken der Romantik treu. Erste Bekanntheit erlangte er mit den ’Danzas españolas op. 37’. Die auf diesem Album zu hörenden ’Danza triste’, ’Valenciana o Calesera’ und ’Andaluza’ aus den Jahren 1892 bis 1900 gehören der nicht allzu schweren Musikliteratur an. Granados trägt die Tänze mit beschwingter Leichtigkeit vor und vermittelt mit ihnen Bilder spanischer Lebensart. In Anlehnung an Schumanns Charakterstücke stehen die ’Valses poéticos op. 10’ (1893/94), in denen ebenfalls ein beflügelter, manchmal leicht melancholischer Ton dominiert.
Die am meisten gespielten Stücke sind bis heute die ’Goyescas’. Erstmals aufgeführt im Jahr 1911 gelten sie mit Bezug auf den Maler und Granados’ Landsmann Francisco José de Goya, den der Komponist sehr verehrte, als sein berühmtestes Werk. Die – wenn auch bei weitem nicht derart schaurig-direkte – Umsetzung der Bilder Goyas in Musik sah Granados als sein höchstes Ziel an. Entstanden sind expressionistische Stücke, die vor allem in ihren Rhythmen einen Vergleich mit einigen Werken Debussys zulassen. Auch die ’Goyescas’ interpretiert ihr Erfinder mit viel Ausdruck und Passion.

Anspruchvolles Drumherum

Ein reich bebildertes Booklet steht dem musikalischen Niveau in keiner Weise nach. Ausführliche Erläuterungen zur damaligen Wunder-Technik des Welte-Mignon ergänzen sich mit – wenn auch ungleich komprimierteren – Informationen zu Komponist und Werk. Das Ergebnis der neuen-alten Aufnahme besticht zudem durch erstaunlichen Raumklang. Nur bei großer Lautstärke, mit der Hintergrundrauschen hörbar wird, macht sich das hohe Alter der Tonrollen bemerkbar.
Angesichts der Tatsache, eine über 90-jährige Originalinterpretation des Komponisten selbst in mehr als nur annehmbarer Qualität zu hören, ist dieses Album nicht nur dem Liebhaber spanischer Tastenmusik zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Andrea Hampe Kritik von Andrea Hampe,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Granados, Enrique: today playing his 1913 interpretations

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
15.08.2004
Medium:
EAN:

CD
4009850013907


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Granados, Enrique


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Interpret(en):Granados, Enrique


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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