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Sonntag, 29. März 2020

Grappelli, Stéphane - Opportunity

Jazz-Grösse in Kurzfassung


Label/Verlag: Bella Musica
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‘If you don't get it, man, you ain't never gonna get it.’ So beschrieb Louis Armstrong die unabdingbare Grundvoraussetzung für einen Jazz-Musiker: Das direkte, unmittelbare Verständnis für den Jazz.
Stéphane Grapélli (1908-1997) ‘certainly got it’ – er hat diese Musik sicher schnell begriffen, sonst wäre er nicht in der Lage gewesen, einer der besten Jazz-Violinisten der Welt zu werden. Mit zwölf Jahren bekam er seine erste Geige und lernte das Spielen autodidaktisch (wie später übrigens auch Klavier). 1934 gründeten Grapélli und der Gittarist Django Reinhardt den legendären ‘Hot Club de France’, das erste europäische Jazz-Ensemble, das auch international für Furore sorgte. Nach der kriegsbedingten Trennung der Gruppe konnte Grapélli nicht an seine alten Erfolge anknüpfen; erst ab Ende der 1960er zeichnete sich ein Comeback und schließlich eine Art ‘zweiter Karriere’ ab, in deren Verlauf sich der französische Geiger einen festen Platz in der Jazz-Öffentlichkeit verschaffte. Neben Aufnahmen mit Jazz-Größen wie Oscar Peterson arbeitete Grapélli in den 1970ern auch mit dem klassischen Geiger Yehudi Menuhin zusammen.

Grapélli ‘singing’, Gustin ‘swinging’

Entstanden sind die Aufnahmen auf dieser Platte in zwei Sessions 1973 und 1979, stammen also aus Grapéllis zweiter großer Schaffensphase. Hier spielt er mit einer Quartett-Besetzung Selbstgeschriebenes und Kompositionen des französischen Pianisten Gérard Gustin (der auch den Piano-Part übernimmt). Grapéllis eigene Werke sind von einem balladenhaft-lyrischen Ton, während Gustins Stücke in ihrer sparsamen Motivik eher zum Bebop bzw. Cool Jazz neigen und auch gleichzeitig rhythmisch vorantreibender, ‘swingender’ sind.
Akustisch lässt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Sessions feststellen, da die ersten sechs Tracks (von 1973) mit etwas viel Hall bearbeitet wurden, durch den sich der Klang streckenweise künstlich anhört. Die übrigen acht Tracks wirken mit ihrem Studio-Sound im Vergleich wesentlich natürlicher.
An Grapélli als Geiger ist technisch nichts auszusetzen; er ist ein virtuoser Violinist und besitzt eine saubere Technik und Intonation; insbesondere die Flageoletts sind beeindruckend klar. In seinen Improvisationen kommt neben der Virtuosität das Lyrische deutlich zur Geltung. Mit dem Ensemble musiziert Grapélli kongenial, wobei besonders Gérard Gustin hervorzuheben ist, dessen trockene Schnörkellosigkeit im Spiel eine ideale Ergänzung zu Grapéllis improvisatorischem Einfallsreichtum ist.

Kurz=Kurzweilig?

Es handelt sich um ein durchaus abwechslungsreiches und kurzweiliges, aber auch relativ kurzes Album (ca. 35:30 min). Die einzelnen Tracks sind im Schnitt zweieinhalb Minuten lang (oder eben: kurz), wobei manches Stück doch abrupt zu enden scheint und sich eher nach einer ‘Kurzfassung’ anhört. Insgesamt ist für Grapélli-Fans, insbesondere wegen des Zusammenspiels mit Gérard Gustin, diese Platte sicherlich empfehlenswert. Alle anderen sollten sich aber die Anschaffung überlegen, zumal hier nur ein schlaglichtartiger Ausschnitt aus der vielseitigen Karriere von Stéphane Grapélli wiedergegeben ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Helmut Strauss,


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    Grappelli, Stéphane: Opportunity

Label:
Anzahl Medien:
Bella Musica
1
Medium:

CD


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Grappelli, Stéphane
Gustin, Gérard


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Interpret(en):Grappelli, Stéphane
Gustin, Gérard
Sewing, Jack
Cavallaro, Armand


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Bella Musica

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