> > > Mompou, Federico: Werke für Gitarre
Sonntag, 25. September 2022

Mompou, Federico - Werke für Gitarre

Stilfremd


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein wenig irreführend ist er, der Titel der neuen CD aus dem Hause musicaphon im Vertrieb des renommierten Klassik Centers Kassel. Der suggeriert nämlich, es handele sich bei der Einspielung mit dem hochgelobten Gitarristen Maximilian Mangold um einen Ausschnitt aus dem Gitarrenwerk Mompous. Dies ist aber nur zum Teil richtig. Das von Mompou selbst für Gitarre komponierte Stücke auf der CD ist die ‚Suite Compostelana’, die Mompou dem spanischen Gitarrenvirtuosen Andrés Segovia widmete. Daneben stammt die Transkription der Klavierstücke ‚Cançó i dansa’ Nr. 13 aus Mompous Feder. Alle anderen Stücke aus dem berühmten Klavierzyklus ‚Cançons i danses‘ des katalanischen Meisters wurden von dem Komponisten Jörg Falk besorgt.

Mut zu Ecken und Kanten

Vor allem in der Interpretation der ‚Suite Compostelana’ kommen die Fähigkeiten Maximilian Mangolds voll zur Geltung. Sein Spiel zeichnet sich durch einen ausgesprochen transparenten und klaren Klang aus, der vor allem von der Technik der linken Hand und dem Mut zu Ecken und Kanten profitiert. Damit wird er auch der erweiterten, streckenweise sogar dissonanten Harmonik gerecht, die Mompou als Vertreter der musikalischen Moderne auszeichnet.
In der möglichst genauen Übernahme und Paraphrasierung dieser Tonsprache zeigt sich auch die Genauigkeit und das Gespür, mit dem Jörg Falk sich mit der Musik Mompous auseinandergesetzt und für die Gitarre umgesetzt hat.

Verunklärt

Leider wird der Eindruck der Transkriptionen in der Interpretation Mangolds verunklärt, wenn er sich den klar strukturierten Stücken Mompous mit technischen Elemente des Flamenco-Spiels wie ‚Rasgueados‘ nähert. Bei der Suite Compostelana , die für einen Virtuosen des Flamenco-Spiels entstand, sind diese selbstverständlich angebracht und von Mompou gefordert. Im Zyklus Cançons i danses, der sich explizit mit der katalanischen Volksmusik der Heimat Mompous auseinandersetzt, sind diese ein Fremdkörper und harter Stilbruch. Ein Blick in die Partitur der Transkriptonen zeigt auch, dass solche Elemente nicht von Falk und erst recht nicht von Mompou gefordert wurden. Mangold überträgt in seiner Einspielung Spielanweisungen aus der Suite in die gewissenhafte Arbeit Jörg Falks und wird in diesem Punkt weder Mompou noch der Transkription gerecht. Es ist klar das mehr als vierstimmige Akkorde einen Gitarristen vor die Frage stellen, wie diese zu spielen sind. Ein ‚Rasgueado’ ist nicht die einzige Möglichkeit, die sich dem Gitarristen bietet und sollte nur im Einklang mit Stil und Intention des Werkes gebraucht werden.

Das Kreuz mit der Rechtschreibung

Gänzlich unbefriedigend sind Booklet und Beschriftung der CD, in denen Mompou in der zwangshispanisierten Form der Franco-Zeit Federico anstatt richtig Frederic genannt wird und sich bezüglich katalanischer Titel und Zitate die Fehler nur so tummeln und sich geradezu fantastische Mischformen aus gleich mehreren romanischen Sprachen ergeben haben. Da wäre eine sorgfältigere Quellenauswahl ratsam gewesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mompou, Federico: Werke für Gitarre

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Musicaphon
1
14.10.2004
61:17
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4012476568539
MUS556853


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Mompou, Federico
 - Cançion y danzas -
 - Suite Compostelana -


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Interpret(en):Mangold, Maximilian


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"Über bisherige Einspielungen von Maximilian Mangold schrieb die Presse: Englische Gitarrenmusik (MUS 556824): ?...eine der interessantesten Aufnahmen des Jahres? (Gitarre& Laute) Hans Werner Henze - Royal Winter Music (MUS 555711): ?Bei Mangold stimmt einfach alles... plastische Bilder, .? (Klassik Heute) ? ?Eine neue Referenzeinspielung: technisch brillant, mit warmer und flexibler Tongebung und viel Sinn für dynamische Feinheiten.? (Fono Forum 5/00). Spanische Gitarrenmusik von Federico Moreno Torroba (MUS 556833): ?...Sein Spiel strahlt größere Sinnlichkeit aus, Lust am Klang, Lust an Gitarre pur!? (Gitarre & Laute) Meisterwerke der klassischen Moderne (MUS 556846); Stern des Monats im Fono Forum 10/2003: ?Mit seiner schlanken und klaren Tongebung, einem deutlichen klanglichen Herausstellen der jeweiligen kompositorischen Elemente und einer lässigen Virtuosität wird Mangold den Kompositionen ideal gerecht. Seine Mischung aus Klarheit und Wärme der Interpretation und konzeptionell durchdachten CDs gibt ihm einen unverwechselbaren Stil und weist ihn als einen der im Augenblick künstlerisch interessantesten deutschen Gitarristen aus.? (Fono Forum) "


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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