> > > Ančerl, Karel: Gold Edition, Nr. 33: Gustav Mahler
Samstag, 24. Oktober 2020

Ančerl, Karel - Gold Edition, Nr. 33: Gustav Mahler

Zuwenig ausgeschlachtet


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Mahler-Interpretation, die Einsteiger meiden sollten und die Liebhaber verwundern wird, aber vielleicht doch manchen Zuspruch finden könnte.

Karel Ancerl und seine Tschechische Philharmonie gehören bei gewissen Werken sicherlich zur Referenz. Janácek möchte man da etwa nennen oder eine Vielzahl der weniger geläufigen tschechischen Komponisten und so scheint es Supraphon auch nicht schwer zu fallen, die immense Ancerl Gold Edition mit vielen Werken zu füllen. So entdeckt man auch gängige Repertoirewerke, die dank Ancerl und der Spielkultur seiner Tschechischen Philharmonie Neues enthalten können, oder aber einfach zum eher selten mitreißenden Mittelfeld gehören. So auch die vorliegende 9. Sinfonie von Gustav Mahler.Mehr Feuer bitteAn den Tempi mangelt es nicht sosehr in dieser Aufnahme, es ist vielmehr der etwas unterkühlte, ja ausgebremste Geist dieser 9., der bisweilen Vieles zu leicht nimmt und unausgeschöpft lässt. Das wilde, fratzenhafte Scherzo etwa zeigt sich oftmals von einer zu braven Seite, eher zahnlos klappern die symphonischen Fratzen ungefährlich, kein skurriler Kirmesmusiktaumel vermag sich einzustellen. So auch im Kopfsatz: wie ein misterioso vollziehen sich die ersten Takte, kommen aber über ein mäßig mitreißendes Entwicklungsstadium nicht hinaus. Hier ein wenig mehr Flexibilität, dort ein wenig mehr Feuer hätte es schon sein können.

Nichtsdestotrotz wirkt diese Musik natürlich, auch in dieser abgespeckten Version, und kann auch Klänge zeigen, die vielleicht manches Mal in verschlingender Emphase anderer Dirigenten untergehen. Aber das scheint mehr ein angenehmer Nebeneffekt zu sein, denn durchweg überzeugend und spannend erzählt sind leider nur wenige Momente dieses Mahlers, zuviel Überlegung, bzw. Überlegung, die in mangelnde Spontaneität abgleitet, verträgt diese Musik nicht.

Orchesterkultur

Überzeugend ist hier jedoch, wie eigentlich in fast allen Ancerl-Aufnahmen, seine scheinbar selbstverständliche Klangkultur, die er in die Tschechische Philharmonie gepflanzt hat und die keineswegs als historisch selbstverständlich zu betrachten wäre. Kompakter Streichersound und stimmliche Ausgewogenheit prägen die großen Momente des Adagio-Finales, auch die Bläser sind auf dem Weg zu großer Homogenität, abzuziehen sind nur die eingangs erwähnten Abstriche für Mahlers Geist. Der stärker vibrierende Ton vor allem der Blechbläser gehört natürlich zu Geschichte und Lokalkolorit des Orchesters, scheint sich aber auch nicht so ganz mit dieser 9. vereinen zu wollen. Eine Mahler-Interpretation, die Einsteiger meiden sollten und die Liebhaber verwundern wird, aber vielleicht doch manchen Zuspruch finden könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ančerl, Karel: Gold Edition, Nr. 33: Gustav Mahler

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
13.09.2004
Medium:
EAN:

CD
0099925369323


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Mahler, Gustav


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Dirigent(en):Ančerl, Karel
Orchester/Ensemble:Czech Philharmonic Orchestra


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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