> > > Bliss, Sir Arthur: A Colour Symphony
Dienstag, 30. November 2021

Bliss, Sir Arthur - A Colour Symphony

Der englische Strawinsky


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dass England an großen Komponisten keine derartige Vielzahl aufweisen kann wie Deutschland, Frankreich oder Italien, jedoch in seiner Musikgeschichte mit Vorliebe begabte Tonsetzer vom Festland importierte, ist weitgehend bekannt. Die Komponisten, die außer Purcell, Britten und Elgar in Großbritannien gewirkt haben, fristen hingegen überwiegend ein unbekanntes Dasein. Da fallen einem vielleicht noch die Namen Byrd oder Williams ein. Arthur Bliss wohl eher nicht. Diesem von 1891-1975 lebenden Komponisten hat das Label Chandos nun eine eigene CD gewidmet, auf der seine Colour Symphony, die Szene ‚The Enchantress’ für Contraalt und Orchester und das Cellokonzert eingespielt sind.
Der in London geborene Arthur Bliss lernte bei Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams und Charles Villiers Stanford komponieren. Anschließend erzielte er seinen durchschlagenden Erfolg in England und den USA mit der 1921/1922 entstandenen Colour Symphony. Stationen seiner Karriere waren 1942-44 Director of Music der BBC, sein Ritterschlag 1950 und 1953 die Ernennung zum ‚Master of the Queen´s Music’. Als Komponist bediente er nahezu alle Genres, vom Solokonzert bis zu Fernsehoper und Filmmusik. Deutsch-österreichische Einflüsse meidend, orientierte sich Bliss stilistisch vor allem an Strawinsky und den französischen Musikern.

Schillernde Farbigkeit, Zauberei und Virtuosenkunst

Ein Buch über Wappenkunde und den symbolischen Gehalt von Farben inspirierte Bliss zu dem ersten Werk dieser CD, der Colour Symphony. Jeder Satz wird einer Farbe und ihrer Bedeutung gewidmet: Purpur, nach Bliss die ‚Farbe der ‚Amethyste, Prunk, Königswürde und Tod’, erinnert musikalisch an eine würdevolle Prozession. Das impulsive Rot, als ‚Farbe der Rubine, von Wein, Festlichkeit, Mut und Zauberei’ lässt mit seinen Energieausbrüchen Anklänge an Strawinskys ‚Sacre du printemps’ durchscheinen. Im Gegensatz dazu steht der nachdenkliche blaue Satz - ‚Farbe von Saphiren, von tiefem Wasser, Himmel, Treue und Melancholie’ - mit flirrenden Holzbläsersoli à la Debussy. Das Grün als ‚Farbe von Smaragden, von Hoffnung, Jugend, Freude, Frühling, Sieg’ beschließt die Sinfonie mit einer heiteren Doppelfuge.
Das Ulster Orchestra aus Belfast musiziert unter Vernon Handley hervorragend transparent mit gekonnten dynamischen Kontrasten. Sehr stille, lyrische Passagen überzeugen ebenso wie die temperamentvollen Kulminationspunkte. Besonders hervorzuheben sind die sanften, sauber intonierten Bläser-Arabesken im dritten Satz, welche gelegentlich Unschärfen in den Streichern wieder wettmachen.

Die Szene ‚The Enchantress’ (‚Die Zauberin’) von 1951 schrieb Bliss für Kathleen Ferrier auf den Text der 2. Idylle von Theokrit. Simaetha versucht hier, letzten Endes erfolgreich, ihren Geliebten Delphis mit Hilfe von Zauberei zurück zu gewinnen. Bliss vertonte die Zorn- und Rachegedanken Simaethas mit dissonanten Klängen und chromatischen Linien, aber auch klagenden Soli der Bläser. Auf der vorliegenden CD singt die Schottin Linda Finnie einen überaus furiosen Solopart, der trotz der tiefen Lage nie im Orchester zu versinken droht. Dieses hält sich, da wo es soll, angemessen im Hintergrund, was eine gute Balance ergibt. Die Präzision des Klangkörpers hinsichtlich Intonation und Zusammenspiel hingegen fällt, verglichen mit der Sinfonie, leider um einiges ab, dem Solopart allein wird das Glänzen überlassen.

Das letzte Stück, Bliss´ Cellokonzert, komponierte der Engländer 1970 auf Anregung von Mstislav Rostropowitsch, dem das Werk ‚in Bewunderung und Dankbarkeit’ gewidmet ist. Unter der bescheidenen Bezeichnung concertino von seinem Widmungsträger und dem English Chamber Orchestra unter Benjamin Britten uraufgeführt, wurde es anschließend auf die Bitte Brittens hin in Konzert umbenannt. Dieser Titel scheint der höchst virtuosen Solostimme angemessener. Ganz traditionell in drei Sätze gegliedert, beginnt der energische erste Satz mit einem robusten Thema, das durch weite Intervallsprünge charakterisiert ist. Die Triolenbewegungen des zweiten Satzes lassen an ein schwermütiges Wiegenlied denken, welches mit dem stürmischen, durch schnelle Taktwechsel gekennzeichneten Finale kontrastiert.
Solist der vorliegenden CD ist Raphael Wallfisch. So gesanglich einige Passagen im zweiten Satz von ihm vorgetragen werden, so meistert er einen Großteil der raschen Läufe und Sprünge in den Ecksätzen nur annähernd befriedigend. Von Leichtigkeit und Transparenz spürt man bei diesem, kompositorisch überaus komplexen Werk zu wenig. Mit seinem klaren und durchdringenden, gelegentlich ins nasale tendierenden Timbre setzt sich das Solocello immerhin auffällig vom aufmerksam begleitenden Orchester ab.

Das sehr informative, mehrsprachige Booklet enthält neben Werkbeschreibungen und Vitas der Interpreten, den übersetzten Theokrit-Text. Insgesamt eine Aufnahme, mit der die Intention Vernon Handleys, britische Musik bekannter zu machen, wieder ein Stück mehr realisiert wurde. Für jeden, der neugierig auf den kontinental orientierten Modernisten Bliss geworden ist eine empfehlenswerte Neuentdeckung abseits vom klassischen ‚Mainstream’.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Caroline Spandau,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bliss, Sir Arthur: A Colour Symphony

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
01.04.2012
Medium:
EAN:

CD
0095115122129


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Bliss, Sir Arthur


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Dirigent(en):Howarth, Richard
Kok, Felix
Handley, Vernon
Orchester/Ensemble:Ulster Orchestra
Interpret(en):Finnie, Linda
Wallfisch, Raphael


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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