> > > Hosokawa, Toshio: Deep Silence
Donnerstag, 29. Oktober 2020

Hosokawa, Toshio - Deep Silence

Der Weltraum, unendliche Weiten ...


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Meine Musik ist Schriftkunst, gemalt auf dem freien Rand von Zeit und Raum. Jeder einzelne Ton besitzt eine Form wie eine Linie [...], die mit dem Pinsel gezogen wird. Diese Linien werden auf eine Leinwand des Schweigens gemalt', sagt der Komponist Toshio Hosokawa über seine Musik. Dies beschreibt sein Konzept sehr treffend. Die Klänge scheinen aus dem Nichts zu kommen, schwellen harmonisch an, scheinen zeitweise einzufrieren, wieder aufzutauen und in das Nichts zurückzufließen. Die Klangflächen spiegeln die unendlichen Weiten des Weltenraums wieder. Eine unendliche leere des Schweigens mit wenigen Welten dazwischen, die als Melodien und Muster auftauchen und wieder verschwinden.

Legen Sie alles ab

Um diese Musik hören oder gar genießen zu können, muss man viele Hörgewohnheiten ablegen, die man europäischer Musik zurechnet. Hosokawas Kompositionen stammen aus der traditionellen japanischen Hofmusik, dem 'Gagaku'. Diese Musik ist 'anders' und das liegt zu aller erst an der Instrumentalisierung:
Das in der Konzept-Reihe von Wergo publizierte Album wurde eingespielt von Mayumi Miyata und Stefan Hussong. Sie sind zwei der bedeutendsten Interpreten von Hosokawas Musik

Mayumi Miyata studierte 'Gagaku' und tritt seit 1979 im japanischen Nationaltheater auf. Ihr Instrument, das 'Sho' (Instrument des Universums, der Tradition), ist eines der ältesten japanischen Instrumente. Auf ihre Initiative hin entstanden durch namhafte Komponisten die ersten Stücke der Neuzeit für dieses altertümliche Instrument. Es ist ein Blasinstrument, dessen Klangursache die freischwingende oder durchschlagende Metallzunge ist. Dieses Klangerzeugungs-Prinzip wurde in China etwa 2700 Jahre vor Christus zum ersten Mal erwähnt und ist dort mit dem Instrument 'Sheng' verbunden, welches man in Japan als 'Sho' kennt. Das 'Sho' ist eine Art Mundorgel, deren Klänge durch das einsaugen oder ausblasen der Luft dauerhaft gehalten werden können.
'Wenn die sho zu spielen anfängt, breitet sich ihr Klang aus und füllt den ganzen Raum, und man weiß nicht, woher die Töne kommen.' Einen ähnlichen Klangeffekt, wie der des 'Sho', erreicht das europäische Akkordeon (Instrument des Menschen, der Gegenwart); nur tiefer, voller und bedrohlicher füllt Stefan Hussong die Klangzwischenräume im mittleren Stück des Albums. Er ist Professor für Akkordeon und Kammermusik an der Musikhochschule Würzburg. Das mittlere Stück ist wie das Zweite und das Vorletzte eingrahmt von traditionellen Solostücken des 'Sho', welche die vier Jahreszeiten verkörpern.

Gradwanderung zwischen Zeiten und Kulturen

Die Kombination des höfischen 'Sho' und des modernen Akkordeons, ein Instrument niederer Schichten, kennzeichnet Hosokawa´s Gradwanderung zwischen Zeiten und Kulturen:

'Ich sehne mich stark nach Europa [...], aber gleichzeitig empfinde ich mich der japanischen Tradition zugehörig und schaffe meine Musik auf der Grundlage der langen kulturellen Traditon Japans. Hier leigen meine geistigen und psychischen Wurzeln.'

Die Ästhetik seiner Musik ist ein unbeschreibliches Erlebnis aus Dynamik und Stillstand. Es braucht Zeit, um sich an sie heranzutasten, ihre Sprache zu erlernen. Denn von europäischer Musik geprägten Ohren will sie sich nicht sofort preisgeben. Die ersten Durchläufe könnten durchaus als anstrengend beschrieben werden. Man fühlt sich an Klangteppiche aus Kubriks Film ‘2001 – Odyssee im Weltraum’ erinnert, nur dauern sie nicht Minuten sonder eine Stunde und fast 17 Minuten an. Monotonie der Tonlage und Stille sind die bedeutendsten Stilelemente. Der hörbare Klang steht in Beziehung zum Schweigen. Öffnet man seine Ohren für die rhythmischen Proportionen, erkennt man das Potenzial der Entspannung, die die Harmonien bieten. Sie sind an die Atemlehre der Zen-Meditation mit ihrem sehr langsamen Ausatmen und ihrem sehr langsamen Einatmen angelehnt: 'Jeder Atemzug beinhaltet Leben und Tod, Tod und Leben.'

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von ,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hosokawa, Toshio: Deep Silence

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.09.2004
Medium:
EAN:

CD
4010228680126


Cover vergössern

Hosokawa, Toshio


Cover vergössern

Interpret(en):Miyata, Mayumi
Hussong, Stefan


Cover vergössern

WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag WERGO:

blättern

Alle Kritiken von WERGO...

Weitere CD-Besprechungen von :

blättern

Alle Kritiken von ...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Tapferer Ritter mit schwächelnder Armee: Sehr gute Solisten, allerdings ein nur mittelprächtiges Orchester lassen diese Aufnahme des 'Don Quixote' von Richard Strauss insgesamt etwas blass wirken. Die Romanze für Cello und Orchester gelingt hingegen einwandfrei. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Altbekanntes: Mit dem vorgestellten Repertoire tut sich die Sopranistin Eva Resch nicht unbedingt einen Gefallen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Beethovens Mandolinist: Der Italiener Bartolomeo Bortolazzi inspirierte Beethoven und Hummel zu Werken für Hammerklavier und Mandoline. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georg Schumann: 6 Fantasien für Klavier op. 36 - Marsch - Alla marcia

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich