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Donnerstag, 29. Oktober 2020

Klein, Juliane - mit - gehen - fünfgezackt in die hand - aus der wand die rinne - suite

Von der Stille und dem Nichts


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‘Wenn wir in ein Konzert gehen, wollen wir Unzerstörbares hören. Gerade beim Aufhören von Musik höre ich Un-Aufhörlichkeit, höre ich, dass Musik weitergeht’, hat Komponistin Juliane Klein einmal gesagt. In den Werken der Lachenmann-Schülerin nimmt die Stille einen besonderen Stellenwert ein. Die moderne Kammermusik wird nicht selten mitten im Stück von Generalpausen geprägt, die wichtige Schlüsselstellen für das Ohr werden können. Sicher eine Philosophie, die sich erst nach längerer Beschäftigung mit ihren Stücken erschließt. Dann kann man den Klängen auch in der Stille weiter folgen.
Für eine wiederholte Beschäftigung mit ihren Kompositionen bietet dieses Album wohl die einzige Möglichkeit. In den Konzerten und Aufführungen der 38-jährigen Berlinerin zeigt sich die Interpretationsfähigkeit ihrer Stücke, die sich Routine entziehen und niemals einmal wie zuvor klingen.

Auch die Stille braucht ihre Zeit

Die teils wirren aber niemals zufälligen Klangbilder äußern sensible Zurückhaltung ebenso wie rüdes, manchmal hektisches Voranpreschen, was unschlüssig wirkt. Die fünf Stücke beziehen ihren Charakter gezielt aus Dissonanzen, was zusammen mit der tastenden, bisweilen fiebrigen Suche nach gestischen Ausdrucksspielraum unumgänglich zu gewöhnungsbedürftigen Hörerlebnissen führt. Hier hilft ein entsprechend geschultes Ohr und die intensive Beschäftigung mit dem musikalischen Material, das sich über 66 Minuten erstreckt. Instrumental ist es so oder so herausragend gesetzt; mit Oboe, Percussion, Klavier Akkordeon, Violoncello, Violine und Klarinette; hier interpretiert von hochkarätigen Solisten und dem selbstgegründeten ‘Kammerensemble Neue Musik Berlin’. Den Zauber dieser Portrait-CD, deren Arbeiten zwischen 1996 und 2003 entstandenen, fassen letztendlich am besten die Worte der Künstlerin selbst zusammen:

‘Die geistige Vorstellung von Musik, das, was vor der Partitur da ist, das Nachdenken darüber, das findet nicht in 5 Notenlinien auf A4 Blättern statt, mit Taktstrichen durchzogen. Das ist nur unsere europäische Form, Musik aufzuschreiben. Gedanken laufen jedoch anders: weitaus komplexer, reicher, mit grenzenlosen Möglichkeiten.’

Und trotz der grenzenlosen Möglichkeiten hat sie bei Helmut Lachenmann im dreijährigen Aufbaustudium der Komposition genau das gelernt, vor dem sie sich versucht hat zu drücken – ihre Musik für die Nachwelt auch aufzuschreiben. Das Album erscheint beim Label Wergo in der Edition Zeitgenössische Musik, die seit 1986 der Deutsche Musikrat herausgibt. Ihre Musik wurde bereits in der Berliner Philharmonie und dem dortigen Konzerthaus, der Niedersächsischen Staatsoper Hannover oder bei ‘Feldtmann kulturell’ in Hamburg aufgeführt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klein, Juliane: mit - gehen - fünfgezackt in die hand - aus der wand die rinne - suite

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.09.2004
Medium:
EAN:

CD
4010228655926


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Klein, Juliane


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Dirigent(en):Rundel, Peter
Interpret(en):Morikawa, Eiko
Bauer, Thomas E.
Thierbach, Antje
Krause, Ralph-Raimund
Botchkovskaia, Julija
Rothbrust, Dirk


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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