> > > Reger, Max: O Tod, wie bitter bist du
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Reger, Max - O Tod, wie bitter bist du

Reger integer


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‚Die Protestanten wissen nicht, was sie an ihrem Chorale haben’. Was Max Reger 1898 gesagt haben soll, kann heute ruhig wiederholt werden: sie wissen immer noch nicht, vielleicht auch nicht mehr, was sie an ihrem Choral haben. Ein Blick in die revidierten Ausgaben des evangelischen Gesangsbuchs genügt, um Regers Aussage bestätigt zu bekommen. Nicht nur scheinen die evangelischen Gemeinden, dank seicht, aber munter drauflosflötender Protagonisten einer neuen Musikbewegung in der Kirche, immer mehr ihre liebe Not mit den traditionellen Kirchenliedern zu haben, noch dazu tun sich immer noch viel zu viele Kantoreien und Kirchenchöre schwer mit der Chormusik Max Regers. Zu verkopft, zu chromatisch, ein ins Monumentale verzerrter Abklatsch Bachscher Chorsätze – das sind nur ein paar der gängigen Vorurteile. Damit könnte der NDR Chor Hamburg unter Hans-Christoph Rademann aufräumen. Bei Carus sind mustergültige Aufnahmen geistlicher Chormusik von Reger erschienen.

Sich Zeit nehmen

Max Reger hat für die ‚Acht geistlichen Gesänge’ Op. 138 aus dem Jahr 1914 und die ‚drei Motetten’ Op. 110 von 1909/10 und 1912 eine eng am Text orientierte Aussage geschaffen und sie in vollendeter harmonischer Ausgewogenheit gestaltet. Es gilt, sich der Musik anzunehmen, sich Zeit zu nehmen für die Klänge und Harmonien. Der NDR Chor bietet einen ungemein runden Klang, homogen in allen Stimmen und doch luftig und transparent genug, um das polyphone Gefüge der Kompositionen Regers hörend nachzuvollziehen zu können. Die geforderte Akribie der Agogik und Dynamik in den Gesängen gerät für den NDR Chor zu einem meisterlichen Kunststück fließender Übergänge und logisch geformter Phrasierung. Hans-Christoph Rademann lässt den Chor in bestechender Textverständlichkeit intonieren, hält zugleich ein überbordendes Vibrato im Zaum und seziert die jeweiligen Führungsstimmen in der Textur heraus, um sie aus dem Gesamtgefüge dann herauszulösen, wenn es die Logik der Komposition verlangt. Großbogiges Abphrasieren lässt den Eindruck von nahezu instrumentaler Geschlossenheit entstehen. Der Ton ist sauber und tiefengestaffelt. So muss ein a-Capella-Chor aufgezeichnet werden.

Eine Referenzaufnahme, nicht nur eine, die Max Reger zur Ehre gereicht, sondern überdies ein wichtiges Dokument und Plädoyer für die Förderwürdigkeit und Erhaltung der Rundfunkchöre in diesem Land. Empfehlenswert!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: O Tod, wie bitter bist du

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
15.07.2004
57:42
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350831544
Carus 83154


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Reger, Max
 - Acht geistliche Gesänge op. 138 -
 - Drei Motetten op. 110 -


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Dirigent(en):Rademann, Hans-Christoph


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"Bei seiner Beschäftigung mit der Chormusik dienten Max Reger nicht zuletzt Bachs Motetten als großes Vorbild. Vor allem die ersten beiden der dem Leipziger Thomanerchor gewidmeten Drei Motetten op. 110, mit ihren dichtgearbeiteten Doppelfugen, stellen eine extreme Herausforderung an die Chorsänger dar. In den Acht geistlichen Gesänge op. 138 zeigt sich hingegen Regers Meisterschaft des schlichten Satzes – eine meisterhafte „neue Schlichtheit“, mit welcher der Komponist den Bogen zurück zu seinen früheren Chorwerken schlägt. In mustergültiger Weise bewältigt der NDR Chor unter Hans-Christoph Rademann sowohl die außerordentlichen Anforderungen der motettischen Sätzen Regers, als auch die differenzierte Umsetzung des verfeinerten Klangbilds der schlichteren Chorgesänge."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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