> > > Schumann, Robert: Sämtliche Werke für Violine und Piano
Donnerstag, 27. April 2017

Schumann, Robert - Sämtliche Werke für Violine und Piano

Grossartige Neuentdeckung


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schumanns Werke für Violine und Pianoforte: Eher unbeachtet fristen sie völlig zu unrecht ein Dasein irgendwo zwischen ‘sehr speziell’ und ‘unausgeglichen’. Warum? Weil die verschiedenen Stücke, auf modernen Instrumenten gespielt, schnell ihre Wirkung verlieren und alles andere als differenziert klingen. Dazu muss man sich die Entwicklung des Instrumentenbaus anschauen und sehen, dass vor allem im Klavierbau des 20. Jahrhunderts immer noch größer und lauter gebaut wurde, schließlich wollten ja auch immer mehr Menschen die Musik hören. Aus kleinen kammermusikalischen Kreisen wurden gewaltige Konzertsäle und auf einmal spielte man auf Steinways, die allein durch ihr äußeres Erscheinungsbild eine Geige zum verstummen bringen konnten. Versucht man jetzt auf einem solchen Instrument die Duos für Violine und Pianoforte zu spielen, so wie es seinerzeit Joseph Joachim und Clara Schumann taten, so kann das Ergebnis nur unbefriedigend ausfallen. Denn wenn sich der Pianist an jedes Forte und Fortissimo hält, zwingt das die Geige zum ständigen Forcieren, will man der Violine alle gestalterischen Feinheiten zugestehen, kommt das Klavier über ein verhaltenes Mezzoforte nicht hinaus. Es zwängt sich also die Frage nach den ursprünglichen Bedingungen auf, der ‚historischen Aufführungspraxis’, wie es heute so gerne heißt.

Im konkreten Fall der Schumann-Duos bedeutet dies, nicht nur einen bestimmten Flügel zu verwenden, sondern individuell für jedes Stück nach dem Instrument zu suchen, welches dem Originalklang am nächsten kommt. Gleich drei sind es auf der vorliegenden Aufnahme. Und natürlich ist die Geige mit Darmsaiten bespannt. Dabei sind sich Lisa Marie Landgraf (Violine) und Tobias Koch (Pianoforte) durchaus bewusst, dass eine hundertprozentig originale Rekonstruktion der Musik zur Zeit Schumanns unmöglich ist. Sie versuchen vielmehr, einen eindeutigen interpretatorischen Standpunkt zu etablieren, der beiden Instrumenten die Entfaltungsmöglichkeiten bietet, die ihnen in der Partitur zugedacht sind.

Vorgenommen haben sie sich nicht weniger als Schumanns komplette Duos für Violine und Pianoforte und das Ergebnis ist wahrlich eine Offenbarung. Ohne jeden Kitsch und ohne jedes unangebrachte Quäntchen überflüssiger Romantik spielen die beiden Musiker das Repertoire lyrisch verträumt und in vollkommener Ausgewogenheit. Der Klavierpart, der von Schumann nicht gerade schlicht gestaltet wurde, kommt durch die verwendeten Instrumente voll zur Geltung und muss sich nicht zurücknehmen. Die Violine indes singt jede Melodie mit wunderschönen Phrasierungen. Der Griff zu historischen Instrumenten und einer damit verbundenen Interpretation hat hier mehr denn je seine Berechtigung und sogar Notwendigkeit. Diese Einspielung ist ein echter Gewinn, auch wenn sich manches schönklanggewöhnte Ohr vielleicht erst an das musikalische Erscheinungsbild gewöhnen muss. Aber die Entdeckung lohnt sich.

Das äußerst umfangreiche Booklet erläutert zudem die Probleme und Chancen der historischen Aufführung - zahlreiche Informationen zu Instrumenten und Werken lassen den Hörer nicht alleine mit den Aufnahmen, sondern bieten eine Gelungene Einführung in die Thematik. Das alles zusammen auf drei CDs in einer geschmackvollen Pappbox zu einem sagenhaften Preis – da bleiben keine Wünsche offen. Ein großes Projekt mit einer großen Umsetzung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Kritik von Daniel Röder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Sämtliche Werke für Violine und Piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
3
01.09.2012
EAN:

4260036250435


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Schumann, Robert


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Interpret(en):Landgraf, Lisa Marie
Koch, Tobias


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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