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Dienstag, 30. November 2021

Onslow, Georges - Symphonies 1 & 3

Herrliche Ausgrabung!


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Gattung der Sinfonie hatte es in Frankreich nicht leicht. Als Pionier ist sicher François-Joseph Gossec zu nennen, nach der Revolution war jedoch bis zur geschichtsträchtigen Uraufführung von Berlioz’ Symphonie fantastique im Jahre 1830 auf dem Gebiet der Sinfonie so gut wie gar nichts passiert. Bestrebungen, das sinfonische Oeuvre Beethovens auch in Frankreich vertraut zu machen, hatte sich auch auf die französische Sinfonienproduktion fruchtbar ausgewirkt. Eines dieser Produkte war das 1831 aus der Taufe gehobene sinfonische Erstlingswerk von Georges Onslow (1784-1853), ein Werk in stilistisch traditionellem Fahrwasser, an dessen Schöpfer Berlioz’ visionäre Tat unbemerkt vorübergegangen zu sein scheint. So verwundert es auch nicht, dass dem Werk, trotz allem Lobs, doch der letztlich fatale Vorwurf der Klassizität anhaftete. Weitere Sinfonien folgten, und mit ihnen verhielt es sich ganz ähnlich, und es kam wie es kommen musste: Schon bald waren die Werke restlos aus dem Konzertleben verschwunden.

Fortsetzung einer Ausgrabung

Heute wird man moderater und gnädiger über Onslows Stil urteilen können. Jetzt kann man endlich einen klanglichen Eindruck von der Musik bekommen und auf Grund dessen ein fundiertes Urteil fällen, denn das Label cpo, bekannt für seine wertvollen Ausgrabungen, hat nun, nachdem die Musikwelt bereits vor Jahren mit einigen Streichquartetten des Komponisten vertraut gemacht worden war, auch die Sinfonien ans Tageslicht gezogen. Eine Produktion der zweiten und vierten Sinfonie liegt seit kurzem vor, nun folgten die verbleibenden beiden Gattungsbeiträge. Der Höreindruck charakterisiert Onslow sofort als Eklektiker im allerdings besten Sinn. Von Anfang bis Ende klingt die Musik zwar merkwürdig vertraut, niemals jedoch hat man den Eindruck einer direkten Stilkopie, und fruchtbare Einfälle gibt es wirklich genug in diesen Werken. Der kammermusikalisch geprägte Stil mit seiner oftmals solistischen Instrumentalbehandlung dürfte sogar eine gewisse Originalität beanspruchen. Auch das zweite, im Jahre 2002 entstandene Sinfonienpaket wird von Johannes Goritzki und der NDR Radiophilharmonie präsentiert.

Beste Werbung

Den Ausführenden kann man zu der herausragenden Interpretationsleistung nur gratulieren. Goritzkis Herangehendweise an sie Sinfonien ist von großer Dynamik und Kraft geprägt; deutlich herausgearbeitete markante Akzente à la Beethoven treiben die Musik vorwärts, ohne dass jedoch geradezu Schubertsche Gesangspassagen leichtfertig übergangen werden oder der Blick für die Gesamtform auch nur einen Moment verloren würde. Unterstützt wird das Ganze von der technisch makellosen Leistung der Instrumentalisten, die bei zahlreichen Soli genügend Raum haben, ihr Können aufblitzen zu lassen. Die Sinfonien werden erfreulich deutlich akzentuiert und präzise gespielt; ein durchsichtiger und hochglänzender Orchesterklang ist die Folge. Das Engagement von Dirigent und Musikern ist allgegenwärtig spürbar, und jeder Takt ist mit Leben erfüllt. Es ist höchst erfreulich, dass hier neben dem bloßen ‚dass’ auch berücksichtigt wurde, ‚wie’ die Musik eingespielt worden ist. Eine bessere Werbung für diese vergessenen Sinfonien ist schlechterdings kaum vorstellbar.

Das Drumherum stimmt ebenso

Die tontechnische Umsetzung steht der Interpretation glücklicherweise in nichts nach. Der Klang ist nicht nur natürlich und, sowohl was die Instrumentenregister, als auch die dynamische Spannbreite anbetrifft, wohlabgestimmt, auch Störgeräusche oder ähnliches trüben zu keiner Zeit das Hörvergnügen. Das Heftchen ist, wie oft bei cpo, mit einem sehr ausführlichen und fundierten Text ausgestattet, bei dem man angesichts so schöner und umfassender Ausführungen zu den Werken und ihrer Entstehung und Wirkung kaum allgemeinere biographische Details zu vermissen wagt.
Die vorliegende Produktion setzt das hohe Niveau der ersten CD überzeugend fort. Neben der hervorragenden Interpretation und Präsentation rechtfertigen auch die sträflich vernachlässigten Kompositionen ihre Ausgrabung voll und ganz. Jeder, der irgendwie an der Entwicklung der Sinfonie interessiert ist und nicht davor zurückscheut, die ‚Hauptstraße’ auch einmal zu verlassen, dürfte mit dieser Produktion bestens beraten sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Onslow, Georges: Symphonies 1 & 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.08.2004
Medium:
EAN:

CD
0761203974726


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Onslow, Georges


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Dirigent(en):Goritzki, Johannes
Orchester/Ensemble:NDR Radiophilharmonie


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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