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Montag, 6. Dezember 2021

Prokofieff, Sergej - Romeo & Juliet

Chiaroscuro


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Romeo und Julia gehören zu den unverwüstlichen Motiven der abendländischen Kultur, seitdem Shakespeare die beiden entflammten Jugendlichen, die gegen Konvention und starre Familienbande den Weg der Liebe und damit den Tod wählen, versreich auf die Bühne brachte. Gleich mehrere Opern und Ballette haben den Stoff verarbeitet und Prokofieffs Fassung aus dem Jahre 1935 ist sicher die Berühmteste. Unzählige Motive dieses Balletts geistern durch Film, Werbung oder Popmusik. Das beweist, dass Prokofieffs Musik ein Höchstmaß an Publikumswirksamkeit erreicht hat – dass er dabei jedoch die Grenze zur Trivialität nie überschritten hat, derart transzendente Motive für die Liebe des jungen Paares, so schmissige Themen für den Konflikt der beiden Familien und so eine herrliche Orchestrierung schaffen konnte, nimmt sich wie ein Wunder aus; entstand das Ballett doch nach Prokofieffs Rückkehr in die Sowjetunion während der Säuberungsaktionen Shdanows, dem sage und schreibe 40.000 Leningrader Bürger zum Opfer fielen. Prokofieff wurde während der Arbeiten an seinem Projekt tief in die Mühlen der stalinistischen Zensur gerissen. Er wurde immer wieder zu Änderungen gezwungen und musste endlose Repressalien erdulden. Dazu kam die Angst, denn ästhetisches Abweichlertum war in dieser Zeit auch in der UdSSR längst lebensgefährlich geworden.

Neu gefasst

Die schwierige Entstehungsgeschichte hat für ein ziemliches Durcheinander an Fassungen gesorgt. Aus ausgeschiedenen Szenen und der Kombination verschiedener existierender Varianten, fasste der Moskauer Choreograph Yuri Grigorovich 1989, der großen Hoffnungsphase in der russischen Geschichte, Romeo und Julia für das Bolschoi-Balett neu. Vor allem im 2. und 3. Akt erreichte er, auf der Originalchoreographie Leonid Lavrovskys fußend, eine Straffung und Verschärfung der Handlung. Wie sehr sein Konzept aufgeht, zeigt die Aufnahme des Balletts, die nun von Arthaus Musik auf den Markt gebracht worden ist.

Das liegt natürlich auch an den herausragenden Solisten und dem hervorragenden Corps de Ballett, das Grigorovich zur Verfügung stand. Vor allem das Liebespaar getanzt von Natalia Bessmertovna, zum Zeitpunkt der Aufnahme 48 Jahre alt, und Irek Mukhamedov überzeugen. Bessmertovnas Julia trifft die jugendliche Eleganz des Charakters auf den Punkt genau und nimmt durch zerbrechliche Anmut, ausgesprochen schöne und ausgereifte Bewegungen und Agilität für sich ein. Demgegenüber ist Mukhamedov ein so kraftvoller wie ästhetischer Romeo, der zusammen mit seiner Partnerin hervorragend harmoniert.

Halbdunkel

Mikhail Sharkov als Merkutio zieht alle Register technischer und akrobatischer Tanzkunst. Wunderbare Sprünge und eine hervorragende schauspielerische Begabung machen seine Darstellung ästhetisch wie dramaturgisch rund. Ein glänzender Techniker ist auch Aleksandr Vetrov als Tybalt. Das ungeschlachte und brutale Wesen des Charakters wird durch ihn hervorgehoben, streckenweise jedoch auch überbeansprucht.

In jedem Falle konzentriert sich die Inszenierung Simon Virsaladzes ganz auf die Wirkung der Tänzer. Im Halbdunkel der Bühne und weitgehendem Verzicht auf Gestaltung erscheinen die Akteure wie im Chiaroscuro eines Bildes von Caravaggio. Die zahlreichen Abstufungen und Kontraste der Kostüme werden so zum einzigen Kommentar der Handlung und konzentrieren die Wahrnehmung ganz auf Tanz und Musik. Letzteres lohnt sich beim hervorragenden Dirigat Algis Zhuraitis, der eine transparente und abgespeckte Herangehensweise an die bekannten Stücke bevorzugt. Lediglich die Blechbläser brechen gelegentlich unter seinen Zügeln aus. Allein die Videoregie Motoko Sakaguchis mit ihrer nervösen Kameraführung und einigen Überbelichtungen kann da das Vergnügen – wenn auch nicht nachhaltig – trüben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofieff, Sergej: Romeo & Juliet

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
30.08.2004
136:00
1989
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
0807280071191
100 711


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Prokofieff, Sergej


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Dirigent(en):Zhuraitis, Algis
Orchester/Ensemble:Orchestra of the Bolshoi Opera Moscow
Interpret(en):Bessmertnova, Natalya
Mukhamedov, Irek
Sharkov, Mikhail
Vetrov, Aleksandr


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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