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Dienstag, 29. November 2022

Haydn, Joseph - Schottische Lieder für George Thomson I

Ohne Dudelsack


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der jahrelange Esterhazy-Angestellte Joseph Haydn hätte es sich wohl kaum träumen lassen, noch im Rentenalter zur Weltberühmtheit zu werden. Salomons Konzertagentur in London machte es möglich. Haydn der Kosmopolit. Schon 1791 trat der schottische Verleger William Napier an Haydn heran, Begleitungen für drei Stimmen für schottische Volkslieder zu schreiben. Haydn tat das und er tat es ganz gut. 1799 beauftragte ihn George Thomson, Volksliedsammler, Herausgeber und Verleger, mit der Komposition von ‚Symphonien und Begleitungen’ für eine Sammlung ‚aller hervorragenden, sowohl traurigen als auch lustigen, aber keiner oberflächlichen und minderwertigen Volkslieder…’ Thomson engagierte nicht nur Haydn, auch Pleyel, Kozeluch, Beethoven, Hummel und Weber sollten ‚Symphonien und Begleitungen’ für Violine, Cello und Klavier komponieren. Insgesamt 208 Lieder bearbeitete Haydn in der Zeit von 1800 und 1804, mit sehr viel Freude und Stolz, wie der Komponist selbst bekundete. 27 dieser Lieder, bearbeitet zwischen 1800 und 1802, sind auf der CD von ‚Brilliant Classics’ eingespielt und –gesungen.

Entdeckungsreise

Eine herrliche Entdeckungsreise, auf die man sich beim Hören dieser Aufnahme begeben kann. Immer wieder wird man ein Aha-Erlebnis haben, dann nämlich, wenn die eine oder andere Melodie dem Ohr nicht ganz unbekannt ist. Haydn hatte merklich Spaß an seinen Arrangements für Violine, Cello und Klavier. Die Lieder klingen eben wie echter Haydn und sind im Ursprung doch nicht von ihm. Das Haydn Trio Eisenstadt spielt sich nie in den Vordergrund und folgt der Order, als Begleitung zu dienen. Dennoch formen sie Haydns Arrangements zu witzigen Kameen, zeichnen den Charakter des Liedtextes mit Enthusiasmus und Spielfreude nach und betonen genüsslich so manche für Haydn ungewohnte harmonische Wendung, die den Abstecher in die Modalität kaum scheut. Lorna Anderson und Jamie MacDougall, ihr Vorname und sein Nachname verraten es, sind waschechte Schotten. Ausgestattet mit charaktervollen und charakteristischen Stimmen. MacDougalls Tenortimbre ähnelt dem von Robert Tear sehr, ohne je in den eng-näselnden Tonfall zu geraten, dem Tear seit Jahren zugeneigt ist. Strahlend klar und textsicher singt sich Jamie MacDougall durch die Volkslieder seiner Heimat, immer die adäquate Stimmung des Textinhalts treffend und mit dem Sinn für die nötige Dramatik der oftmals balladenhaften Dichtungen um Liebe, Tod, Wein, Weib und Gesang.

Höhepunkt der CD ist zweifelsfrei das Dialog-Lied ‚The east neuk o’Fife’. Hier wirft sich ein Ehepaar einander vor, dem Alkohol zugeneigt zu sein, bevor beide am Ende die Weinflasche gemeinsam austrinken. Die Darstellung des trunkenen Paares besticht durch Lorna Andersons schauspielerisches Talent. Ein musikalischer Spaß. Die Sopranistin hat ebenfalls ein feines Gespür für die jeweilige Stimmung der Lieder. Mal herzhaft und derb, mal sanft, traurig und melancholisch – Lorna Andersons flexibles Timbre ist stets treffsicher ausgerichtet.

Vokale und instrumentale Schichten sind gut miteinander verwoben und klanglich perfekt ausgesteuert. Ausgezeichnete Einführungstexte sowie alle Liedtexte (mit Inhaltsangaben der Lieder!) runden diese wundervolle Produktion ab. Brillant!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Schottische Lieder für George Thomson I

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
14.06.2004
Medium:
EAN:

CD
5028421922782


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Haydn, Joseph


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Interpret(en):Andersen, Lorna
MacDougall, Jamie


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