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Dienstag, 30. November 2021

Rossini, Gioacchino - Il Signor Bruschino

Rossini nebenher


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der letzte von fünf Einaktern, die Rossini für das Teatro San Moisé in Venedig schrieb ist vor allem durch seine Ouvertüre mit ihrem besonderen Akzent durch das rhythmische Klopfen der Geigenbögen gegen die Notenpulte bekannt. Die 1813 uraufgeführten Oper weist trotz ihrer frühen Entstehung - Rossini war gerade 21 Jahre alt - stilistisch bereits auf spätere Werke voraus. Dennoch ist ihr die Jugend und manches Mal auch die Unerfahrenheit des Komponisten anzumerken. Sie besitzt nicht dieselbe Spritzigkeit wie spätere Werke.
Leider scheint sich Claudio Desderi genau auf diesen Aspekt konzentriert zu haben. Anders ist sein immer gleiches Dirigat kaum zu verstehen, denn auch eine frühe Partitur Rossinis besitzt mehr Witz und Esprit als Desderi hier glauben machen will. Sehr bezeichnend für die gesamte Einspielung - eine Ausnahme bildet einzig das Duett zwischen Florville und Filiberto - ist, dass die Rezitative grundsätzlich mehr Charme und Witz vermitteln als die vom Orchester begleiteten Musiknummern. Heute darf man sich jedoch eine etwas vielsagendere Rezitativbegleitung wünschen, als sie hier geboten wird. Die Texte geben genug Anhaltspunkte für eine stärkere Charakterisierung als dass sich das Klavier im bloßen Anschlagen von Akkorden üben bräuchte.
Das Orchester "I Virtuosi Italiani" kann zwar durch Exaktheit und Klangschönheit überzeugen, Desderi scheint die Möglichkeiten jedoch nicht vollständig ausgereizt zu haben. Das ist sehr schade, denn die Voraussetzungen für eine gute und witzige Einspielung wären durchaus gegeben gewesen.

Durchwachsene Stimmenqualitäten

Sängerisch ist die Besetzung eher durchwachsen. Dabei fallen besonders der Tenor Allessandro Codeluppi als Florville und der Bariton Maurizio Leoni als Gaudenzio positiv auf. Überzeugen kann auch der Bass Dario Giorgelè als gichtgeplagter Signor Bruschino. Codeluppi gibt einen wunderbar lyrisch-leichten Liebhaber und falschen Sohn. Seine Höhe ist weniger italienisch strahlend als vielmehr von einer großen Leichtigkeit geprägt. In perfekt verständlichem Italienisch und größter musikalischer Exaktheit erschafft er ein überzeugendes Bild der Figur vor dem Zuhörer.
Ähnliches gilt für Maurizio Leoni. Sein voluminöser Bariton erscheint nie aufdringlich oder zu groß. Wunderbar träge singt er die Koloraturen und zeichnet ein klares Bild eines gutmütigen aber dennoch leicht begriffsstutzigen Vormunds Sofias.
Leider kann Elena Rossi als Sofia nicht überzeugen. Ihre Stimme klingt in der Höhe unangenehm schrill, was einer glaubhaften Darstellung der in Florville Verliebten im Wege steht. Auch ihr Legato kann nicht immer einem kritischen Ohr standhalten. Sie verfügt zwar über eine schön timbrierte Mittellage, aber das allein reicht bei einer Sopranistin leider selten aus. Positiv hervorzuheben ist auch noch Antonio Marani als Filiberto. Auch ihm gelingt eine Rolleninterpretation mit durchaus spannenden Momenten und einem stets warmen Klang.

Festzuhalten bleibt, dass NAXOS mit dieser Aufnahme sicher keinen Coup gelandet hat. Zwar handelt es sich um eine solide Arbeit, deren Klangqualität sowohl beim Thema Balance der Stimmen als auch in dynamischen Fragen gut ist, die aber interpretatorisch manchen Wunsch offen lässt und deren Booklet wenig informativ ist (Libretto ausschließlich auf italienisch; Lebensläufe nur in englischer Sprache). Es ist zu bedauern, dass trotz eines guten Ensembles der musikalische Funke selten überspringen kann und die Interpretation daher nach dem ersten Anhören eher für das Hören nebenher geeignet scheint, als für einen fesselnden Ohrenschmaus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Andreas Ombelico,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioacchino: Il Signor Bruschino

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
21.06.2004
Medium:
EAN:

CD
0730099612821


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Rossini, Gioacchino


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Dirigent(en):Desderi, Claudio
Interpret(en):Martino, Vito
Barbolini, Massimiliano
Giangaspero, Clara
Marani, Antonio
Giorgelè, Dario
Rossi, Elena
Leoni, Maurizio
Codeluppi, Alessandro


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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