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Montag, 15. August 2022

Debussy, Claude - Pour le piano

Impressionistisches Zwillingspärchen


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Berlin Classics ist dafür bekannt, so manche historische Aufnahme, die in der ehemaligen DDR entstand, aus der Versenkung wieder ans Tageslicht zu befördern. So geschehen auch bei der vorliegenden Einspielung der ,Klaviewerke' Claude Debussys und Maurice Ravels in der Interpretation von Cécile Ousset, aufgenommen in der Dresdner Lukaskirche 1967 bzw. 1971. Veröffentlichungen mit Werken dieser beiden Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus sind so zahlreich, dass man meinen könnte, man hat es mit einem komponistischen Zwillingspärchen zu tun. Die Auswahl der Stücke von Debussy wurde mehr nach spieltechnischen Aspekten als nach programmatischen ausgewählt. Auffallend ist der hohe Schwierigkeitsgrad der meisten Debussy-Kompositionen. Leider wird die Pianistin Cécile Ousset den hohen musikalischen Ansprüchen nur vereinzelt gerecht. Weit besser dagegen ist die Interpretation der Ravel-Aufnahme gelungen.

Figurationen oder Cluster

Auf der ersten der beiden CDs sind ausschließlich Klavierwerke Debussys zu finden. Bis auf das Einzelwerk ,L'isle joyeuse' entstammen alle anderen Stücke Sammelbänden wie den ,Images pour piano II', den ,Préludes',, den ,Estampes' und den ,12 Études'. Die einzige vollständige Zusammenstellung, die auf dieser Aufnahme vertreten ist, ist das Frühwerk ,Pour le piano'. Besonders bei schnelleren Ostinati und Figurationen wirkt das Spiel der Pianistin oft abgehackt und unregelmäßig. Meist fängt Ousset sehr konzentriert und flüssig an, wie bei ,Feux d'artifice' oder ,Pour le degrés chromatiques', doch im weiteren Verlauf wird die Darbietung nachlässig. Bei dem äußerst anspruchsvollen ,Pour les arpèges composés' aus den ,Études' sind die figurativen Läufe zum Teil derart ungenau gespielt, dass sie beinahe wie Cluster wirken. In ersten Stück der Préludes ist darüber hinaus die Balance zwischen rechter und linker Hand sehr unausgewogen, weshalb zu zaghaften Figurationen der Oberstimme im Vergleich zur stark akzentuierten Bass-Melodie sehr verblassen. ,Jardins sous la pluie' aus den ,Estampes' wirkt verglichen mit der Deklamation Pascal Rogés (1977 Decca; 3:18 min) und Gordon Fergus-Thompsons (1990 Sanctuary Records; 3:55 min) recht träge mit seinen 4:09 Minuten Spielzeit. Einen schwebenden Klang, wie ihn Debussy anstrebte, erreicht Ousset kaum.
Doch zeigt sich an manchen Stellen auch, warum Ousset zu Recht mit einigen Preisen für ihr Klavierspiel ausgezeichnet wurde. Lediglich mit Abstrichen im Klang, den allein die Tontechnik zu verantworten hat, stellt die Pianistin in den nicht minder schweren ,L'Isle joyeuse' und ,Toccata' (aus ,Pour le piano') ihr Können durch ihre äußerst überzeugende Interpretation unter Beweis.

Gefühlvolle Wasserspiele

Die Ravel-CD beginnt hingegen deutlich besser. Bereits das erste Stück ,Jeux d'eux' gefällt durch die gleichmäßigen Wellenbewegungen, die das Wasser symbolisieren sollen und einen sehr gefühlvollen Vortrag, der sich bei dem dreiteiligen ,Gaspard de la nuit' geradewegs fortsetzt. Allein ,Scarbo', die musikalische Darstellung eines listig-boshaften Höllenzwergs, wirkt etwas zaghaft. Vladimir Ashkenhazy (1985 Decca) spielt im Vergleich die kurzen, abgehackten Tonfolgen akzentuierter und erzeugt damit ein geradezu dämonisches und fratzenhaftes Klangbild. Bei den fünf Teilen der ,Miroirs' glänzt Ousset vor allem in den langsamen Stücken wie ,Noctuelles' und ,La vallée des cloches' mit einem ausdrucksstarken Spiel, währen das spaßige ,Alborado del grazioso' zwar frisch und lebendig klingt, jedoch rhythmisch leichte Schwächen aufweist, vor allem hinsichtlich der flotten Tonrepetitionen.

Aus alt mach dreimal neu

Die Ravel-Interpretationen Cécile Oussets sind durchaus hörenswert, während die Debussy-Stücke sehr viele Schwächen aufweisen. Allerdings wurde die hier vorliegende Ravel- Zusammenstellung bereits zum dritten Mal(!) von ‚edel’, die bekanntlich hinter Berlin Classics (BC) stehen, veröffentlicht. Die gleiche CD präsentierte edel 1997 (BC) und 2002 (Eterna Collection) jeweils in neuem Gewand. Da die Debussy-Stücke die CD nicht unbedingt aufwerten, hinsichtlich der Tonqualität keine Verbesserungen zu den alten Aufnahmen festzustellen sind (ein dünner, recht höhenlastiger Klang) und sogar der Text des Booklets einfach übernommen wurde, ist diese ,Neuveröffentlichung' allenfalls eine Erweiterung des Tonträger-Repertoires von Cécile Ousset.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Debussy, Claude: Pour le piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
2
02.08.2004
Medium:
EAN:

CD
0782124134525


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Debussy, Claude
Ravel, Maurice


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Interpret(en):Ousset, Cécile


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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