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Montag, 20. Mai 2019

Spektren - Musik für 4 Blockflöten & Perkussion

Wahrhaftig: Spektren!


Label/Verlag: Animato
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Viele denken bei der Blockflöte wohl nur an das ausgesprochene Anfänger- oder Kinderinstrument, vielleicht auch an die schauerlich schrägen Töne mehr schlecht als recht, möglichst noch im unsauberen Unisono mehrerer Flöten vorgetragener Lieder. Für ein vollwertiges und ernst zu nehmendes Musikinstrument wird sie hingegen kaum angesehen. Dabei gibt es Blockflöten in verschiedenen Größen und Stimmlagen, die eine traditionsreiche und etablierte Familie von Musikinstrumenten bilden, die zum gepflegten Musizieren noch nicht einmal auf andere Instrumente angewiesen ist, denn es lassen sich, die spielerischen Fähigkeiten der Mitglieder natürlich stets vorausgesetzt, auch klangschöne Blockflötenensembles bilden.

Kompositorische Spektren

Das ?Quartetto con Affetto?, bestehend aus den vier Musikerinnen Lucia Dimmeler, Eva Grießhaber, Bettina Haugg und Manuela Mohr, ist solch ein Blockflötenensemble. Die Inspiration zu ?Spektren?, ihrer jüngsten Produktion, für die sie von dem Schlagzeuger Murat Coskun unterstützt werden, gab es durch die gleichnamige Komposition von Rudolf Kelterborn. Die entscheidende Rolle dieses Stücks zeigt sich nicht nur in der Spielzeit von gut neun Minuten, mit der es jede andere Komposition der CD weit übertrifft, sondern auch durch die Platzierung exakt in der Mitte des Programms. Darüber hinaus ist es auch die einzige wirklich moderne Komposition. So wie Kelterborns Stück, bei dem man sich ? man entschuldige die naive, aber gutgemeinte Verbildlichung ? bisweilen in eine Voliere versetzt fühlt, die Spektren des Blockflötenklangs wirkungsvoll auslotet, so macht auch der Rest des aus vielen kurzen Beiträgen bestehenden Programms dem Titel alle Ehre. Zeitlich sind die Stücke dabei im wesentlichen auf das ausgehende Mittelalter und die Epoche der Renaissance konzentriert. Die beiden großen Ströme der damaligen Musik, der geistliche und der weltliche, sind dabei gleichermaßen vertreten. Die Facetten reichen im weltlichen Bereich von einem Troubadour-Lied über Instrumentalstücke aus dem ?Londoner Manuskript?, Tanzstücke aus dem ?Antwerpener Tanzbuch? und Bearbeitungen aus einer spanischen Liedsammlung der Renaissance, darüber hinaus wird die längst untergegangene Gattung der höfischen Masque in einigen spritzig und geistreich dargebotenen Tänzen wiederbelebt. Geistliche Musik findet sich in Bearbeitungen von anonymen Stücken aus dem Umfeld der berühmten Notre Dame-Schule, ferner von Johannes Ciconia, Ludwig Senfl und schließlich des großen Palestrina. Eine Ausnahme der oben gemachten Regel über die Entstehungszeiten und die Sonderstellung der Komposition Kelterborns stellt ein Stück von Arvo Pärt dar, das sich jedoch, wie bei dem estnischen Komponisten, der sich intensiv mit alter Musik auseinander gesetzt hat, zu erwarten war, gut in das Bild der ?Originale? einfügt und klanglich kaum als Ausnahme wahrgenommen werden dürfte.

Die Spektren des Blockflötenklangs

Schon allein die weite Streuung der Kompositionen, deren Vielfalt sich kaum in einigen Sätzen umfassend darstellen lässt, muss den Variantenreichtum der entstehenden Klangbilder andeuten. Und da sieht man sich tatsächlich nicht getäuscht. Der vornehmlich in tiefen Registern sich aufhaltende sonore, fast orgelartige Klang der Lamentation Palestrinas könnte bereits zu demjenigen anderer Werke der geistlichen Zunft, besonders aber zu den bisweilen schrillen Klängen der ?Spektren? Kelterborns kaum unterschiedlicher sein. Die weltlichen Stücke werden wirkungsmächtig von den stilvoll eingesetzten, traditionellen Perkussionsinstrumenten unterstützt und vorangetrieben, der Klang wird hier vergleichbar mit dem in Zeiten einer ausgesprochenen Mittelalter-Renaissance wohlbekannten Kolorit der Spielmannsmusik. Das Quartetto con Affetto beherrscht natürlich nicht nur seine Instrumente, sondern auch das Zusammenspiel in höchstem Maße, so dass einheitliche, überzeugende Darstellungen entstehen, die den nötigen Ernst nicht vermissen lassen, aber auch mitzureißen vermögen und vor allem in den Tänzen aus den Masques eine gehörige Portion frischen Humors einbringen. Besonders die Verbindung des Blockflötenklangs mit Perkussionsinstrumenten wirkt ungemein natürlich und zwingend, so als könnte es kaum anders sein. Schon allein, um diese ungewöhnliche Klangkombination zu erfahren, lohnte sich die Anschaffung der CD!

Die Aufnahmequalität ist dabei gut. Der Klang des Quartetts ist homogen und klar, die Perkussionsinstrumente sind prägnant, ohne je vordergründig zu werden. Einer adäquaten Reproduktion der Klangspektren daheim steht also nichts im Wege. Das schön aufgemachte Begleitheft schafft in kurzen, informativen Absätzen die nötige Übersicht über die dargebotene Vielfalt, ohne den Hörer zu erschlagen oder zu verwirren und sorgt so für die gelungene Abrundung einer Produktion, die nicht nur einen eindrucksvollen Querschnitt durch die Musik aus Mittelalter und Renaissance bietet, sondern auch beste Werbung für das Instrument der Blockflöte darstellt und sogar dem Kenner noch etwas zu bieten haben sollte. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Spektren: Musik für 4 Blockflöten & Perkussion

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Animato
1
11.10.2013
72:17
EAN:
BestellNr.:

4012116608137
ACD6081


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Almorox, Juan
Anchieta, Juan de
Ciconia, Johannes
Coperario, Giovanni
Cousin, Jean
Dowland, John
Enzina, Juan del
Johnson, Robert
Kelterborn, Rudolf
Miraval, Raimon de
Palestrina, Giovanni Perluigi
Pärt, Arvo
Phalèse, Pierre
Senfl, Ludwig


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"Ersteinspielung "Spektren" von Rudolf Kelterborn Erstmalig Blockflöten mit Perkussion Was ist besser als vier Blockflöten? - vier Blockflöten und Perkussion! Mit seiner neuen CD "Spektren" beschreitet das Quartetto con Affetto einen völlig neuen Weg auf der Suche nach außergewöhnlicher Klangvielfalt und präsentiert erstmalig ein Flötenensemble mit Perkussion: Die Konzeption der CD basiert auf der Komposition "Spektren" von Rudolf Kelterborn, die hier erstmals eingespielt wurde. Kelterborn schreibt:"?Der Titel "Spektren" bezieht sich auf verschiedene musikalische Parameter: Sowohl im Bereich der Farbe als auch bezogen auf Tonraum (Register) und Bewegung kommt es sozusagen zur Ausfilterung bestimmter Bänder oder Felder..." Bei der Stückauswahl für die CD hat sich das Quartetto con Affetto von diesen Parametern inspirieren lassen. Dabei wird es unterstützt von Murat Coskun (Perkussion). Die Kombination von vier Blockflöten und historischen Schlaginstrumenten bietet ein bislang noch nicht gehörtes Klangerlebnis. "


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