> > > Takehara, Mika: Thirteen Drums
Montag, 6. Dezember 2021

Takehara, Mika - Thirteen Drums

Herrin über Marimba


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trommeln in allen Variationen, ob afrikanisch, Latin oder japanisch – immer mehr boomt die Nachfrage an Trommelkursen, Events wie ‘Stomp’ oder diverse Percussion Ensembles, die ihr Publikum in ausgebuchten Konzerten begeistern. So verwundert es nicht, dass auch reine Percussion- und Schlagzeugaufnahmen im CD Regal keine Seltenheit mehr sind. Darunter auch die kürzlich mit der japanischen Schlagzeugerin Mika Takehara erschienene CD Thirteen Drums aus dem Hause BIS.

Langweilige Marimba drückt Faszination der Percussion

Sieben Stücke, die wegen ihrer Längen von neun bis sechzehn Minuten doch eine präsentable Gesamtzeit geben, verspricht uns das Inhaltsverzeichnis. Vier Werke für Marimba und drei für Percussion, alle von noch lebenden Schlagzeugkomponisten, teilweise auch von Takeharas Lehrern geschrieben. Interessant, da ungewohnt, hört sich die Musik an, ein Hauch von Spiritualität breitet sich aus, doch am Ende des ersten Werkes hat man eine gewisse Spannung, einen inneren Höhepunkt des Stückes vermisst. Highlight der CD ist, gleichnamig dem CD-Titel, Thirteen Drums von Maki Ishii, ein Werk, das vielen Schlagzeugern ein Begriff sein dürfte. Die zugrunde liegende Stille wird zerrissen durch donnernde, pulsierende Trommelattacken und mitreißenden Patterns, die millisekundengenau, wie von einer Maschine kommend, interpretiert werden. Auch in den Decresendi und Crescendi bleibt der Schlag erstaunlich präzise und man möchte – obwohl hier nicht von einem Melodieinstrument die Rede ist –  fast von einer melodischen Linie und Phrasierung sprechen. Souverän meistert hier die Künstlerin die ungeraden, teilweise übereinander geschichteten Rhythmen. Der dritte Track, ein weitere Komposition für Marimba, plätschert leblos vor sich hin, die überraschenden Schreie der Ausführenden inmitten des Stückes können nicht überzeugen. Erst wieder die nächsten Percussion-Kompositionen stechen erneut durch gekonnte dynamische Interpretation heraus. Dass die abschließenden beiden Marimba Stücke die Qualität wieder drücken, mag mehr an den Kompositionen bzw. der Stückauswahl, die sich zu sehr ähnelt liegen, als an den generell beachtlichen Fertigkeiten der Mika Takehera.

Beschreibungen im Booklet unverständlich

Das Booklet liefert dreisprachige Informationen zu den Stücken, die die Künstlerin selbst verfasst hat: wo und wann die Kompositionen entstanden sind, teilweise mit Beschreibungen, was sich Mika Takehara unter der Musik vorstellt. Ähnlich der Programmmusik liegen dem Hörer also Bilder vor, die er der Musik zuordnen kann. Nachdem die Erklärung zu den Stücken aber nur ansatzweise und oberflächlich erläutert ist, fällt es schwer, die Bilder der Mika Takehara weiterzuführen und aufzunehmen. Ein Textbeispiel aus dem Booklet: das Stück ‘verlangt alle Arten von expressiven Nuancen auf Seiten des Ausführenden: Aggressivität, Sanftheit, humorvolles Lächeln, Wahnsinn….’. ‘Jederzeit ist es wesentlich zu verstehen, welches Gefühl gerade ausgedrückt wird’ Und genau das ist mir als Zuhörer – sogar als aktiver Schlagzeuger – nicht gelungen. Das vermag, wie beschrieben, dem ausführenden Musiker bewusst sein, dem Zuhörer aber fällt es ohne Partitur (generell ohne Beschreibung) schwer, der Idee des Stücks zu folgen. Ohne konkrete Vorstellung welches Bild vertont wird, vermutet der Zuhörer eher eine Klangimprovisation eines Kindes. Die mehrmals hinzugefügten Aussagen über den ausführenden Musiker, z.B. ‘… so muss die gesamte körperliche Energie des Musikers mobilisiert werden’ erinnern an eine Selbsttheraphie für Musiker als dass es eine interessante Information für den Zuhörer darstellen würde.

Letztlich ist man nicht traurig darüber, dass die CD nach 75 Minuten zum trommeln aufhört. Ist jedes Stück für sich alleine betrachtet zwar interessant, so fordert die Länge der CD aber schon großes Interesse an der Schlagwerkmaterie. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Florian Lang Kritik von Florian Lang,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Takehara, Mika: Thirteen Drums

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
07.06.2004
Medium:
EAN:

CD
7318590013038


Cover vergössern

Ichiyanagi, Toshi
Ishii, Maki
Kozakura, Hideki
Miki, Minoru
Miyoshi, Akira
Sueyoshi, Yasuo


Cover vergössern

Interpret(en):Takehara, Mika


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Nachdenklichkeit und Brillanz: Wenn Sie Xiaogang Ye noch nicht kennen, möchten Sie dem chinesischen Komponisten vielleicht eine Chance geben. Abgesehen vom Auftragswerk 'Starry Sky' hat sein Schaffen definitiv Beachtung verdient. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Sieben Soli: Auch in der Beschränkung erweist sich Kalevi Aho als Meister. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Bezaubernde Gegensätze: Carolyn Sampson singt Joseph Canteloubes 'Chants d'Auvergne'. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Florian Lang:

  • Zur Kritik... Tango als Philosophie: Überzeugender authentischer Tango - sicherlich keine Fehlentscheidung beim Kauf der CD, aber aufgrund der Vielzahl an sehr guten, besseren Tango-Einspielungen, zählt die CD auch nicht zu den herausragenden Highlights. Weiter...
    (Florian Lang, )
  • Zur Kritik... Bunte Palette : ‘Simply Anne-Sophie’ betritt die künstlerische Welt einer großen Geigerin und eignet sich darüber hinaus als Wegweiser durch die vielseitigen Ausdrucksmöglichkeiten zeitgemäßer Interpretation. Weiter...
    (Florian Lang, )
  • Zur Kritik... Mozart als ‘Klassikverführer’: Eine gelungene informative Mischung aus Hörbuch und Musik-CD, die einen roten Faden durch Mozarts Musik und Leben spannt. Die lobenswerte Musikauswahl und inhaltliche Gliederung machen die ungewohnte und etwas emotionslose sprachliche Komponente wett. Weiter...
    (Florian Lang, )
blättern

Alle Kritiken von Florian Lang...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bach mit Herz und Seele: Claire Huangci empfiehlt sich mit ihrem neuen Album für weitere Bach-Aufgaben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Nebenschauplatz: Als Klavierkomponist hat Edward Gregson nur bedingt nachhaltige Bedeutung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms ohne Schrei – aber als Trost im Lockdown: Emmanuel Despax realisiert mit engen Vertrauten seinen Jugendtraum, Brahms' 1. Klavierkonzert aufzunehmen. Und liefert eine im Lockdown entstandene Interpretation von 16 vierhändigen Walzern mit Ehefrau Miho Kawashima hinterher. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich