> > > Janácek, Leos: Piano Works
Montag, 19. August 2019

Janácek, Leos - Piano Works

Aphoristisch


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leoš Janáček gehört zusammen mit Dvořák, Smetana und Martinu zu den Tonsetzern, welche die tschechische Musik auf der Schwelle vom 19. ins 20. Jahrhundert weltweit ins Gespräch brachten. Über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus wurde er erst infolge der Wiederaufführungen der 'Jenufa' 1916 in Prag und 1918 in Wien bekannt, erlangte dann aber rasch Weltruhm. Trotzdem bleibt der Bekanntheitsgrad des 1854 in Hukvaldy (Mähren) Geboreneren hinter den beiden Großen Dvořák und Smetana zurück. Das mag daran liegen, dass er keine ‚Hits’ wie die Sinfonie Nr. 9 oder die ‚Mà Vlast’ geschrieben hat. Insgesamt erweist sich Janáčeks Musiksprache als weniger zugänglich, avancierter, moderner, tiefgründiger – kurz: weniger konsumentenfreundlich als die seiner bekannten Landsmänner. Seine Melodik nährt sich darüber hinaus aus der genauen Beobachtung der tschechischen Sprachmelodie und der nordmährischen Volksmusik, womit seine Kunst eindeutig in einen kulturellen Kontext gebettet ist, der nicht gerade vielen außerhalb seiner Heimat geläufig ist.

Brandwütig

Dabei bietet Janáček neben seinen erfolgreichen Bühnenwerken viel Entdeckenswertes wie großangelegte Programm- oder intime Kammer- und Sakralmusik. Verhältnismäßig wenig Beachtung hat bislang seine Klaviermusik gefunden, die vor allem etwas für Kenner geblieben ist und selten aufgeführt wird. Dies mag vor allem an der verwirrenden Geschichte und Quellenlage der meisten seiner Klavierwerke liegen. Vieles davon, wie die Sonate I.X.1905 wanderte aus der Hand des Komponisten ins Feuer. Nur der uraufführenden Künstlerin ist der Erhalt einer Kopie zu verdanken, die später mit Einwilligung Janaceks veröffentlicht werden konnte. Ähnlich sieht es bezüglich ‚Auf verwachsenem Pfad’ aus, zwei ‚Serien’, die ursprünglich für Harmonium geschrieben, mehrmals umgruppiert, gekürzt und erweitert wurden. Zahlreich sind die verschiedenen Fassungen vieler Stücke und die Anweisungen im Notentext sind nicht immer eindeutig.

Mutig

Hakon Austbö, der bereits viele Aufnahmen für das Label Brilliant realisiert hat, stellt sich mutig diesen den Schwierigkeiten und begegnet Janáčeks Klaviermusik auf ganz direktem, persönlichem Wege. Er unterstreicht die charakteristischen Eigenschaften seiner Musik und erweißt gerade in den kurzen fast aphoristischen Passagen sein tiefes Verständnis für den tschechischen Musiker. In der berühmten Sonate, die auf den Tod eines Mannes 1905 während ethnischer Unruhen zwischen Tschechen und Deutschen in Brno zurückgeht, lässt er sich auf die aufgeladene Emotionalität der Schilderung ein, ohne zu larmoyant zu werden oder den Bogen zu überspannen. Die kurzen Stücke aus ‚Auf verwachsenem Pfad’ charakterisiert er treffend und findet für jedes Einzelne den richtigen Ton. Austbö legt merklichen Wert auf die Struktur der Musik, die er sorgfältig herausarbeitet und lässt sich von Titeln wie: ‚Es stockt das Wort’, ‚Gute Nacht!’ und ‚So namenlos bang’ nicht beirren. Mit diesen CDs erweitert der preisgekrönte Pianist Austbö sein vielbeachtetes Repertoire und fügt den Einspielungen von Klaviermusik Janáceks eine interessante Facette hinzu.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Janácek, Leos: Piano Works

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
14.06.2004
Medium:
EAN:

CD
5028421922959


Cover vergössern

Janácek, Leos


Cover vergössern

Interpret(en):Austbo, Hakon


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Im Zentrum der Hammerflügel: Alexei Lubimov ist ein überzeugender Sachwalter zweier später Dussek-Klaviersonaten auf dem Hammerflügel. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Erdgewandt: Elena Sartori und ihre Musiker finden keinen rechten Zugang zu Jean-Baptiste Lullys geistlicher Chormusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Neue Saitenwege zu Debussy: Das Duo Bilitis verdichtet Debussys Musik im mystischen Harfen- und Stimmklang und ergründet damit neue Wege, die faszinierend, aber auch etwas eingegrenzt wirken. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Miquel Cabruja:

  • Zur Kritik... Muerte en Venecia: Willy Decker zeigte Brittens 'Death in Venice' 2014 im Teatro Real. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Schönheit und symbolische Tiefe: Krzysztof Warlikowski verband in Paris Bartóks 'Herzog Blaubarts Burg' mit Poulencs Telefon-Oper 'La voix humaine'. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Bis heute modern: Dieser 'Tribut in fünf Balletten' zeigt die russische Tänzerin Maya Plisetskaya in bedeutenden Rollen. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
blättern

Alle Kritiken von Miquel Cabruja...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Klare Diktion: Yu Mi Lee unternimmt auf ihrem Debüt-Album eine fesselnde Reise nach Russland. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Pianistisch durchleuchtet: Der Amerikaner Garrick Ohlsson bietet in seinem Falla-Programm etwas weniger Spanien als andere Interpreten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich