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Montag, 6. Dezember 2021

Vivaldi, Antonio - Concerti Sinfonia "Al Santo Sepolcro"

Aus dem Schaffen des ‘prete rosso’


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese vom Label Berlin Classics veröffentlichte CD gibt Einblicke in das reiche Schaffen von Instrumentalkompositionen Vivaldis. Vier Solokonzerte und zwei Sinfonien wurden 1970 in der Leipziger Versöhnungskirche vom Rundfunk-Kammerorchester Leipzig unter der Leitung von Herbert Kegel eingespielt. Der 1990 im Alter von 70 Jahren verstorbene Dirigent wirkte nach Stationen in Pirna und Rostock von 1949 bis 1978 beim Leipziger Rundfunk unter anderem als Dirigent und Chefdirigent des Sinfonieorchesters, des Großen Rundfunkorchesters und des Rundfunkchores. 2003 wurde von Helga Kuschmitz eine Biographie mit dem Titel ‘Herbert Kegel - Legende ohne Tabu’ veröffentlicht. Kuschmitz begleitete Kegel beruflich wie persönlich über eine Reihe von Jahren, ihre Publikation zeichnet sich dennoch durch ein hohes Maß an Sachlichkeit aus.

Die Aufnahmequalität ist sehr gut, der Klang wirkt voll und gesättigt. An der Interpretation fallen hohes technisches Können, klar herausgearbeitete Melodieverläufe, ein räumlich wirkendes Klangbild und eine lebhafte Musizierfreude auf. Die solistischen Episoden bilden mit den Tuttis des Orchesters in den Ecksätzen eine abwechslungsreiche Darbietung, deren melodische und harmonische Dichte in allen Details klar hervortritt. Im ersten Konzert (P259 in d-moll) für Oboe als Soloinstrument entfaltet sich deren weicher Klang sowohl in den Allegro-Ecksätzen als auch im von ihnen eingeschlossenen Largo-Mittelsatz. Die Ecksätze beginnen sehr unmittelbar, vor allem der Schlusssatz wäre wohl auch mit etwas weniger Lautstärke in den Anfangstakten ausgekommen. Das Cembalo kommt gegenüber den Streichern, deren Bogenführung sehr exakt gesetzt ist, stellenweise ein wenig ins Hintertreffen.
Es folgt die Sinfonie Nr.9 in C-Dur (Track 4 bis 7). Die Sinfonie Nr.21 in h-Moll (Al Santo Sepolcro) besteht aus zwei Sätzen. Sie beendet die CD (Track 16 und 17) Die drei weiteren Solokonzerte für Fagott (P72 in a-moll, Track 7 bis 9), Streicher und Cembalo (P231 in A-Dur, Track 10 bis 12) und für Flöte (P155 in D-Dur, Track 13 bis 15) sind ebenfalls ein Genuss für den Zuhörer.

Erwähnenswert ist das Solokonzert für Flöte. Heinz Fügner wusste mit seinem Instrument hervorragend umzugehen. Ein klarer Tonansatz und flüssig gespielte Melodien kennzeichnen seine Technik ebenso wie eine gefühlvolle Dynamik. Was diese betrifft so hat sich die Flöte gegen gekonnte und mit Nachdruck gehandhabter Bogenführung seitens der Streicher zu behaupten. Ob diese sich stellenweise mehr im Hintergrund halten sollten mag jeder Geschmack für sich beurteilen. Der Mittelsatz ‘Cantabile’ wird in erster Linie von Flöte und dem sie unterstützenden Cembalo bestritten. Die durchaus singbaren Melodien verdienen die Bezeichnung ‘Cantabile’ allemal. Nach dieser in Musik gegossenen heiteren Unbeschwertheit schließt die CD mit der Sinfonie ‘Al Santo Sepolcro’ ab.
Die beiden Sätze ‘Adagio molto’ und ‘Allegro ma poco’ zeichnen sich durch lange Notenwerte und tiefe Tonlagen aus. Sie wirken durch das schöne Spiel des Orchesters sehr getragen, melancholisch bis nachdenklich, jedoch in keiner Weise schwermütig. In einigen Details wirkt diese Einspielung eigenwillig, die Verhältnisse zwischen den einzelnen Sätzen und Instrumenten wirken stellenweise ein wenig angespannt. Es handelt sich jedoch keinesfalls um qualitätsmindernde Elemente. Sie sind vielmehr dazu angetan mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuzuhören.

So reizvoll die Qualität der Aufnahme auch ist, das Beiheft fällt eher enttäuschend aus. Ein kurzer deutscher Text mit dem Titel ‘Ein unglaublicher Experimentator’ befasst sich kurz mit der Pflege und Stellung des Vivaldi-Repertoires im Laufe der Jahrhunderte. Die obligate englische Übersetzung fehlt nicht. Wo ist jedoch eine Übersetzung in französischer oder italienischer Sprache? Wo einige genauere Informationen über das Orchester oder Herbert Kegel? Diese wären eine notwendige und willkommene ‘Ergänzung’ gewesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Kofler,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vivaldi, Antonio: Concerti Sinfonia "Al Santo Sepolcro"

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
01.07.2004
Medium:
EAN:

CD
0782124328528


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Vivaldi, Antonio


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Dirigent(en):Kegel, Herbert
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Kammerorchester Leipzig
Interpret(en):Schneider, Fritz
Kretzschmar, Erwin
Fügner, Heinz
Bernstein, Walter Heinz


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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