> > > Schostakowitsch, Dimitri: Chamber Symphonies
Sonntag, 25. Oktober 2020

Schostakowitsch, Dimitri - Chamber Symphonies

Beeindruckendes Horrorkopfkino


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Frei heraus gesprochen: Für leicht zu ängstigende Gemüter ist Schostakowitsch in vielen seiner Stücke nichts. Ein Freund von mir meinte, er könnte diese Musik nicht allein zu Hause hören. Da bekäme er Angst und Albträume. Kein Wunder bei der Scharfkantigkeit, die oft vollkommen abrupt einsetzt, um sich dann ganz unversehens wieder in ruhigere Gestade zu verziehen. Schostakowitschs Werke gehen oft auf die Nerven und scheinen dort auch eine Weile verharren zu wollen. So wollte es sein Komponist auch. Dennoch haben die Werke eine tiefe, düstere Schönheit, die den Hörer ganz in ihren Bann ziehen.

Schostakowitschs Kammersymphonien opus 110a & opus 118a sind ein ungemein treffendes Beispiel für eine Musik, die unheimlich (im wahrsten Sinne des Wortes) nahe geht und in weiten Passagen an die Musik zu einem Horrorfilm erinnert. Ganz kann man dem Frieden nie trauen. Setzt auch nach dem zweiten Satz, dem Allegro furioso des opus 118a mit dem Adagio ein weitaus einvernehmlicherer Satz ein, so möchte man dennoch dem Frieden einfach nicht trauen, wenn die Geigen über dem restlichen Streichorchester flirren. Das Quartett Nummer 8 ist den Opfern von Faschismus und Krieg gewidmet. Da nimmt die Gänsehaut provozierende Klanglichkeit nicht wunder.  Durch das immerwiederkehrende und sehr präzis gespielte  Stakkato vor allem im Largo des vierten Satzes des Opus 110a wird ein ähnlicher Effekt erzielt. Man bekommt das Gefühl, jemand erzähle eine Geschichte, von der man genau weiß, dass das Ende nicht das reine Glück sein kann. Auch wenn es in Phasen immer wieder so scheint.

Die Amsterdam Sinfonietta mit ihrem Dirigenten Lev Markiz spielen die Stücke mit großer Präsenz. Sie verstehen es, die scharfkantigen Stellen klar hervortreten zu lassen und gleichzeitig die schwelgerischen Passagen sanft auszugestalten. Zudem scheinen die Stücke auch in ihrer Dynamik sehr genau durchgearbeitet. Das Ganze freilich vollkommen unverkitscht. Man kann schlecht Urteile für die einzelnen Instrumentengruppen fällen, da vor allem der Gesamteindruck ein hervorragender ist.  Ein übriges tut die Klangtechnik. Die Waalse Kerk ist zwar nicht das unverglichen durchsichtige Amsterdamer Concertgebouw, doch kann man sich auch hier nicht über die Akustik beschweren. Nur wenn man die Anlage sehr laut dreht, fällt an den leisen Stellen auf, dass die Aufnahme noch eine Spur klarer sein könnte. Das Booklet ist sehr schlicht gehalten. Es enthält die wesentlichen Informationen zu den Stücken, dem Orchester und dem Dirigenten. Leider liegt keine deutsche Übersetzung vor. Wie ein Freund von mir zu sagen pflegt: man kann nicht alles haben...

Insgesamt stehe ich fassungslos und sehr bewegt vor diesem Horrorkopfkino. Eine ausgezeichnete Aufnahme.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Kritik von Andrea Potzler,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dimitri: Chamber Symphonies

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Challenge Classics
1
01.07.2004
Medium:
EAN:

CD
0608917213027


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Schostakowitsch, Dimitri


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Dirigent(en):Markiz, Lev
Orchester/Ensemble:Amsterdam Sinfonietta


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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