> > > Albéniz, Isaac: Merlin
Donnerstag, 18. Juli 2019

Albéniz, Isaac - Merlin

Die Geschichte des Mentors


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alles begann mit einer unglücklichen Liebe. Der König von England, Uther Pendragon, liebte Ygerna, die Frau des Herzogs von Cornwell. Da sie jedoch verheiratet war, konnte er sein Begehren nur durch eine List Realität werden lassen. Daher befahl er Merlin, ihm das Aussehen von Ygernas Gatten zu verleihen. In Gestalt des Herzogs verschaffte sich Uther Zugang zu Burg und Bett der Geliebten. Neun Monate später erblickte Artus das Licht der Welt. Kurz nach seiner Geburt starb Ygerna. Merlin nahm sich des Kindes an und brachte ihn zu Sir Kai, der ihn wie einen leiblichen Sohn aufzog. Da Uther nie von der Existenz seines Sohnes erfuhr und auch keine bekannten Nachkommen hatte, blieb der Thron, als er starb, leer.

Geschichte als Retrospektive

Deutlich gezeichnet von diesen Ereignissen zeigt sich die Interpretation von John Dew. Allerdings schließt er nicht lückenlos an diese Vorgeschichte an, sondern nutzt das Prelude um die Geschichte in eine Retrospektive zu verwandeln. Merlin erscheint bereits zu Beginn in weiße, wallende Gewänder gehüllt und klammernd an einen überdimensionalen Zauberstab. Er steht in einem trostlosen, kargen Raum, der die Höhle symbolisiert, in die Merlin zum Schluss der Oper eingesperrt wird. Wie unter Trance wandelt er in der Dunkelheit. Den Großteil seiner Zauberkraft hat er bereits eingebüßt. Lediglich unter Aufbietung seiner letzten Kräfte gelingt es ihm ein Feuer zu entfachen, das sich dann in ein Bildnis von König Artus verwandelt. Merlin erinnert sich an die alte Zeit und plötzlich erscheint Excalibur. Verheißungsvoll greift Merlin nach dem Schwert und steckt es in den Stein, wohl weißlich prophezeiend, dass nur der wahre König Englands es befreien kann.

Karge Zeiten-Karge Kulisse

Bereits an dieser Stelle entzieht Dew allen Wesen ihre magischen Kräfte und lässt sie zu realen Menschen werden. Als realistisch kann man auch die Welt, die Dew zusammen mit seinem Bühnenbildner Heinz Balthes entworfen hat, bezeichnen. Die Bühne bleibt zum größten Teil, dass was sie ist, ein großer leerer Raum. Lediglich der Stein, in dem Excalibur steckt, lässt erahnen, um welche Geschichte es sich handelt. Ergänzt wird dieses Bild durch eine stilisierte Kulisse im hinteren Teil der Bühne: Zunächst in Form eines Gerüsts voller Puppen, die im ersten Akt noch hoffend nach Osten blicken und dann, unter der Herrschaft Artus, erhängt in der Gegend herumbaumeln, alternierend mit einem Wall aus Speeren, die sich im Laufe des Stückes in einen blühenden Wald verwandeln, der für die abschließende Szene gerodet wird.
José Manuel Vazquez zeigt bei der Gestaltung der Kostüme eine große Bandbreite seines Könnens. Merlin, Artus und Genoveva erhalten klassische Kostüme, die man aber, mit Abstrichen, durchaus mit der Zeit König Artus in Verbindung bringen kann, wobei Merlin schon sehr stark an den weißen Zauberer Gandalf aus Tolkins ?Herr der Ringe? erinnert. Den Bösewichten in Form von Nivian, Morgan le Fay und Mordred, verpasst er hingegen ein modernes Punkoutfit mit grünen bzw. roten Strähnen in den Haaren. Das Volk Englands wird zu einem cyber-spacingen Kriegsvolk, das gut einem Krieg der Sterne-Film entsprungen sein könnte.

Gutes Gesangsensemble

Von Sängerseite ist besonders David Wilson-Johnson hervorzuheben, der mit seiner mächtigen und wohl artikulierten Baritonstimme einen sehr weisen Merlin mimt. Hinzu kommt noch ein heroischer König Artus in Form von Stuart Skleton, dessen Höhen sicher und strahlend wirken und eine diabolische und auch stimmlich starke Carol Vaness als Nivine. Lediglich Eva Marton fällt gesanglich etwas aus dem Rahmen. Zwar besitzt sie eine große Bühnenpräsenz und kann die Rolle der Morgan Le Fay auch mehr als nur ausfüllen, doch zeigen sich bei ihr deutlich altersbedingte stimmliche Ermüdungserscheinungen. Ihre Stimme kommt ohne ein sehr starkes Vibrato kaum aus. Dadurch wirkt ihre Interpretation zwar gelungen bösartig, aber auch überdramatisch. Man vermisst an verschiedenen Stellen einschmeichelnde, zart fokussierte Töne, um auch dem hinterhältigen und einschmeichelnden Charakter der Rolle, Ausdruck zu verleihen.

Zwischenspiele mit Ballett

Die langen Zwischenmusiken werden durch ein recht modern und gut agierendes Ballett überbrückt, in das auch die stummen Nebencharaktere Lancelot und Genoveva eingeflochten sind. Mit der Liebe dieser beiden setzt Dew zum Ende seiner Inszenierung einen positiven Schlusspunkt. Anstatt den Zuschauer mit dem tristen anfänglichen Bild des einsamen und gefangenen Merlins zu entlassen, vereint er Lancelot und Genoveva, die sich glücklich in die Arme fallen.

Wundervolles Orchester

José de Eusebio, dem auch die Wiederherstellung von Merlin zu verdanken ist, leitet das Orquestra Sinfonica de Madrid glanzvoll durch die Aufnahme. Man merkt deutlich, wie stark de Eusebio sich mit diesem Werk auseinandergesetzt hat. Er schwört Klangfarben in schier unendlicher Vielfalt und Variation herauf. Zudem besticht sein Dirigat durch einen klaren, gut strukturierter Aufbau mit vielen Spannungsmomenten sowie einer ausgefeilten Dynamik, so dass das Werk besonders durch seine Klarheit überzeugt.

Als Features enthält die DVD Gespräche mit Eva Marton, David Wilson-Johnson und José de Eusebio. Davon ist das Interview mit de Eusebio am aufschlussreichsten und interessantesten, da er viel über seine Arbeit über die Wiederherstellung der Oper erzählt.
Insgesamt ist die Aufnahme sehr hörenswert. Sänger und Orchester zeigen sich von ihrer besten Seite. Die Inszenierung fesselt manches mal, doch wirkt sie vor allem nach dem ersten Akt recht ermüdend und langatmig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:





Kritik von Daniel Hackenberg,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Albéniz, Isaac: Merlin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
26.04.2004
Medium:
EAN:

DVD
0809478000884


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Albéniz, Isaac


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Dirigent(en):Eusebio, José de
Orchester/Ensemble:Orquesta Titular del Teatro Real de Madrid
Interpret(en):Santamaría, Eduardo
Gallar, Federico
Martínez, Juan Tomás
Rodríguez, Ángel
Sierra, Víctor García
Òdena, Àngel
Vaness, Carol
Skelton, Stuart
Marton, Eva
Wilson-Johnson, David


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Opus Arte

Opus Arte ist eines der weltweit führenden DVD-Labels. Spezialisiert auf Oper und Tanz, enthält unser Katalog eine Vielzahl musikalischer Erfahrungen. Angefangen bei der Grand Opera hin zu märchenhaften Balletten, von zeitgenössischem Tanz hin zu Künstlerporträts - und nicht zu vergessen zu einer Party im rückseitigen Garten ihrer Majestät!
Stets ist es unser Bestreben Ihnen kulturelle Ereignisse in bestmöglicher Qualität nach Hause zu bringen. Alle Neu-Veröffentlichungen werden im Widescreen-Format mit True-Surround-Sound und der zusätzlichen Option einer exzellenten Stereo-Tonspur produziert. Interessantes Zusatzmaterial füllt die DVD bis zur Kapazitätsgrenze. Midprice-Serien wie die -La Scala Box- und -Faveo- öffnen den Blick auf klassische Archivaufnahmen von den führenden Opernhäusern der Welt in außergewöhnlicher Qualität. Opus Arte ist immer auf der Höhe der stets schneller voranschreitenden technischen Entwicklung, manches Mal sind wir ihr auch einen Schritt voraus. Bereits vor sieben Jahren begannen wir mit der Produktion in High Definition und verfügen somit über einen sehr großen Katalog an Titeln, der nur darauf wartet veröffentlicht zu werden. Mit -Schwanensee- veröffentlichte Opus Arte als erstes Klassik DVD Label einen Titel im Format HD DVD. Auch ein Besuch unserer Website lohnt stets: Sie erhalten dort aktuelle Nachrichten, Besprechungen, exklusive Fotos, Trailer und zahlreiche Details zu unseren Produktionen aus erster Hand.


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