> > > Prokofiev, Sergej: Cinderella
Samstag, 22. Januar 2022

Prokofiev, Sergej - Cinderella

Liebe zur musikalischen Ironie


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Typisch Prokofiev'sche Instrumentation und seine Liebe zur musikalischen Ironie prägen das gesamte Ballett.

Das, was ich in Cinderella vor allem in Musik setzen wollte, ist die romantische Liebe Cinderellas und des Prinzen, ihr Aufkeimen und ihre Entfaltung, die Hindernisse in ihrem Verlauf und die Erfüllung ihres Traumes, so Prokofievs Erläuterung zu seinem Werk, das zwei für den Komponisten wesentliche Elemente vereint: Nämlich das Märchenhafte - das ihn zeitlebens fasziniert hat - sowie die russische Balletttradition. Das Märchen vom Aschenbrödel, das unter seiner Stiefmutter und den Schwestern leidet, doch zu guter Letzt ihr Glück in der Liebe zu einem schönen Prinzen findet, ist hierzulande hinlänglich bekannt; Prokofievs Vertonung hingegen - gerne als Spätwerk bezeichnet - eher unpopulär.

Waren stilisierte Tänze - besonders Gavotten - schon immer eine Spezialität des Komponisten, beispielsweise in der "Symphonie classique" oder einige Klavierminiaturen, so beweist er dies in Cinderella besonders eindrücklich. Mit der ihm eigenen Lust zur Scharlatanerie entwirft er steife Tänze, in denen man bisweilen die Unbeholfenheit der Ausführenden sehr deutlich zu hören bekommt.

Abgesehen vom dramatischen Aufbau, ging es mir besonders darum, dass das Cinderella-Ballett so viel wie möglich tänzerisch würde, dass die Tänze sich aus der Handlung ergäben, verschiedenartigen Charakters sein und den Tänzern ausreichend Gelegenheit zum Zeigen ihres Könnensbieten sollten. (Prokofiev) Typisch Prokofiev'sche Instrumentation und seine Liebe zur musikalischen Ironie prägen unüberhörbar das gesamte Ballett, dessen musikalische Handlung sich fast ebenso leicht verfolgen lässt, wie die von Peter und der Wolf.

Leider überzeugt die vorliegende Aufnahme nicht gerade durch Inspiriertheit und tänzerische Leichtfüßigkeit. Unsaubere Intonation, fantasielose Bläsersoli, ein Orchester, welches nie exakt zusammenspielt, sowie ein wenig homogener Streicherklang sind offensichtlich Mängel dieser Interpretation. Zudem kann es nicht die Intention des Dirigenten sein, Ballettmusik behäbig klingen zu lassen, nachdem im Beiheft ausdrücklich auf das wenig Sarkastische dieser Musik hingewiesen wird.

Für die musikalische Darstellung eines Märchens wünschte man sich erheblich mehr Klangfarben und raffiniertere Erzählkunst in melodischen Linien. Unvermittelt stellt sich dem Hörer die Frage, ob dieses Werk technisch so schwierig auszuführen ist, oder ob einfach mangelndes Qualitätsbewusstsein die Ursache für diese nicht unbedingt gelungene Produktion ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofiev, Sergej: Cinderella

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.06.2000
116:18
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0761203961023
999 610-2

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Prokofieff, Sergej


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Dirigent(en):Jurowski, Michail
Orchester/Ensemble:WDR Sinfonieorchester Köln


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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