> > > P.D.Q. Bach: The Abduction of Figaro
Montag, 6. Dezember 2021

P.D.Q. Bach - The Abduction of Figaro

Kultivierter Blödsinn


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schon seit über dreißig Jahren zieht Prof. Peter Schickele (University of Southern North Dakota at Hoople) unter seinem Pseudonym P.D.Q. Bach jedwede klassische Musik auf mehr oder minder originelle Weise durch den Kakao. Seine Kunstfigur, die als 21. und jüngster Bach-Sohn in die Geschichte eingehen soll, hat es im Laufe der Zeit zu einiger Berühmtheit gebracht. Sogar eine Biographie seines Lebens von 1807 bis 1742 (!) ist erschienen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören so erlesene Kostbarkeiten wie ‘Schleptet in Es-Dur’, ‘Erotica-Variationen für geächtete Instrumente und Klavier’ oder ‘1712 Overture for really big orchestra’, die überwiegend instrumentale Schöpfungen sind. Aber auch das Musiktheater blieb nicht von ihm verschont. ‘P.D.Q. Bach: The Abduction of Figaro - A simply grand opera’ ist der Titel einer dreiaktigen großen Oper, die im Jahre 1984 in Minnesota uraufgeführt wurde. Jene Darbietung wurde seinerseits mitgeschnitten und nun von VAI auf DVD veröffentlicht.

Zumindest was die Präsentation und die Qualität der DVD angeht, haben sich die Produzenten nicht mit Ruhm bekleckert, denn beides ist absolut mangelhaft. Der ursprüngliche Videomitschnitt wurde einfach auf DVD gepresst, ohne Überarbeitung der Bild- und Tonqualität. So ist das Bild gelegentlich gestört oder der Klang unausgewogen und unnatürlich. Auch die Möglichkeiten des neuen Mediums wurden überhaupt nicht ausgeschöpft. Obwohl die Oper in englischer Sprache gesungen wird, findet sich keine einzige Untertitelspur auf der DVD. Bonusmaterial wie Hintergrundinformationen über Komponisten, Sängerinnen und Sänger ist ebenfalls nicht vorhanden. Enttäuschend!!!
Dafür weiß die aberwitzige Geschichte der Oper ebenso zu überzeugen, wie die Musik. Im Hause des Grafen Almavida liegt dessen Diener Figaro (Arthur Kaemmer) im Sterben. Der Arzt Al Donfonso (Leroy Lehr, der auch als Pasha Shaboom und Papa Geno auftritt), Figaros Gemahlin Susanna Susannadanna (Dana Krueger, auch als Mama Geno zu sehen) und die Bediensteten sorgen sich um den Kranken. Da tritt Donna Donna (Marilyn Brustadt) in Erscheinung, die auf der Suche nach dem betrügerischen Donald Giovanni (Michael Burt) ist. Ihre Dienerin Blondie (Lisbeth Lloyd) verliebt sich auf den ersten Blick in Susannas Untergebenen Pecadillo (Bruce Edwin Ford). Als dann noch Donald Giovanni mit seinem Diener Schlepporello (Jack Walsh) auftritt, dem der Theaterintendant das Singen verboten hat, könnte das Chaos eigentlich perfekt sein, doch es kommt noch besser. Der entflohene Pirat Captain Kadd (Will Roy) entsteigt einer Kiste, in dem Glauben auf einem Schiff nach Kuba zu sein. Nachdem er seinen Irrtum eingesehen hat, entert er kurzentschlossen das Bett Figaros mit demselben und macht sich auf den Weg nach Kuba. Im Verlauf des zweiten und dritten Aktes kann der Zuschauer erleben, wie Donald Giovanni und Pecadillo sich auf den Weg machen, Figaro zu befreien. Dabei kommen sie am Palast Pasha Shabooms vorbei, wo sie auf den Eunuchen Opec (John Ferrante) treffen, Verwicklungen mit ihren Herzensdamen bestehen müssen, ein Ballett zu Beginn des dritten Aktes verkraften müssen und auf die beiden Schweinehirten Papa und Mama Geno treffen. Über das grandiose Finale der Oper sei an dieser Stelle nichts weiter verraten außer, dass es Schlepporello doch gelingt, sich einen musikalischen Auftritt zu erpressen.

Gute zwei Stunden dauert das ganze Spektakel, das sich musikalisch irgendwo zwischen Mozartpersiflage und amerikanischer Musik der Gegenwart befindet. Anspielungen auf existierende Kompositionen lassen sich viele finden, wobei einige erst beim zweiten oder dritten Sehen und Hören in Auge und Ohr springen. Das Orchester unter der Leitung von Prof. Peter Schickele Höchstselbst spielt munter die teilweise irrsinnigen Passagen und die Sängerinnen und Sänger liefern eine so überzeugende Performance ab, dass man sich nie sicher sein kann, ob falsche Töne absichtlich oder aus Unvermögen produziert wurden. Am bemerkenswertesten ist zweifellos die Ernsthaftigkeit aller Beteiligten, die trotz des kultivierten Blödsinns in Handlung und Musik nie die Fassung verlieren, sondern diszipliniert (bis auf Schlepporello...) dem Publikum einen unterhaltsamen Abend bescheren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Regie:




Kritik von Martin Ballmeier,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    P.D.Q. Bach: The Abduction of Figaro

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
17.05.2004
Medium:
EAN:
CD DVD
0089948425199

Cover vergössern

Bach, P.D.Q.


Cover vergössern

Dirigent(en):Schickele, Peter
Orchester/Ensemble:Minnesota Orchestra


Cover vergössern

VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag VAI:

  • Zur Kritik... "Bubbles" at Wolf Trap Festival: Für Fans von Beverly Sills ist dieser - zugegeben kitschlastige - Bühnenmitschnitt ein Muss! Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Fremde, aber reizvolle Ästhetik: Diese Produktion ist technisch mäßig. Schade, denn die Verfilmungen zweier Einakter von Rachmaninow und Rimskij-Korsakow haben einen exotischen Reiz und sind musikalisch überzeugend. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Energiekick für Salzburg: Dieser Schwarz-Weiß-Mitschnitt des ORF bietet eine willkommene Alternative zum optisch weitaus biedereren Festspieldokument von 1966. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von VAI...

Weitere CD-Besprechungen von Martin Ballmeier:

  • Zur Kritik... Tragödie im ¾-Takt: Dafür präsentieren sich sämtliche beteiligten Musiker von ihrer besten Seite. Unter der Leitung von Fabio Luisi singen und spielen Chor und Orchester der Wiener Staatsoper großartig auf. Weiter...
    (Martin Ballmeier, )
  • Zur Kritik... Zeitlos schön: Insgesamt aber wird jede Hörerin und jeder Hörer ihren/seinen persönlichen Favoriten auf dieser hörenswerten Aufnahme selber finden müssen. Es lohnt sich - versprochen! Weiter...
    (Martin Ballmeier, )
  • Zur Kritik... Mit Handbremse: Es handelt sich um gute, teilweise auch überdurchschnittliche, Einspielungen der zwei Kompositionen. Weiter...
    (Martin Ballmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Martin Ballmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bach mit Herz und Seele: Claire Huangci empfiehlt sich mit ihrem neuen Album für weitere Bach-Aufgaben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Nebenschauplatz: Als Klavierkomponist hat Edward Gregson nur bedingt nachhaltige Bedeutung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms ohne Schrei – aber als Trost im Lockdown: Emmanuel Despax realisiert mit engen Vertrauten seinen Jugendtraum, Brahms' 1. Klavierkonzert aufzunehmen. Und liefert eine im Lockdown entstandene Interpretation von 16 vierhändigen Walzern mit Ehefrau Miho Kawashima hinterher. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich