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Samstag, 15. August 2020

Chamber Music of the Viennese School - Berg / Hauer / Apostel / Webern / Eisler / Schönberg / Spinner

Klassentreffen


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es war Anfang des 20. Jahrhunderts, als in Wien Aufbruchstimmung herrschte. Auf zu neuen Ufern, weg von der Tonalität, hin zur Etablierung der Dissonanz. Arnold Schönberg stand im Zentrum einer Bewegung, die sich selbst ?Wiener Schule? nannte und deren Hauptinitiatoren neben ihm selbst Alban Berg und Anton Webern waren. Die Weiterentwicklung der Tonstrukturen hin zu einer Reihe aus zwölf Tönen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen sollten, daran arbeitete man intensiv und diszipliniert, Schüler fanden sich, um von den Großen zu lernen, und ein illustrer Personenkreis entstand, der maßgeblichen Anteil an den weitreichenden Veränderungen in der Musikwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte.

Eine Auswahl von Stücken aus diesem Zirkel hat das Ensemble Avantgarde, namentlich Andreas Seidel (Violine), Matthias Kreher (Klarinette) und Steffen Schleiermacher (Klavier), nun eingespielt und unter dem Titel ?Chamber Music Of The Viennese School? zusammengestellt. Zu hören sind Stücke der Protagonisten, wie Berg, Webern, Hanns Eisler und natürlich Schönberg, aber auch weniger bekannte Komponisten, wie Leopold Spinner und Hans Erich Apostel sind hier vertreten.

Durch die kammermusikalische Instrumentierung wird der Zuhörer nicht sofort beim ersten Hören mit zuviel Klang überfordert, sondern kann sich im transparenten Tongeschehen gut orientieren und sich den typischen Merkmalen dieser Musik zuwenden. Hier sind noch Bezüge zu den Meistern der vorangegangenen Epoche zu hören, nicht nur völlig neue und revolutionäre Klänge erreichen das Ohr. Hans Erich Apostels Sonatina op. 19 für Solo-Klarinette offenbart eine fragile Tonsprache, deren Melodik sich gewiss nicht sofort erschließt, aber für den geduldigen Zuhörer einige Überraschungen, in Form von verschmitzten Phrasierungen, zögernden und fast fragenden Passagen, bereithält.

Hanns Eislers ?Sieben Klavierstücke? wirken fast fragmentarisch. Selten dauern sie länger als eine Minute, bilden aber innerhalb der vorgestellten Komponistengruppe den wohl noch am ehesten harmonisch-melodisch orientierten und tonal zentrierten Part. Insgesamt ist dem Ensemble Avantgarde hier ein schöner Querschnitt durch das musikalische Schaffen der ?Wiener Schule? gelungen. Der Klang der CD ist ausgewogen, transparent und reich an Raum, der den Motiven und oft verhaltenen Stücken viele Möglichkeiten zur Entfaltung gibt. Handwerklich gibt es ebenfalls nichts auszusetzen; auch das Booklet ist übersichtlich gestaltet und bietet ausführliche Informationen in Englisch, Französisch und Deutsch über Komponisten, Epoche und Musiker.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Daniel Röder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chamber Music of the Viennese School: Berg / Hauer / Apostel / Webern / Eisler / Schönberg / Spinner

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
17.05.2004
Medium:
EAN:

CD
0760623121727


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Berg, Alban
Eisler, Hanns
Schönberg, Arnold
Webern, Anton von


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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