> > > Schostakowitsch, Dimitri: The Film Music of Dimitri Schostakowitsch, Vol. 2
Dienstag, 28. Januar 2020

Schostakowitsch, Dimitri - The Film Music of Dimitri Schostakowitsch, Vol. 2

Schostakowitschs unbekannte Kunst


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wenn man an den Namen Schostakowitsch denkt, so verbindet man mit diesem große Sinfonien, gewaltige Opern und innige Kammermusik. Woran man jedoch nicht denkt, ist Filmmusik. Doch auch hier hat Schostakowitsch seinen Spuren hinterlassen. Die Wurzeln hierzu liegen in seinen Jugendjahren. Als junger Mann verdiente er sich zeitweise seinen Lebensunterhalt als Pianist in Stummfilmkinos. Dies war für ihn jedoch eher eine Pflicht als ein Vergnügen.
Auch in späteren Jahren zog es Schostakowitsch nie freiwillig in dieses Genre. Lediglich auf Befehl Stalins begann er sich später erneut der Untermalung von Filmen zu widmen. Dabei ist der Begriff ?Untermalung? sehr bescheiden gewählt, denn jede Filmmusik von Schostakowitsch gleicht eher einer kleinen Sinfonie. Sie enthält vor allem strukturell viele sinfonisch-klassische Elemente und zeichnet sich im speziellen durch zahlreiche Facetten und Nuancen aus, die ihr eine enorme Vielschichtigkeit verleihen. Vermutlich aufgrund dieser Eigenschaften ist Schostakowitsch selbst dazu übergegangen, aus seinen Filmmusiken Suiten zusammenzustellen, die auch selbstständig in einem Konzerthaus gespielt werden können. Aus diesem Fundus von rund vierzig Partituren wählte das Label ?Chandos? für die vorliegende Aufnahme drei Zusammenstellungen aus.

Die Filme

Begonnen wird diese Produktion mit der Suite zu ?Die goldenen Berge?. Im Mittelpunkt des Films steht die Revolution des Jahres 1905, die mit dem Massaker, das als ?Blutiger Sonntag? in die Geschichte eingegangen ist, niedergeschlagen wurde. Im Stück ?Die Hornisse? geht es um das Schicksal eines illegitimen Sohn eines Kardinals, der am Kampf zur Einigung Italiens teilnimmt und schließlich hingerichtet wird. In der abschließenden Suite ?Die Tage von Volovhaev? wird das Schicksal eines Dorfes dokumentiert, das von den Japanern erst zu Propagandazwecken missbraucht und dann niedergebrannt wurde.

Sehr uneinheitlich interpretiert

Bei allen drei Suiten der vorliegenden Aufnahme liefert das BBC Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Vassily Sinaisky eine saubere und technisch einwandfreie Interpretation. Ein Schwerpunkt wird dabei auf Einheitlichkeit und Zusammenhang gelegt. Alle Stücke der Werke ergänzen sich durch klar gestaltete Phrasierungen und deutlich herausgearbeitete Melodienlinien zu einen harmonischen Gesamtbild. Auch die Wahl der Tempi fügt sich hier lückenlos ein, wie sich an der Suite ?Die goldenen Berge? veranschaulichen lässt. Hier entfalten vor allem die schweren und dunklen Töne sowohl in der Einleitung als auch im Largo ihren vollen Glanz, jedoch ohne schleppend oder getragen zu erscheinen. Der Walzer hingegen erscheint schwungvoll, peppig und leicht.
Was beim ersten Werk überzeugt, vermisst man jedoch bereits beim zweiten. Bei der Hornisse herrscht Monotonie, vor allem bei der Wahl der Tempi und der Dynamik. Sinaisky verzichtet auf scharfe Akzente und Kontraste. Dies hat zur Folge, dass das Stück nur gering Form annimmt und der Zuhörer so das Gefühl erhält, die Musik verlaufe sich zu sehr.
Ein weiteres Problem wird bei ?Die Tage von Volovhaev? deutlich. Hier zeigt sich der Preis für die Einheitlichkeit. Schostakowitsch hat zwar eine leichte Melodie für die Untermalung dieses Ereignisses gewählt, doch hat er sie gespickt mit Ironie. Die Leichtigkeit ist klar zu spüren, vom ironischen und karikierenden Charakter fehlt jedoch jede Spur.

Die Einspielung spiegelt deutlich das Potential von Schostakowitsch filmmusikalischen Werken wieder. Allerdings fischt sie, vor allem beim zweiten und dritten Stück, zu sehr im Trüben. Diese gewinnen nur wenig an Struktur; Sinaisky nutzt die vielschichtigen Facetten ungenügend aus. Was sehr verwunderlich ist, da er sie gut und gezielt im ersten Stück zur Geltung gebracht hat. Somit kann diese Aufnahme nach starkem Start nur durchschnittlich überzeugen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Daniel Hackenberg,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dimitri: The Film Music of Dimitri Schostakowitsch, Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
19.04.2004
Medium:
EAN:

CD
0095115118320


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Schostakowitsch, Dimitri


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Dirigent(en):Torchinsky, Yuri
Orchester/Ensemble:BBC Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Sinaisky, Vassily


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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