> > > Schein, Johann Hermann: Israels Brünnlein
Donnerstag, 18. Juli 2019

Schein, Johann Hermann - Israels Brünnlein

Venus bekränzte Lustbrünnlein


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Barockzeit hatte ein Faible für besonders blumige Beschreibungen, Widmungen und Werktitel. Monteverdi bemühte die Buntheit eines Waldes, als er seiner Sammlung geistlicher Musik jedweden Typs den Namen ,Selva morale e spirituale? gab. Melchior Frank beliebte es ein ,Newes Liebliches musicalisches Lustgärtlein? anzulegen und Johann Hermann Schein schließlich nannte seine geistlichen Kompositionen gar ,Venus Kräntzlein? oder ,Israels Brünnlein?. Zweiteres aus dem Jahr 1623 ist eine Sammlung von 26 meist fünfstimmigen deutschen Psalmvertonungen und stellt eines der Hauptwerke des Thomaskantors dar. In seiner Anlage, die italienisches Madrigal mit deutscher Motettenkunst verwebt, ist es ein wichtiger Vorläufer von Heinrich Schütz? ,Neuer Geistlicher Chormusik? von 1648. Wie Schütz erweist sich auch Schein in der deutschen Motettentradition verwurzelt, aber auch als Kenner der jüngsten Moderne, wie sie in Form von konzertierenden Generalbassmusiken oder hochemotionalen Madrigalen aus Italien kam.

Endlich eine Gesamteinspielung

Trotz seiner Bedeutung lag ,Israels Brünnlein? bisher nur in Ausschnitten vor. Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance Bremen besorgen die längst fällige Gesamteinspielung des Werkes bei CPO. Im Unterschied zu den anderen (Teil-) Einspielungen, die sich derzeit auf dem Markt befinden, besetzt Cordes die Stücke nicht chorisch, sondern mit einem kleinen Solistenensemble, das von der Chitarrone gestützt wird. Eine glückliche Entscheidung, wird doch dadurch eines der Hauptmerkmale der Sammlung stärker als bisher bewusst gemacht: der unmittelbare Bezug der Kompositionen zum italienischen Madrigal, das uns heute ebenfalls als eine meist fünfstimmige Solistenkunst gewärtig ist. In den Chorversionen tritt hingegen die madrigalische, affektreiche Musiksprache in den Hintergrund, die Musik wirkt geglättet und unaufregend. Man höre etwa Hans-Christoph Rademachers Dresdner Kammerchor (Carus), um sich von diesen Nachteilen zu überzeugen.

Den Bogen nicht überspannt

In der Version von Weser-Renaissance hingegen blüht die Harmonik Scheins, die sich nicht selten kühn wie in den Madrigalen Monteverdis präsentiert. Und ganz natürlich tritt auch die Wortbezogenheit der Musik zu Tage. Selbst wenn man Schein unterstellte, er habe hier schon auf Grund häufig homophoner Setzweise ganz ,modern? in Akkordfortschreitungen gedacht, so gibt sich die Aufnahme eher wohltuend konservativ, indem sie die lineare Struktur der Einzelstimmen betont. Nun hätte Cordes den Bogen auch überspannen und Schein tatsächlich als späten italienischen Madrigalisten präsentieren können, wenn er die Affekte extremer, die Phrasierung agogischer, die Attacken heftiger und die Artikulation noch deutlicher gewichtet hätte. Nach 20 Vokalsätzen mag man sich das als Hörer sogar wünschen, doch geschieht es nur sehr eingeschränkt. Klar madrigalische Anfänge (,Die mit Tränen säen?) bleiben emotional beherrscht und werden nicht lustvoll ausgekostet. Schein ist eben doch ein deutscher Komponist und Weser-Renaissance verlässt sich zurecht auf das klangliche Ergebnis, das dem Vortrag von sechs mit solcher Musik vertrauten Solisten ohnehin entspringt.
Susanne Rydén und Constanze Backes (Sopran), Marnix De Cat (Altus), Hansjörg Mammel und Knut Schoch (Tenor) sowie Harry van der Kamp (Bass) sind gut aufeinander abgestimmt. Ähnlich klares Timbre, knappes Vibrato und ein offener Stimmklang lassen die Sänger nicht im Zusammenklang aufgehen. Die Stimmführung der Einzelnen bleibt gut hörbar. Die Akustik der Aufnahme ist klar, offen und bietet den Solisten genügend Raum zur Entfaltung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schein, Johann Hermann: Israels Brünnlein

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.06.2004
Medium:
EAN:

CD
0761203995929


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Schein, Johann Hermann


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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