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Samstag, 6. März 2021

Ancient Airs and Dances - Paul O'Dette · Rogers Covey-Crump

Rückkehr zu den Wurzeln


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie viele seine komponierenden Zeitgenossen hatte der Italiener Ottorino Respighi ein waches Interesse an den alten Vorbildern moderner Musikentwicklung, an früheren Stadien volkstümlich geprägter Musik. Besonders wandte er sich der Lautenmusik der Spätrenaissance und des Barock zu, die ihn zwischen 1917 und 1931 zur Komposition dreier Orchestersuiten inspirierte: Die ‚Antiche arie e danze per liuto’ entstanden in einer raffiniert instrumentierten Orchesterfassung und fanden ihr Publikum.

Respighi hatte sich dabei wesentlich von den Arbeiten des italienischen Musikforschers Oscar Chilesotti leiten lassen, der mehrere Sammlungen mit französischer und italienischer Lautenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts edierte und außerdem eine einflussreiche Anthologie der ‚Lautenspieler des 16. Jahrhunderts’ verantwortete.

Wie nun, mag sich der englische Lautenist Paul O’Dette gefragt haben, wie mögen die Originale geklungen haben und worauf stützte sich Respighis Werk? Antworten darauf verbargen sich in manch größerer Sammlung aus der Zeit um 1600, andere Stücke mussten nach Chilesottis Beispielen und Respighis Ausarbeitung wieder für die Laute intabuliert, gewissermaßen zurück übersetzt werden.

Hörbar wurde dabei eine Musik, deren Charakter durch manch orchestrale Geschicklichkeit und farbige Abwechslung in Respighis Komposition ‚verstellt’ war: Die Stücke klangen nun direkter und frischer, ließen wieder deutlicher ihre Bindung an ländlich-folkloristische Vorbilder erkennen, wiesen auf ihre Herkunft aus dem Bereich höfischer Unterhaltungsmusik hin, präsentierten die zu jener Zeit allgemein bekannten Ostinati in ihrer Ursprünglichkeit. Die meist rasche Leichtigkeit der kürzeren Tanzstücke ist dabei nicht mit Belanglosigkeit zu verwechseln, vielmehr basiert sie auf ebenso fantasievollen wie kunstfertigen Variationen. Und das verwundert wenig, wenn der Blick auf einige der zwar heute wenig bekannten aber dafür bei genauerem Hinsehen umso aufschlussreicheren Komponistennamen fällt: So finden wir einen wunderbar zarten Satz von Vincenzo Galilei, der zur Mitte des 16. Jahrhunderts bei dem Theoretiker der Renaissancemusik schlechthin, bei Gioseffo Zarlino in Venedig studiert hatte und später der Florentiner Camerata angehörte, wo er wesentlich zur Herausbildung der Monodie beitrug. Auch der Musikintendant Ludwigs XIII., Antoine Boёsset ist mit einer klangschönen, lautenbegleiteten Vokalkomposition vertreten, während der Lautenkomponist und einflussreiche Theoretiker Jean-Baptiste Besard gar mit einem intimen Zyklus von sechs ‚Airs de cour’ überzeugt.

Lohnenswerte ‚Rückübersetzung’

 

Ganz neu und ungewohnt präsentiert sich das so entstandene Klangbild: Tempi und Dynamik sind dem Rahmen der verwendeten Zupfinstrumente angepasst, deren klangliche Disposition sich ausgewogen und abgestimmt präsentiert. Paul O’Dette überzeugt als kundiger Techniker und Gestalter, der auch in begleitender Funktion präsent bleibt. Eine selbstverständliche, leichte Geläufigkeit unterstützt den direkten, unverstellten Klangeindruck. Dazu agiert die gelegentlich erweiterte Besetzung zurückhaltend und in schöner Balance. Besondere Höhepunkte bilden die vokalen Stücke, in denen der schlanke und klangschöne Tenor Rogers Covey-Crumps edlen Glanz verströmt. Wer ihn bisher lediglich in seiner Eigenschaft als Teil des ‚Hilliard Ensembles’ kannte, mag vielleicht von der überlegenen Gestaltungskraft des Solisten Covey-Crump überrascht sein, dem es souverän gelingt, auch scheinbar ‚langatmige’ strophische Formen mit Leben zu füllen.

Dank der Neuauflage dieser überzeugenden Aufnahme aus dem Jahr 1986 ist es wieder möglich, mit Paul O’Dette, Rogers Covey-Crump und ihren Mitstreitern den Weg zurückzugehen, den Ottorino Respighi einst aus der Geschichte in die Gegenwart ging – und es lohnt, sich darauf einzulassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ancient Airs and Dances: Paul O'Dette · Rogers Covey-Crump

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
17.05.2004
Medium:
EAN:

CD
0034571151465


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Anonymous,
Besard, Jean-Baptiste
Boësset, Antoine
Caroso, Fabritio
Galilei, Vincenzo
Gianoncelli, Bernardo
Molinaro, Simone
Parma, Santino Garsi da
Roncalli, Lodovico


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Interpret(en):Covey-Crump, Rogers
O'Dette, Paul
Covey-Crump, Rogers
Holloway, John
North, Nigel
Thielmann, Christel


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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