> > > Orpheus with his lute: Music for Shakespeare from Purcell to Arne
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Orpheus with his lute - Music for Shakespeare from Purcell to Arne

Leider kaum von Purcell


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Charles II. Von England nach Jahren des Exils 1660 nach London zurückkehrte, war die Restauration eingeläutet: die Wiedereröffnung der seit 1642 geschlossenen Theater war einer der ersten Befehle, die der Herrscher erteilte. Das Interesse, das der König dem Theater entgegenbrachte, wirkte sich auf die künstlerischen Aktivitäten der Theater selbst aus. Nunmehr waren Frauen auf den Bühnen erlaubt und die Theater wurden mit Drehbühnen und technischen Raffinessen, wie einer ausgeklügelten Maschinerie, ausgestattet. Die Bühnenmusik wurde immer mehr integraler Bestandteil jeder Aufführung. Sänger wurden engagiert, Instrumentalensembles eingestellt. Noch während des gesamten 18. Jahrhunderts wurden alle Stücke mit Musik ausgestattet. Das heißt vielmehr: Musik erklang zur Unterhaltung des Publikums vor Beginn der Aufführungen und zwischen den Akten. Zur Zeit der Restauration wurde speziell zu diesem Zweck komponierte Musik gespielt, später kamen italienische Sonaten und Konzerte hinzu. Catherine Bott und The Parley of Instruments unter der Leitung von Peter Holman stellen dieses hierzulande kaum beachtete Randrepertoire vor.

Im Fahrwasser Händels

Viele der hier auftauchenden Komponisten dürften den wenigsten ein Begriff sein: Jeremiah Clarke, John Weldon, John Eccles, Thomas Chilcot, Maurice Greene, Robert Woodcock, Richard Leveridge, John Christopher Smith, Willem de Fesch. Sie alle schrieben um die Zeitenwende zum 18. Jahrhundert und weit bis in jenes Jahrhundert hinein Musik zu den diversen Theaterstücken des Williams Shakespeare. Die meisten stilistisch in manchmal nahezu strenger Anlehnung an die Ariengestaltung Georg Friedrich Händels oder aber Henry Purcells, der gerade mal mit einem einzigen Beitrag vertreten ist. Für ‚The Tempest’ vertonte er um 1674 die Verse ‚Dear pretty youth’. Mehr leider aber auch nicht. Auch Thomas Arne schrieb für verschiedene Theaterproduktionen. Wer ihn nicht kennt: er ist der Komponist von Englands zweiter oder dritter Nationalhymne ‚Rule Britannia’ aus der Masque ‚Alfred’. Es finden sich aber auch Anklänge an die genannten italienischen Konzerte in den Kompositionen der Engländer. Alles in allem also ein womöglich eklektischer Aufguss, den man seinerzeit dem Theaterbesucher einflößte?

Das Mittel für den Dornröschenschlaf

Unfreiwillig demonstriert diese CD paradigmatisch, wie dieser Eklektizismus sich selbst die Mittel für Englands musikalischen Dornröschenschlaf zusammenbraute. Händel und Purcell waren und blieben die Prüfsteine. Eigenständigkeit der musikalischen Produktion versiegte. Trotzdem oder besser: gerade deshalb müht sich Catherine Bott eigentlich recht überzeugend, diese eklektischen Werklein mit ihrem unprätentiösen Sopran zum Leben zu erwecken. Gediegen und ebenfalls unprätentiös wird sie vom Parley of Instruments begleitet. Peter Holman verzichtet auf allzu große Selbständigkeit des instrumentalen Unterbaus, dennoch gehen die Musiker mit dem nötigen Ernst und vorurteilsfrei an die Sache und spielen durchaus engagiert und mit gutem Sinn für gemeinschaftliches Musizieren. Catherine Bott hat die Gabe, ihre Stimme chamäleonartig den Erfordernissen des gesungenen Textes anzugleichen. Flexibel formt sie die Töne und nur vermeintlich hat sie Schwierigkeiten in der Höhe. Das ist Absicht, das ist große Gesangskunst. Mit mal mehr, mal weniger Vibrato klingt sie ordinär, wenn es im Vers ordinär wird, dann wieder brillant, wenn die Musik ariose Passagen erfordert. Botts Duettieren mit der Flötistin Rachel Brown gehört zum Besten, was diese Aufnahmen zu bieten haben.

Im Booklet sind sämtliche Gesangstexte abgedruckt und zusätzlich mit dem Hinweis auf das jeweilige Stück versehen. Selbst Quellenangaben fehlen nicht.

Für Entdecker eines Randrepertoires.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Orpheus with his lute: Music for Shakespeare from Purcell to Arne

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
17.05.2004
Medium:
EAN:

CD
0034571174501


Cover vergössern

Arne, Thomas Augustin
Chilcot, Thomas
Clark, Jeremiah
Eccles, John
Fesch, Willem De
Greene, Maurice
Leveridge, Richard
Purcell, Henry
Smith, John Christopher
Weldon, John
Woodcock, Robert


Cover vergössern

Dirigent(en):Holman, Peter
Interpret(en):Bott, Catherine


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Vaughan Williams für das 21. Jahrhundert: Martin Brabbins bezaubert mit Vaughan Williams' Pastoral Symphony. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klanggewordene Kirchenfenster: Zum 70. Geburtstag der englischen Komponistin Cecilia McDowall legt Hyperion eine repräsentative Auswahl ihrer Chormusik vor. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterlich: Heinrich Isaac strahlt mit seiner Kunst über jede kleinliche Einordnung weit hinaus. Und auch Cinquecento wandelt wie auf etlichen Platten zuvor auf einer ganz besonderen Höhe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Erik Daumann:

  • Zur Kritik... Packende Symphonik: Sakari Oramo legt, trotz diskographisch enormer Konkurrenz, mit Elgars Erster Symphonie eine Referenzaufnahme vor. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Fern der tödlichen Realität: Flautando Köln lässt die Tudor-Rose erblühen – nicht in der Farbe des Blutes, sondern im Zeichen eines differenzierten Blicks auf eine musikalisch reiche Epoche. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Rustikale Schönheiten: Die tschechische Aufnahme des 'Spalicek' von Martinu überzeugt durch farbig-markante Spielfreude aller Beteiligten. Weiter...
    (Erik Daumann, )
blättern

Alle Kritiken von Erik Daumann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Unentschlossenes Konzept: Dvořáks 'Rusalka' vom Glyndebourne Festival. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Vergessene Interpretationskunst: Auf 5 CDs wird der französischen Pianistin Yvonne Lefébure gedacht – eine Entdeckung auch für Kenner historischer Aufnahmen. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Ohne Schlacken: Eine rundum schöne Advents- und Weihnachtsplatte: Im besten Sinne zugänglich und stimmungsvoll, dabei von Gewicht und künstlerischer Substanz. Auch in dieser Saison kann es mit The Sixteen feierlich weihnachten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich