> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte
Freitag, 22. November 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Zauberflöte

Zeitlos


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Operninszenierung für eine DVD-Veröffentlichung auszuwählen ist gerade bei einem Werk wie Mozarts ?Zauberflöte? nicht leicht, ist doch allein die Menge der qualitativ hochwertigen schier unüberschaubar. Da man im Falle des neuesten Produkts von Arthaus-Musik auf eine Inszenierung aus den 70er Jahren zurückgegriffen hat, stellt sich die dringende Frage: Kann diese Aufführung auch dem heutigen Opernpublikum gerecht werden oder ist sie nur mehr ein Museumsstück?
Diese Aufnahme ist zunächst deshalb von Interesse, weil sie eine von mehreren erfolgreichen Zusammenarbeit des Regisseurs John Cox mit dem bekannten englischen Künstler David Hockney ist. In diesem Falle gestaltete sich die Kollaboration jedoch schwierig, denn beide waren an verschiedenen Orten engagiert und konnten ihre Ideen kaum aufeinander abstimmen: Cox musste daher seine Inszenierung in ein fertiges Bühnenbild einfügen. In den Grundzügen ? Märchenallegorik mit Gut gegen Böse und Chaos gegen Ordnung ? waren sich beide einig, und lediglich die zusammengewürfelten Kostüme entbehren einer deutlichen Bildsprache. Lächerlich, fast peinlich, wirkt lediglich der Pappdrache, der zu Beginn des Stückes auf zwei Beinen herantorkelt.

Schwächer als die Inszenierung ist die musikalische Umsetzung des Werkes, denn schon die Besetzung ist lediglich durchschnittlich bis gut. Die Hauptrollen sind mit Leo Goeke (Tamino) und Benjamin Luxon (Papageno) recht anständig besetzt: Goeke brilliert mit klangvollen Vokalen und mit einem rundem, hellem Timbre, verliert allerdings in den Höhen an Volumen. Luxons wenig durchdringende Stimme, die in Duetten häufig übertönt wird, gewinnt durch die schönen Phrasen und die stufenlosen Übergänge zwischen Sprechen und Singen, was dem ?Vogelfänger? doch sehr gerecht wird. Bei den Damen stiehlt Felicity Lott als Pamina ihrer Kollegin May Sandoz (Königin der Nacht) die Schau: mit weicher, sanfter Stimme, wunderbar süßlichen Phrasen und nicht zuletzt mit gefühlvoller dynamischer Nuancierung ist jeder ihrer Parts ein gesanglicher Höhepunkt. Sandoz hingegen glänzt in der berühmten Koloratur der Königin lediglich matt und gibt sich zwar kraftvoll und sensibel zugleich, kann Lott aber kaum das Wasser reichen. Thomas Tomaschke begeistert dagegen als ruhiger, beseelter Sarastro, der leider in den tieferen Lagen leider kaum, viel eher jedoch in den höheren zu einer tragfähigen Stimme gelangt. In den Nebenrollen sind Elizabeth Conquet als Papagena, die das Publikum im Pa-Pa-Duett entzückt, und John Fryatt, der mit sprechorientiertem Gesang einen grimmigen Monostatos gibt, bemerkenswert. Schauspielerisch wird meist nur wenig geboten: die Sänger sind, abgesehen von ihren Stimmen und ausdrucksvollen Gesichtern, meist ziemlich versteinert. Der Chor (Glyndebourne Chorus) wiegt sich im Schönklang dazu, und der Dirigent Bernhard Haitink gibt sich mit seinem Orchester bescheiden, tritt er mit sachten Tempi und nur seltenen Spitzen fast in den Hintergrund vor der mächtigen Inszenierung.

Mit transparentem Klang, farbechter Bildqualität und bestechenden Nahaufnahmen kann diese DVD technisch ebenfalls überzeugen. Dazu informiert ein Libretto eingehend über Werk, Inszenierung und Interpreten. Wer sich an einer zeitlosen Inszenierung erfreut, dem sei diese DVD empfohlen; Zauberflötenliebhaber seien jedoch auf musikalisch höherwertige Aufnahmen verwiesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:





Kritik von Torsten Roeder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
14.06.2004
163:00
1978
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD DVD
0807280108590
101 085


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Mozart, Wolfgang Amadeus


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Dirigent(en):Haitink, Bernard
Orchester/Ensemble:Liverpool Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Lott, Felicity
Goeke, Leo
Luxon, Benjamin
Thomaschke, Thomas
Sandoz, May


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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