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Samstag, 7. Dezember 2019

Works for Oboe and Flute - Bellini - Molique - Moscheles - Rietz - Vivaldi

Besser spät als nie


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alte Quadrophonieaufnahme (1975) mit dem Oboisten Heinz Holliger neu herausgebracht - in 4.0-Qualität auf SACD. Passable, wenn auch nicht perfekte Übertragung.

In der Reihe ‚Remastered Quadro Recordings’ (kurz RQR) des Labels PentaTone erscheinen auf Super-Audio-CD zahlreiche Aufnahmen, die seinerzeit – im vorliegenden Fall Mitte der 1970er Jahre – in einem frühen Raumklangverfahren, der Quadrophonie, aufgenommen wurden. Das System war damals, wo es an geeigneten Abspielsystemen in der Bevölkerung mangelte, jedoch zum Scheitern verurteilt. Zum Glück wurden die alten Bänder verwahrt, so dass heute, wo mit Home-Cinema-Systemen und der hybriden SACD, die auch für den normalen Stereo-Hörer abspielbar ist, das nötige Instrumentarium endlich gegeben ist, den alten Aufnahmen eine zweite Chance gewährt werden kann. So wundert es dann auch nicht, dass man im Booklet mehr über die Aufnahmetechnik und die vorliegende Rekonstruktion erfährt als über Komponisten, Werke und Interpreten.

Oboenkonzerte

1975 hat der Ausnahme-Oboist Heinz Holliger verschiedene unbekannte Oboenkonzerte von Komponisten verschiedener Epochen eingespielt; begleitet wurde er im Falle zweier Vivaldi-Konzerte (op. 7 Nr. 1 RV 465 und 7 RV 464, beide in B-Dur) von I Musici, ansonsten vom Frankfurter Radio-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Eliahu Inbal. Die Konzerte sind im Einzelnen das kurze Concerto Es-Dur des italienischen Opernkomponisten Vincenzo Bellini, das hochvirtuose Concertino g-Moll von Bernard Molique sowie das Konzertstück f-Moll op. 33 von Julius Rietz. An zentraler Stelle steht jedoch die Concertante F-Dur für Flöte, Oboe und Orchester von Ignaz Moscheles, die einmal mehr beweist, dass dieser Komponist völlig zu Unrecht als oberflächlicher Tastenvirtuose abgestempelt wird. Das Stück, bei dem Holliger von Aurèle Nicolet unterstützt wird, lässt etwa das nachfolgende Konzertstück Rietz’ geradezu blass erscheinen. Faktisch handelt es sich übrigens um eine Oboenplatte – der Titel ‚Werke für Oboe und Flöte’ sowie die gleichrangige Nennung des Flötisten könnten den Käufer in die Irre führen.

Engagierte Interpretation

Die Interpretationen sind auch heute, nach etwas mehr als 30 Jahren, noch akzeptabel; insbesondere was die brillante Leistung der Solisten angeht, gibt es wirklich nichts zu mäkeln. Dass die Aufnahmen nicht mehr ganz taufrisch sind, hört man insbesondere am Orchesterklang, der zwar das große Engagement und die grenzenlose Spielfreude der Musiker nach wie vor transportiert, dabei aber eine gewisse Breite und Sättigung aufweist, die dem heutigen Schlankheitsideal zuwiderläuft. In technischer Sicht steht jedoch alles zum Besten, und der forsche Zugriff Inbals lässt so manches vergessen, so dass man sich nach wie vor problemlos in die Aufnahme einhören kann; die beschriebene Abweichung im Klangideal ist dann ja auch in erster Linie Geschmacksfrage und keineswegs sakrosankt. Der Eindruck der Breite wird dabei durch den Kirchenraum nicht unwesentlich verstärkt; das Klangbild ist zwar erstaunlich rein, dafür aber auch naturgemäß recht weiträumig und verhallt. Bei den ohnehin schlanker besetzten I Musici kommt das Problem, da hier nicht in einer Kirche musiziert wurde, nicht zum Tragen.

Technische Umsetzung

Die Umsetzung der Bänder in quadrophoner Technik scheint nicht unproblematisch zu sein. Man hat sich bei PentaTone dazu entschlossen, den im originalen Quadrophonie-Verfahren nicht berücksichtigten Center-Lautsprecher genauso wenig anzusteuern wie den Subwoofer – das Resultat ist demnach ein 4.0-Surround. So weit ist das absolut vernünftig. Bei den mit dem Frankfurter Radio-Orchester aufgenommenen Konzerten fällt aber auf, dass die hinteren Lautsprecher vergleichsweise viel abstrahlen – deutlich mehr etwa als bei handelsüblichen SACDs. Das führt dazu, dass ein plastischer Klangeindruck nur bei guter und sorgfältiger Positionierung von Lautsprechern und Hörer eintritt, ansonsten kann es leicht geschehen, dass man den Solisten von mehreren Seiten hört, was nicht im Sinne des Erfinders ist. Zudem fällt auf, dass die raumklangliche Position Holligers ab und an etwas schwankt, was einen kuriosen Effekt hat. Die Vivaldi-Aufnahmen scheinen in Balance und Umsetzung doch besser geraten zu sein. Hört man lediglich Stereo, fällt – auch wieder bei den Frankfurter Konzerten – die leichte Tendenz der Solisten auf, im Orchesterklang unterzugehen, wobei das nicht durchgehend zu beobachten ist und den Flötisten Aurèle Nicolet eher weniger betrifft. Allerdings wird man diese Platte wohl eher kaufen, wenn man sich für Quadrophonie und deren verspätete technische Umsetzung interessiert, wenngleich Werke wie Moscheles’ Concertante völlig unabhängig davon nach wie vor eine Entdeckung wert sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Works for Oboe and Flute: Bellini - Molique - Moscheles - Rietz - Vivaldi

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:

SACD


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Bellini, Vincenzo
Molique, Bernard
Moscheles, Ignaz
Rietz, Julius
Vivaldi, Antonio


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Dirigent(en):Inbal, Eliahu
Orchester/Ensemble:Frankfurt RSO
Interpret(en):Holliger, Heinz


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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