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Samstag, 25. September 2021

Duruflé, Maurice - Complete Organ Works

Alles auf einer Platte


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es könnte stutzig machen, wenn das gesamte Orgelwerk eines ausgewiesenen Organisten unter den Komponisten auf einer CD Platz findet. Zumindest geht es doch wohl ganz offenkundig um eine schmales Œuvre – doch ist das in diesem Falle ein zumindest voreiliger Schluss. Denn das kompositorische Gesamtwerk des 1902 im normannischen Louviers geborenen Duruflé umfasst insgesamt nur 14 Opuszahlen, die er seinem eigenen, überaus hohen Qualitätsanspruch quasi abtrotzen konnte. Die Prägung seiner Lehrer Dukas, Vierne und Tournemire ließ keine Leichtfertigkeiten zu. Seine frühe Schulung an der Strenge gregorianischer Klänge in der Kathedrale zu Rouen tat ein Übriges, um ihn weit entfernt von Leichtsinn, Kurzatmigkeit und Vielschreiberei arbeiten zu lassen.
Nun zeichnen sich Duruflés Kompositionen für Orgel nicht nur durch formale Strenge, konsequente Grundlegung gregorianischer Choräle und komplexe rhythmische Strukturen aus – all das prägt vor allem die größeren Orgelwerke, zweifellos ja: Aber ebenso lässt er etwa im Prélude seiner Suite op. 5 die Musik in ganz freier Anlage strömen, findet er in kürzeren Stücken zu fließenden Melodieführungen und beinahe sphärischen Harmonisierungen.

Eine ‚runde Sache’

Um nun eine solche Aufnahme mit durchaus heikler und delikater Musik gelingen zu lassen, müssen sich Instrument und Interpret auf höchstem Niveau begegnen. Das geschah, unter der Ägide und in der bekannten Qualität des Labels ‚cpo’ bei dieser technisch hervorragend realisierten Platte. Der Göttinger Organist Friedhelm Flamme wusste die fabelhaften Möglichkeiten der erst im Jahre 2000 fertig gestellten – und in Frankreich preisgekrönten – Orgel der Straßburger Manufacture d’Orgues Mühleisen trefflich zu nutzen. Er beweist nicht nur große Virtuosität, sondern auch ein souveränes Klangempfinden, ganz den Erfordernissen der Musik Duruflés entsprechend. Die reichen Ressourcen des Instrumentes nutzt er dazu mit großer Übersicht und klug disponierend.
Tempi in größter Bandbreite, Wechsel von drängenden und entspannten Passagen, dazu eine dank des Schwelltrittes bruchlos durch alle Nuancen geführte Dynamik überzeugen vom gestalterischen Potential Flammes, der die stilistischen Grundlagen der Musik fein herausarbeitet und dabei der kompositorischen Strenge ebenso wie der Phantasie Duruflés Raum zur Entfaltung gibt.
Das in 50 Registern auf drei Manualen und Pedal konzipierte Instrument in der Bad Gandersheimer Stiftskirche integriert eine romantische Basis in ein Konzept, das durchaus auch die klassische und barocke Orgelmusik im Blick hat. Die weichen Register sind im Klang sehr präsent, gleichwohl sehr mischungsfähig und werden durch stärker zeichnende Stimmen ergänzt. Besonders geglückt scheint das Schwellwerk (Récit), dessen ‚Voix Céleste’ oder ‚Flûte harmonique’ den Klangrahmen der vorliegenden Aufnahme vor allem mitprägen.

‚Rund’ wird die Sache durch ein instruktives, ansprechend gestaltetes Booklet, das der Vorstellung des Instrumentes große Aufmerksamkeit widmet und im gelungenen Einführungstext – fast nebenbei – den Interpreten auch als kundigen Experten dessen vorstellt, was er musizierend präsentiert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Duruflé, Maurice: Complete Organ Works

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.04.2004
Medium:
EAN:

SACD
0761203704224


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Duruflé, Maurice


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Interpret(en):Flamme, Friedhelm


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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