> > > Rachmaninoff, Sergej: Symphony No. 2
Dienstag, 9. August 2022

Rachmaninoff, Sergej - Symphony No. 2

Mütterchen Russlands gesammelter Weltschmerz


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Gründung des Budapest Festival Orchestra im Jahre 1983 gehört zu Iván Fischers großen Verdiensten zur Förderung osteuropäischer Musik. Mittlerweile kann Fischer auf zahlreiche gemeinsame Aufnahmen mit ,seinem' Orchester zurückblicken. Welche Qualität der Klangkörper mittlerweile erreicht hat, zeigen nicht zuletzt die vielen Auszeichnungen für die Bartók- und Liszt-Einspielungen unter der Leitung Fischers. Die vorliegende Rachmaninoff-SACD mit der 2. Symphonie und der Vocalise op.34 No.14 steht diesen um nichts nach.

Melodischer Reichtum

Die 1907 in Dresden entstandene 2. Symphonie mit ihren üppigen Klangfarben und melodischen Reichtum zählt zu den bekanntesten Werken Rachmaninoffs. Das verträumte und melancholische Stimmungsbild, das vor allem die langsamen Sätze 1 und 3 vermitteln, und der russische Nationalcharakter der Melodien, verleitete die Presse zu dem sarkastischen Untertitel ‘Mütterchen Russlands gesammelter Weltscherz in e-Moll’. Die viersätzige Symphonie besticht durch eine vielseitige melodische Entwicklung und filigran gearbeitete polyphone Sätze.

Detailtreue

Bereits im ersten Satz wird deutlich, dass Fischer um größtmögliche Detailtreue bemüht ist und daher vor allem der Dynamik ein sehr großes Gewicht beimisst. Er erliegt nicht der Versuchung wie etwa André Previn oder Vladimir Ashkenazy, die Anfangstakte des Largo lauter als vorgezeichnet zu spielen. Stattdessen hält sich Fischer streng an das Pianissimo, das den tiefen Streichern zu Beginn von Rachmaninoff zugewiesen wurde. Auch in den folgenden Passagen sind die dynamischen Verhältnisse unglaublich präzise eingehalten. Trotz dieser fast pedantisch anmutenden Spielweise leidet keineswegs die Leidenschaftlichkeit der Interpretation darunter. Die Sätze gewinnen unter Fischers Leitung deutlich an Ausdruckskraft und lassen einzelne Instrumentengruppen sehr gut hervortreten. Der zweite Satz im Allegro molto unterstreicht dies dadurch, dass beispielsweise ein piano gegenüber einem pianissimo hervorsticht, ohne dass das piano dafür laut werden müsste. Überhaupt ist die Balance der Instrumentengruppen hervorragend.

Weicher Klang

Im Unterschied zu der ebenfalls ausgezeichneten Aufnahme André Previns mit dem London Symphony Orchestra (1973), fällt besonders in den Allegro-Sätzen auf, dass der Klang der Instrumente des Budapest Festival Orchestra deutlich weicher und fülliger klingt. Dadurch wirken die schnellen Sätze bei Fischer etwas sanfter, allerdings ausschließlich hinsichtlich des Klanges. In Bezug auf Tempo und Lautstärke sind sie durchaus vergleichbar mit denen Previns. Der etwas andersartige Klang ist aber nicht unbedingt ein Nachteil gegenüber der direkteren und komprimierter wirkenden Previn-Aufnahme, denn gerade dem lieblichen Adagio der Symphonie und dem ebenso gefühlvollen Lentamente der Vocalise kommt der weichere Gesamteindruck des Budapest Festival Orchestras zugute.

Außergewöhnliche Dynamik

Iván Fischers Einspielung der 2. Symphonie und der Vocalise op34, Nr.14 Rachmaninoffs mit dem Budapest Festival Orchestra ist zwar nur eine unter vielen weiteren, ragt aber durch die außergewöhnliche Akribie bezüglich der Dynamik, eine ausgezeichnete Phrasierung und einen vorzüglichen Surroundklang hervor und ist daher eine Bereicherung für jede CD-Sammlung. Das dreisprachige Booklet ist sehr informativ.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: Symphony No. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Channel Classics
1
10.06.2004
64:35
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
723385216049
CCS 21604


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Rachmaninoff, Sergej


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Dirigent(en):Fischer, Iván
Orchester/Ensemble:Budapest Festival Orchestra


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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