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Sonntag, 29. März 2020

Bach, Johann Sebastian - Die Kunst der Fuge

Adolphe Sax trifft Bach


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Weich und gefühlvoll eröffnet Christoph Hemingway das markante Thema der ersten Fuge mit seinem Alt Saxophon.

Auf dieser SACD präsentiert das New Century Saxophone Quartet die letzten kontrapunktischen Kompositionen (1740-1750) Johann Sebastian Bachs, die nach seinem Tode von Sohn Carl Philipp Emanuel Bach unter dem Titel ‘Die Kunst der Fuge” BWV1080 erschienen. Das New Century Saxophone Quartet spielt Bach Werke in der üblichen Quartett-Besetzung Sopran, Alt, Tenor und Bariton. Die Stimmverteilung sowie der einzelne Stimmumfang fügt sich, von Bach wohl vorausschauend gesetzt, sehr harmonisch zusammen. Nur wenige Passagen mussten umgeschrieben werden um die originale Tonart (d-Moll) beizubehalten.Weich und gefühlvoll eröffnet Christoph Hemingway das markante Thema der ersten Fuge mit seinem Alt Saxophon. Diese musikalische Idee in d-Moll windet sich in 19 Varianten durch das gesamte Werk bis es im letzten, dem unvollendeten Contrapunctus #19 abrupt abbricht. Melodisch einfach und transparent gehalten (Quintsprung mit Sekund-Abgang), rhythmisch tragend und klar zieht es den Zuhörer sofort in seinen Bann. Die ausgesprochen saubere und exakte Intonation verschmilzt mit der sanften Melodik zu einem zauberhaften Klang. Bestimmt und doch so schwebend liegt er umgeben von den Mauern einer idyllischen kleine Kapelle im Ohr. Die weiteren Stimmeinsätze im Sopran, Bariton und Tenor fügen sich anschmiegsam in das polyfone Gesamtbild dieses ersten Kontrapunktes ein und erschaffen ein mehrdimensionales aber außergewöhnlich transparentes Klangbild. Der Cantus Firmus ist durchgängig gut wahrzunehmen und gibt dem Hörer auch bei führenden Stimmwechseln nicht den Eindruck einer sich in den Kontrapunkten verlaufenden melodischen Entwicklung.Die Reihenfolge der Fugen ist leicht verändert und auf die Nummer 18 musste aus Platzgründen vollständig verzichtet werden. Contrapunktus #17 konnte ebenfalls nicht aufgenommen werden, da diese Fuge für zwei Sopran und zwei Bariton Stimmen geschrieben ist, was nicht nur für Saxophone eine äußerst schwierige Herausforderung ist. Angehängt an die unvollendete Fuge ist der Choral ‘Wenn wir in höchsten Nöthen sein” (BVW668a). Carl Philipp Bach wähle dieses Orgelpräludium in der ersten gedruckten Ausgabe um den Käufern nicht das Gefühl eines unvollendeten Werkes zu geben. Das Booklet ist mit aufschlussreichen Informationen zur Entstehung dieser Produktion versehen (leider nur auf Englisch). Die Entwicklung des New Century Saxophone Quartet, die langjährige Arbeit mit den kontrapunktischen Werken Bachs, die intensive Zusammenarbeit mit dem Barock-Spezialisten und Flötisten Stephen Preston, sowie die unterschiedlichen Aspekte der Interpretation werden angesprochen. Denn der Notentext im Original enthält so gut wie keine Informationen zu Tempo, Phrasierung und Dynamik. Somit ist es von der Qualität der Musiker und ihrer persönlichen Anstrengung abhängig, eine möglichst ‘authentische” bzw. überzeugende Interpretation zu gestalten. Dem New Century Saxophone Quartet gelingt dieses Anliegen außerordentlich einfühlsam. Die räumliche Transparenz bilden verbunden mit der technischen Perfektion der Musiker ein rundum überzeugendes Klangbild. Nicht nur durch diese einzigartige Komposition, sondern auch ihrer Interpretation und die durchaus überzeugende Instrumentation des New Century Saxophone Quartet zeigen die Unabhängigkeit Bachscher Werke von Raum und Zeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Steffen Dreyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Die Kunst der Fuge

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Channel Classics
1
10.06.2004
77:45
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
723385202042
CCS 20204


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Bach, Johann Sebastian


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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