> > > Ye, Xiaogang: the last paradise - winter - pipa concerto - horizon symphony no. 2
Sonntag, 22. Juli 2018

Ye, Xiaogang - the last paradise - winter - pipa concerto - horizon symphony no. 2

Klingender west-östlicher Divan


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Während China sich als künftige Wirtschaftsmacht allmählich zu positionieren beginnt, lässt sich das künstlerische Potential, welches das Land der Mitte in sich birgt, momentan höchstens erahnen. So haben es bisher nur einige wenige Komponisten zeitgenössischer chinesischer Musik geschafft, eine gewisse Aufmerksamkeit im internationalen Musik-Betrieb zu erregen. Der prominenteste unter ihnen ist zur Zeit sicherlich Tan Dun, dessen Werk von namhaften Künstlern wie dem Kronos Quartet oder Star-Cellist Yo-Yo Ma aufgeführt werden.

Ein weiterer wichtiger Wegbereiter und Förderer zeitgenössischer Musik aus China ist neben Tan Dun der Komponist Xiaogang Ye. 1955 in Peking geboren, hegt Xiaogang Ye bereits in jungen Jahren den Wunsch Pianist zu werden. Seine künstlerischen Ambitionen werden jedoch zunächst aufgrund der in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in China einsetzenden landesweiten Kulturrevolution ein jähes Ende bereitet. Er wird zum Arbeitsdienst abgestellt.
Erst Ende der 70er Jahre erhält er wieder Gelegenheit, sich intensiv dem Musik-Studium zu widmen. So studiert er von 1978 bis 1983 Komposition am Zentralen Konservatorium für Musik in Peking. Besonders die Russische Sinfonik, die klassisch-romantische Musik Europas aber auch die traditionelle Musik seines eigenen Landes stehen dabei im Mittelpunkt, was entscheidenden Einfluss auf das persönliche Werk haben wird. Ein Stipendium ermöglicht es ihm 1987 für einige Jahre in die USA zu gehen. Seitdem ist Xiaogang Ye zu einem ständigen Pendler zwischen Ost und West geworden. Der Zustand des Pendelns zwischen den Kulturen veranschaulicht dabei zugleich die künstlerische Arbeitsweise des Komponisten.

?The Last Paradise? (Wergo) bietet eine reizvolle Einführung in das kompositorische Schaffen Xiaogang Yes, zumal alle hier vertretenen Kompositionen als Ersteinspielungen vorliegen. Ungemein elegant versteht es der Komponist, westliche und östliche Musiksprache zusammenzuführen. So vermag man bei den beiden Kompositionen ?The Last Paradise? (op.24, 1993) für Violine und Orchester und ?Winter?(op.28, 1988) für Orchester überhaupt keine offensichtlichen Bezüge zur chinesischen Musik wahrzunehmen.
Vielmehr steht gerade das Violin-Konzert deutlich in der europäischen Kompositions-Tradition. Die programmatische Titulierung findet sich dabei ebenfalls im musikalischen Ausdruck wieder. Forsch-energisch macht sich hier die Violine des Solisten Wei Lu auf die musikalische Reise zum ?Letzten Paradies?, wobei sich immer wieder ein mächtiger Orchester-Apparat in den Weg stellt. Auch im Orchesterstück ?Winter? wird das allmähliche Herannahen der vierten Jahreszeit musikalisch erfahrbar gemacht. Vage zitierte Musikstrukturen werden immer kompakter und beginnen den Raum auszufüllen.

Mit dem ?Pipa Concerto? (op.31, 2001), einer Auftragsarbeit für den Saarländischen Rundfunk, setzt der Komponist deutlichere ?chinesische? Akzente. Dennoch hat er es in dem dreiteiligen Werk für die traditionelle chinesische Laute Pipa nicht darauf abgesehen, im Arrangement die verschiedenen Musik-Kulturen gegeneinander auszuspielen. Vielmehr kommt es zu einem aufmerksamen Zusammenspiel der Pipa-Virtuosin Man Wu und dem Orchester, wo der eine den musikalischen Impuls des anderen aufnimmt und mit den eigenen Möglichkeiten weiterträgt.
Die CD schließt mit Xiaogang Yes zweiten Sinfonie ?Horizon?(op. 20, 1984/85), einem nur einen Satz umfassenden großangelegten apokalyptischen Abgesang fernöstlicher Vorstellung für Sopran, Bariton und Orchester. Ein ?antiphonaler Dialog zwischen Sopran und Bariton?, vorgetragen in chinesischer Sprache, dient den Solisten Yanyan Wang und Song-Hu Liu dabei als formale Grundlage. Zudem wird die inhaltlichen Dramatik des Textes durch die Erweiterung der üblichen sinfonischen Orchesterstärke um eine zusätzliche Hörner- als auch Perkussions-Sektion weiter verstärkt.

Sicherlich ist Xiaogang Yes Musik mit gewissen Zugangsbeschränkungen behaftet. Was dennoch einnimmt, ist neben den solistischen Leistungen die beeindruckende Arbeit des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken unter Leitung von Yi Zhang und Günther Herbig. Deutlich hörbar ist die Spielfreude und die Bereitschaft, sich mit den Kompositionen auseinander zusetzen, was auch beim Zuhörer ankommt. Abgerundet durch eine sehr gute Aufnahmequalität und ein informationsreiches Beiheft zum Werk des Komponisten ist diese CD als Einstieg in die zeitgenössische Musik Chinas zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Christoph Jacobs ,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ye, Xiaogang: the last paradise - winter - pipa concerto - horizon symphony no. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.06.2004
EAN:

4010228664621


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Ye, Xiaogang


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Dirigent(en):Herbig, Günther
Zhang, Yi
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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