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Montag, 6. Dezember 2021

Rachmaninoff, Sergej - Complete Works for Cello and Piano

Umweltgefährdender Cello-Schmelz


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sind Sie verliebt? Haben Sie Liebeskummer? Möchten Sie auf der Wiese liegen und bei schöner Musik in den blauen Himmel schauen? Möchten Sie im Bett liegen bleiben und im Fenster das schlechte Wetter begutachten? Trifft nichts davon auf Sie zu? Egal, diese Kompletteinspielung der Werke für Cello und Klavier von Rachmaninov ist und bleibt eine deutliche Empfehlung – auch außerhalb der möglichen emotionalen Rahmenumstände.
Für diese erste originale Einspielung haben sich zwei führende Musiker der russischen Musik gefunden: Alexander Iwaschkin als höchst versierter und klangschöner Cellist auf einem Guarneri-Instrument von 1710, und sein mehr als ebenbürtiger Partner, der renommierte Rustem Hayroudinoff, der sich längst als großer Pianist etabliert hat.

Ganz den Erwartungen an eine Rachmaninov-Cello-Platte entspricht auch der Klang dieser CD. Er ist makellos durchsichtig und derart direkt aufgenommen, dass manchmal sogar bei genauem Hinhören das Anspringen des Tons auf der Cellosaite mitzuerleben ist. Einziges Manko ist das schnaubende Verinnerlichen der Musik durch Iwaschkin. Seufzend und brummend ‘erfreut’ er sich an Melancholie und Tragik, so dass so manch schöner Einsatz mit seiner Stimme verstärkt wird.
Hayroudinoff am Steinway macht diese kleinen Fehl-Eindrücke jedoch schnell mehr als wett und zeigt wieder einmal, wie wichtig und bereichernd ein herausragender Partner bei derartiger Sololiteratur ist. Mit Iwaschkin zusammen passt er sich den intimen Passagen der Werke an, weiß aber genauso gut große, imposante Bögen zu spannen, wie etwa in der umfangreichen Cellosonate, an der so manch anderer Pianist scheitert.

Diese einzige komplette Cellosonate Rachmaninovs nimmt auch mit über 37 Minuten den breitesten Platz dieser Einspielung ein. Ausdrucksstark erheben sich die cantablen Melodien im Kopfsatz, Hayroudinoff leistet eine unglaubliche Allegro-Arbeit, ohne aufdringlich zu werden oder der Melodie im Cello den Rang abzulaufen. Charismatisch betritt das Gespann auch die Untiefe des Allegro Scherzando im zweiten Satz, düster grollt es, kernig und robust legt sich Iwaschkin in sein Instrument, um nur wenig später, wie etwa im Finale im Schönklang und der schwelgerischen Harmonik aufgehen zu können.

Dieser generelle spätromantische Ton ist auch in den fünf anderen Stücken der CD wiederzufinden. So stellt sich diese Einspielung mit dem kurzen ‘Lied’ vor – ein bescheidener Titel für ein kleines Werk, in dem aber schon alles enthalten ist, was man lapidar als Rachmaninovs Herzblut bezeichnen könnte. Und so reichen diese knapp drei Minuten den beiden Musikern auch, um den Hörer für den Rest der CD gefangen zu nehmen. Ihnen folgen die ‘Zwei Stücke, Op.2’, die in dem ‘Danse orientale’ die Experimentierfreude des Komponisten aufzeigen, sowie das bescheidene, introvertierte ‘Prelude, Op.23’. Als weitere Zugaben liegen noch zwei ‘premiere recordings’ vor: zum Einen eine Rekonstruktion einer Improvisation Rachmaninovs, über eine seiner eigenen Melodien. Zum Anderen die so bekannte ‘Vokalise’, hier aber endlich in der Ur-Fassung, ohne Spuren einer der vielen Bearbeitungen, so dass die berühmte Melodie frisch und neu wirkt, und trotz ihres Bekanntheitsgrades nicht überflüssig oder gar langweilend wirkt.

Insgesamt eine vielleicht nicht ganz abwechslungsreiche Einspielung, aber für die wahrscheinlich hohe Fan-Hörerschaft eine spätromantische Empfehlung, in der vor allem die beiden Interpreten auf Weltniveau hervortreten.
Gönnen Sie sich also unbedingt diese 67 Minuten Cello-Schmelz – und wollen wir hoffen, dass sie nicht bald vom Umweltministerium verboten werden, denn sie tragen massiv zur globalen Erwärmung bei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: Complete Works for Cello and Piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
15.03.2004
Medium:
EAN:

CD
0095115109526


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Rachmaninoff, Sergej


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Interpret(en):Ivashkin, Alexander
Hayroudinoff, Rustem


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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