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Donnerstag, 21. November 2019

Carulli, Ferdinando - Italian Guitar Concertos

Italienisch für Gitarre und Orchester


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vier Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts geben sich auf der Einspielung ?ITALIEN GUITAR CONCERTOS? die Ehre. Gespielt wird die Solopartie der Kompositionen von dem in Stuttgart geborenen Friedemann Wuttke, der erst relativ spät, im Alter von fünfzehn Jahren, eine Konzertgitarre zu spielen lernte. Nach dem Studium an der Musikhochschule in Stuttgart besuchte er mehrfach Meisterkurse bei internationalen Gitarristen. Zum Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg kam die Arbeit beim ?Studienkreis Musik? und den ?Internationalen Stuttgarter Gitarrentagen?.
Wuttke sagt von sich selber, dass er bei seinem Studium nicht gelernt hat, Konzerte zu geben. Erst durch die Zusammenarbeit mit seinem Mentor Igor Zhukov lernte er die Höhen und Tiefen dieser Arbeit kennen. Die Einspielung ist Teil der Zusammenarbeit, denn der russische Pianist und Dirigent leitet das Neue Moskauer Kammerorchester, welches den Gitarristen begleitet. Seit 1992 verdient sich Wuttke ausschließlich mit seinen Konzerten und produzierten Tonträgern seinen Lebensunterhalt. Die beim Label Profil Medien erschienene CD wurde bereits 1992/ 93 aufgenommen und lässt durchaus die Frage zu, warum sie erst jetzt veröffentlicht wurde.

Ferdinando Carulli als Autodidakt
Jeder zeitgenössische Gitarrist, der sich der klassischen Spielweise verpflichtet, hat in seiner Musikerlaufbahn zumindest einmal ein Werk von Ferdinando Carulli (1770 - 1841) gespielt. Bemerkenswert daran ist, dass Carulli eigentlich Cellist war, aber laut Werner Müller Grimmel, dem Schreiber des Einführungstextes im Booklet, autodidaktisch zum besten Gitarristen seiner Zeit avancierte. Auf der Einspielung ist von Carulli das Gitarrenkonzert A-Dur, op. 8 für Gitarre und Orchester zu hören.
In einem gemäßigten Allegro, welches scheinbar zugunsten des Solisten gewählt wurde, ist das Orchester sofort präsent. Mit einem überzeugenden Forte und Piano wird spannungsvoll auf den Beginn der Gitarre hingespielt. Leider setzt Wuttke mit einem wirkungslosen Akkord ein, der beim Hörer den aufgebauten Spannungsbogen des Orchesters schnell zerstören kann. Glücklicherweise gelingt es ihm, durch seine frechen Verzierungen, seine sauberen hohen Töne und einige beeindruckende Läufe die Aufmerksamkeit des Hörers erneut zu binden. Wie Grimmel im Booklet schreibt, war ?wegen seiner nach oben doch recht begrenzten dynamischen Möglichkeiten (...) an einen solistischen Einsatz (der Gitarre) im Rahmen eines vom größer gewordenen romantischen Orchesters des neunzehnten Jahrhunderts begleiteten Instrumentalkonzerts nicht zu denken?. Die begrenzten dynamischen Möglichkeiten reizt Wuttke an einigen Stellen zu weit aus. Besonders seine Rasgueados wirken geknallt und lassen einen schönen Ton vermissen.
Carulli komponierte entgegen der zeitgenössischen Geläufigkeit der Wiener Klassik für dieses Werk nur ein Allegro und eine Polonaise. Der für Instrumentalkonzerte obligatorische langsame Satz wurde von ihm ignoriert. Dies veranlasste Wuttke, Ulrich Wedlich zu beauftragen, einen stilgetreuen langsamen Satz hinzu zu komponieren. Das entstandene Adagio fügt sich hervorragend in das Konzert ein. Wunderschöne gesangliche Passagen bringen den Hörer zum Träumen. Die Gitarre zusammen mit der Begleitung durch das Orchester erzeugen ein Gänsehautgefühl. Dennoch fehlt auch in diesem Satz dem Gitarristen die Weichheit des Orchesters. Stellenweise klingen seine Passagen wie eine technische Übung, denen die Emotionalität fehlt. Hingegen kommt seine Solokadenz sehr überzeugend. Eine an einer Stelle deutlich zu hörende Atmung stört die Stimmung des Adagios ungemein. Ein schwungvoller Ausklang des Werkes ertönt mit der Polonaise, die für den Solisten wie geschaffen ist. Eine ausgefeilte Dynamik, Akzentuierung sowie verschiedene Klangfarben sowohl des Orchesters als auch und besonders des Gitarristen machen diesen Satz hörenswert.

Romanze, Cembalo und Boccerini
Auf Carulli folgt Niccolo Paganinis (1782 - 1840) Romanze a-moll für Gitarre und Streichorchester, die in der Originalversion Teil der ?Großen Sonate? für Gitarre mit Violinbegleitung ist. Wuttke hat für diese Einspielung eine Bearbeitung für Gitarre und Streicher geschrieben. Dem Gitarristen gelingt es, die durch das Orchester hervor gerufenen Eindrücke in sein Spiel zu übernehmen. Zwischen ihm und den Streichern entsteht ein wunderbar musikalischer Dialog, dessen Höhepunkt sich in der Kadenz des Solisten entfaltet.
Mit Antonio Vivaldis (1678 - 1741) Gitarrenkonzert D-Dur für Gitarre und Orchester, welches er für den Mäzen Graf Wrtby um 1730 schrieb, erklingt auf dieser Einspielung ein ursprünglich für Laute bestimmtes Werk, welches von Friedemann Wuttke bearbeitet wurde. Durch das Ertönen eines Cembalos kommen ein ganz neuer Klangeindruck und eine neue Klangfarbe zum bisherigen Repertoire der CD hinzu. Durch die Begleitung der solistischen Passagen des Gitarristen in beiden Allegrosätzen durch Violoncello, Bass und eben Cembalo ist die Gitarre sehr deutlich und klar zu hören. Im Largo bilden die Streicher einen Klangteppich, der die zarten, aber vollen Töne des Solisten entfalten lässt. Ab und an ist der Anschlag von Wuttke unangemessen hart und kann bei genauem Hinhören störend sein.

Das Gitarrenquintett e-moll für Gitarre und Streichquartett, op. 50 Nr. 3 von Luigi Boccerini (1743 - 1805) rundet die Einspielung eindrucksvoll ab. Im Allegro moderato, dessen Schluss leider verklappert ist, Adagio, Minuetto und Allegretto lassen der Solist und das Streichquartett einen neuen Klangeindruck, getragen durch die Besetzung, entstehen. Gitarre und Streicher bilden eine hervorragende musikalische Einheit, die allerdings manchmal die Aufmerksamkeit des Zuhörers weg vom Solisten lenkt. Wuttke lässt in diesem Werk seine Spieltechnik für ein beachtliches Tempo glänzen.
Alles in allem ist die CD ein Anhören wert. Auch wenn die Interpretation des Solisten manchmal an musikalischer Überzeugungskraft mangelt, so ist doch das Zusammenspiel von Friedemann Wuttke und dem Neuen Moskauer Kammerorchester ein Erlebnis für die Ohren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Maxi Löffler,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Carulli, Ferdinando: Italian Guitar Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
27.04.2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0881488402322
PH04023


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Boccherini, Luigi
Carulli, Fernando
Paganini, Niccolò
Vivaldi, Antonio


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Dirigent(en):Zhukov, Igor
Orchester/Ensemble:Neues Moskauer Kammerorchester
Interpret(en):Wuttke, Friedemann


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
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